Archiv für September 2004

Einen Cartoon, bitteschön.

Dienstag, 14. September 2004

Zeichnen kann ich gar nicht; kaum jemand kann sich vorstellen, wie sehr nicht. Aber ich hätte so gerne einen ganz bestimmten Cartoon für dieses Blog:

Offene Haustür, Perspektive von der Wohnung aus. Die Bewohnerin hat geöffnet, im Hintegrund sieht man ihren Rechner, darauf vielleicht gerade noch zu erkennen „My Blog“. Draußen steht ein Polizist in amerikanischer Uniform, der sich gerade ausweist und sagt: „May I see your poetic license?“

(Ja, das finde ich lustig.)

Kann mir das jemand zeichnen? Mag sich jemand bei mir unter kaltmamsell at vorspeisenplatte punkt de melden? Der Schöpfer / die Schöpferin wird bei Veröffentlichung natürlich genannt und behält die Rechte. Ich biete ein bis zwei Gmail-Accounts. Oder ein Schächtelchen selbst gemachte Cantuccini. Oder ein Exemplar der Tante Jolesch. Wenn’s unbedingt sein muss, auch Geld.

Anybody?

Dr. pepa packt aus

Montag, 13. September 2004

Anaesthesie am Gummibärchen

Das gelbe Gummibärchen zeigt oft eine besondere Affinität zu hepatischen Erkrankungen.
Eine
akute Gelatinitis B oder C, auch als Morbus HARIBO bekannt, sollte schon wegen des hohen intraoperativen Infektionsrisikos ausgeschlossen werden.

Aufklärung

Montag, 13. September 2004

Was eine Skeptikerin ist, will sich bei Medien-Aufschrei die Quelle genau anschauen.

Das hat Bundespräsident Köhler gesagt (Wortlaut des Interviews):

Aber unabhängig davon gab und gibt es nun einmal überall in der Republik große Unterschiede in den Lebensverhältnissen. Das geht von Nord nach Süd wie von West nach Ost. Wer sie einebnen will, zementiert den Subventionsstaat und legt der jungen Generation eine untragbare Schuldenlast auf. Wir müssen wegkommen vom Subventionsstaat. Worauf es ankommt, ist, den Menschen Freiräume für ihre Ideen und Initiativen zu schaffen.

Gestern in der Tagesschau wurde dieser letzte Satz weg gelassen, auf der Website fehlt er auch heute.

Überhaupt finde ich eine andere Passage des Interviews viel interessanter:

Und wenn ein Arbeitnehmer in seiner Heimat keinen Arbeitsplatz finden kann, der seinen Ansprüchen gerecht wird, dann muss er selbst entscheiden: entweder dort hinziehen, wo er Chancen sieht, seine beruflichen Ziele zu verwirklichen, oder bewusst dem Leben in der unmittelbaren Heimat den Vorzug geben. Ich weiß, dass diese Wahl oft schwer fällt.

Da kann ich als Abkömmling einer Einwandererfamilie nur aus vollem Herzen zustimmen. Nur dass ich davon ausgehen muss, dass Herr Köhler mit dieser Aussage nur Menschen gemeint hat, die ohnehin schon innerhalb der deutschen Grenzen wohnen, nicht etwa fleißige Polen oder ehrgeizige Marokkaner. Oder?

Lecker Gäste

Sonntag, 12. September 2004

Gäste weg

Gestern seit langem wieder liebe Gäste zum Abendessen gehabt. Mich erinnert, welch willkommener Anlass das immer ist, die Wohnung von (einigen) Papiernestern zu befreien.

Es gab zur Vorspeise gebratenen Halloumi mit Limonen-Vinaigrette, dann Cheese and Spinach Pancake Pie mit Entrecote von einem Herrmannsdorfer Rind (ich verkündete, dass es „Loisl“ geheißen hätte), und zum Nachtisch Marsala-Pfirsiche mit Mandel-Mascarpone.

Als alle weg waren, saß ich noch eine Weile auf dem Balkon in der lauen Nachtluft, schnuppernd, den Grillen lauschend, und fühlte mich wohl.

Wo waren Sie, als…

Samstag, 11. September 2004

Ein Durchschnittsnachmittag in der Agentur. Heute bei den 38 gleichzeitig zu erledigenden Dingen der Arbeitsliste: Redakteuren hinterher telefonieren, die wir zu einer Software-Präsentation (Ergonomie-Simulation) mit anschließendem Oktoberfest-Besuch eingeladen hatten. Der Kollege gegenüber schaute an seinem Bildschirm vorbei zu mir: „Ein Flugzeug ist ins World Trade Center geflogen.“ Später erfuhr ich, dass das in seinem Börsenticker gestanden hatte, den er als Leiste unten auf seinem Bildschirm durchlaufen ließ.

Was? Die Information suchte sich zögerlich einen Platz im Hirn, zwischen „Medien-Ente“ und „Oh. Mein. Gott.“, bastelte ein paar Bilder aus Hollywood-Katastrophenfilmen dazu.

Der Kollege hatte mittlerweile bei CNN recherchiert und bestätigte: „Ein normales Passagierflugzeug. In einen Turm des World Trade Center.“ Noch hielten wir die Katastrophe für einen schreckliche Unfall. Ich starrte den Kollegen an, während er weiterklickte, während sein Gesicht immer ernster und blasser wurde. „Und jetzt ein zweites, in den zweiten Turm.“ Die Information war endgültig bei „Oh. Mein. Gott.“ gelandet. Die Kopfbilder dazu bedienten sich immer noch bei Hollywood-Produktionen.

Nach endlosen Minuten, keine Ahnung, was ich in denen gemacht habe: Die ersten Bilder auf meinem Bildschirm. Und das automatische Zuschalten des Emotionsblockers: „Zu – viel – zu – viel – zu – viel…“

Mein Team und das weitere Team im Großraum ließen alles liegen und stehen und rannten ins Nebengebäude: Im dortigen Konferenzraum gab es einen Fernseher. Ich blieb sitzen. Holte die Telefonliste auf den Bildschirm. Rief bei einem Redakteur des Weka-Verlags in Poing an, ich kann mich nicht erinnern, welchen: „Ich weiß ja nicht, ob das jetzt sehr unpassend ist, wenn ich Sie nach der Veranstaltung von VVYY frage…“ Er lachte, lachte ganz normal: „Ach was, uns bleibt doch eh nichts übrig.“

Nach einer halben Stunde kamen die Kollegen wieder und berichteten: Flugzeug auf das Pentagon abgestürzt, weiteres Flugzeug unterwegs. Ich nickte und schob die Berichte aus dem Bewusstsein. Arbeitete weiter. Auf den Nachrichten-Websites war ohnehin kein Durchkommen mehr. Wenn ein Kollege eine neue Information gefunden hatte, rief er sie in den Raum. Ich hatte das immer dringendere Bedürfnis, jemanden anzurufen. Der Mitbewohner war nicht daheim. Erst am Abend erreichte ich meine Mutter: Sie wusste bereits Bescheid, war recht ungerührt und kam gerade von zwei Stunden Step Aerobics zurück.

Bei mir war es erst der Dokumentarfilm der französischen Brüder Naudet über die New Yorker Feuerwehr, der mich das Geschehen ein Jahr später begreifen ließ und mich endlich auch emotional erschütterte.

Fledermaus-Invasion in München

Samstag, 11. September 2004

Fledermäuse

Fluch

Samstag, 11. September 2004

Der Obsthändler, dem ich sagte, dass ich saftige Früchte brauchte und den ich um Rat bat, ob ich also lieber seine Nektarinen oder seine Pfirsiche nehmen sollte. Der mir darob seine riesigen Pfirsiche anpries („aus der Türkei!“) und mir fünf Stück für fast zehn Euro verkaufte. Die sich, als ich sie eben blanchierte, schälte und halbierte (für in Marsala gebackene Pfirsiche mit Mandel-Mascarpone-Schaum), innen als muffig braun erwiesen.

Den soll die Scheißerei treffen!