Ich bin ja immer noch sehr getroffen durch die Unterstellung, ich hätte etwas mit dem „neuen deutschen Spießer“ gemein: Da schreibe ich schon vor Jahren das Lob des Spießertums, werde nicht müde auf mein angeborenes Naturspießertum zu verweisen, und dann unterstellt man meiner Spießigkeit Neuigkeit und Deutschtum?
Lassen wir doch Fakten sprechen:
– Ich war bei den Pfadfinderinnnen.
– Ich habe im Jugendchor gesungen.
– Zum Wohnen bevorzuge ich Altbau.
– Ich habe einen Perserteppich im Wohnzimmer liegen, darunter ist Parkett.
– Meine Wohnung ist mit dunkel gebeizten Spießermöbeln eingerichtet, darunter die eine oder andere billige Antiquität.
– Mein bestes Geschirr (ich habe ein bestes Geschirr!) trägt Goldrand.
– Beim Essen daheim lege ich immer Sets unter und Servietten (Stoffservietten!) auf.
– Ich besitze ein Bügelbrett, und das habe ich mir mit 19 selbst gekauft.
– Ich mache jeden Tag mein Bett.
– Ich schwimme im sportlichen Mainstream: in den 90ern Aerobic, seit zwei Jahren Dauerlauf.
– Ich stecke mitten im kulinarischen Mainstream: Selber kochen, Ablehnung von Fast Food, hie und da ein Weinseminar, gerne mal ein Besuch in einem hochklassigen Restaurant, Foodblogs lesen.
– Ebenso fett sitze ich im kulturellen Mainstream: Ich lese fast ausschließlich Bücher aus hohen Auflagen, höre – wenn überhaupt – Massenmusik (selbst bei Klassik), gehe – wenn überhaupt – in ganz große Ausstellungen in großen Museen.
– Der gemeinsame Haushalt steckt voller Mainstream-Technik, darunter Fernseher, Videorekorder, CD-Spieler, DVD-Rekorder, Radio, Plattenspieler, Kassettenrekorder, Ipod, Stationärcomputer, Mobilcomputer, Drucker, Scanner, Mobiltelefone, Stationärtelefon, Anrufbeantworter.
– Ich arbeite in Festanstellung im Büro.
– Ich unterhalte eine Altersvorsorge-Lebensversicherung.
– Urlaub mache ich an bekannten Tourismusorten, reise lieber kürzer und bequem als länger und strapaziös.
– Auch in meiner Jugend bin ich selten im wilden Sinn ausgegangen, sondern habe mich eher mit Freunden auf ein Bier getroffen.
– Ich liebe Latte macchiato.
– Oft lese ich als ersten Teil der Zeitung das Feuilleton.
– Ich bin Abonnentin der meistverbreiteten deutschsprachigen Tageszeitung.
– Ich bin verheiratet.
– Ich gehe früh ins Bett und habe nichts gegen frühes Aufstehen.
– Ich höre ausschließlich öffentlich rechtliches Radio.
– Ich fotografiere viel.
– Ich schaue gerne Tatort im Fernsehen an.
– Ich lese gerne Krimis.
Und das ist nur der Anfang!