Archiv für Januar 2008

E bisi Gelächter

Sonntag, 13. Januar 2008

Bild.de weiß nicht, was ein baby shower ist und übersetzt – na was wohl?

“soeben versehentlich einen spitznamen für unapptitliche männer, die rumbaggern, erfunden: VÖGELSCHEUCHEN” (Frau Buschheuer)

“Vonne zehn Kannidatten kennich kein einzichsten, abba ich dachte ja auch, den Bata Illitsch is’ eine Erfindung von den Bully Herbich.” (Ingeborch Schubiak)

Zum Umgang mit Religiösen

Freitag, 11. Januar 2008

Wieder mal ein nachvollziehenswerter Gedankengang von Dilbert-Schöpfer Scott Adams: Kann man überhaupt jemanden zu seinem Regierungschef oder Staatsoberhaupt wählen, der einer anderen Religion angehört als man selbst? Denn: Wenn man von der Richtigkeit des eigenen Glaubens überzeugt ist und von der Falschheit anderer Religionen, müsste das doch beweisen, dass der Kandidat in der wichtigsten Frage der Welt falsch liegt. Der Kandidat für den mächtigsten Posten in einer Demokratie sollte doch vor allem in der Lage sein, Richtiges von Blödsinn zu unterscheiden. Wer will schon von jemandem regiert werden, der an Horoskope glaubt und seine Einschätzungen davon prägen lässt? So richtig Religiöse müssten ja davon ausgehen, dass es gar nicht schwer ist, die richtige Religion zu finden – schließlich haben sie es auch geschafft. Also müssten sie nur jemanden als Regierungschef / Staatschef haben wollen, der zumindest das gepackt hat.
Atheisten neigen laut Scott Adams zu dem Verdacht, dass Menschen nur deshalb bereit sind, andersreligiöse Menschen zu wählen, weil

No one really believes what they say they believe, at least not in the same way you believe you have to open the front door in order to walk through it. There are two sorts of belief. One is the type you act on, and the other is the type you use to feel good about your place in the universe.

Und so habe ich als Ungläubige (ich halte auch Atheismus für Glaubenssache) vielleicht einen Ansatz zu entspannterem Umgang mit durchschnittlich religiösen Menschen gefunden: Religion hilft ihnen, sich auf ihrem Platz im Universum gut zu fühlen, muss sich aber nicht unbedingt auf ihr Verhalten oder auch nur auf ihre Urteilskraft auswirken.

Vorverkaufsgebühren

Donnerstag, 10. Januar 2008

Verdacht: Bayerisches Staatsschauspiel steckt mit den Betreibern zentraler Vorverkaufsbüros unter einer Decke. Habe tagelang vergeblich versucht, online Karten fürs Residenztheater zu kaufen (siehe Neujahrsvorsatz): Das System blieb immer wieder stecken, und als ich endlich meine Kundendaten hinterlegen konnte, bekam ich keine Bestätigungsmail, die mich hätte bestellen und zahlen lassen. Als ich gestern die Karten mit sattem Aufpreis im zentralen Vorverkaufsbüro holte, war die Schalterdame verblüfft, wie genau ich sie an die beiden Plätze lotste, die ich seit Tagen vergeblich online angepeilt hatte. Als ich ihr mein Problem schilderte, winkte sie sofort ab: “Wissen wir.” Also, ich bitt Sie!

Fischer fühlen sich durch Tatort verunglimpft

Dienstag, 8. Januar 2008

Kleiner Lacher zwischendurch:

Der Landesfischereiverband Baden hat die gestrige “Tatort”-Folge “Der Kormorankrieg” kritisiert. Inhalt und Handlungsablauf seien an den Haaren herbeigezogen gewesen, sagte Geschäftsführer Ingo Kramer der Nachrichtenagentur dpa. Die Berufsfischer am Bodensee würden als brutale Trottel gezeichnet, bemängelte er.

via Deutschlandradio

Großartig! Zwei Wochen davor hatten wir eine religiöse Gruppierung, die sich verunglimpft fühlte, eigentlich hätte vor einer Woche die Pharma-Industrie protestieren können – seien wir gespannt, wer am 27. schlecht wegkommt.

Belege meiner tief verwurzelten Spießigkeit

Dienstag, 8. Januar 2008

Ich bin ja immer noch sehr getroffen durch die Unterstellung, ich hätte etwas mit dem „neuen deutschen Spießer“ gemein: Da schreibe ich schon vor Jahren das Lob des Spießertums, werde nicht müde auf mein angeborenes Naturspießertum zu verweisen, und dann unterstellt man meiner Spießigkeit Neuigkeit und Deutschtum?

Lassen wir doch Fakten sprechen:

– Ich war bei den Pfadfinderinnnen.

– Ich habe im Jugendchor gesungen.

– Zum Wohnen bevorzuge ich Altbau.

– Ich habe einen Perserteppich im Wohnzimmer liegen, darunter ist Parkett.

– Meine Wohnung ist mit dunkel gebeizten Spießermöbeln eingerichtet, darunter die eine oder andere billige Antiquität.

– Mein bestes Geschirr (ich habe ein bestes Geschirr!) trägt Goldrand.

– Beim Essen daheim lege ich immer Sets unter und Servietten (Stoffservietten!) auf.

– Ich besitze ein Bügelbrett, und das habe ich mir mit 19 selbst gekauft.

– Ich mache jeden Tag mein Bett.

– Ich schwimme im sportlichen Mainstream: in den 90ern Aerobic, seit zwei Jahren Dauerlauf.

– Ich stecke mitten im kulinarischen Mainstream: Selber kochen, Ablehnung von Fast Food, hie und da ein Weinseminar, gerne mal ein Besuch in einem hochklassigen Restaurant, Foodblogs lesen.

– Ebenso fett sitze ich im kulturellen Mainstream: Ich lese fast ausschließlich Bücher aus hohen Auflagen, höre – wenn überhaupt – Massenmusik (selbst bei Klassik), gehe – wenn überhaupt – in ganz große Ausstellungen in großen Museen.

– Der gemeinsame Haushalt steckt voller Mainstream-Technik, darunter Fernseher, Videorekorder, CD-Spieler, DVD-Rekorder, Radio, Plattenspieler, Kassettenrekorder, Ipod, Stationärcomputer, Mobilcomputer, Drucker, Scanner, Mobiltelefone, Stationärtelefon, Anrufbeantworter.

– Ich arbeite in Festanstellung im Büro.

– Ich unterhalte eine Altersvorsorge-Lebensversicherung.

– Urlaub mache ich an bekannten Tourismusorten, reise lieber kürzer und bequem als länger und strapaziös.

– Auch in meiner Jugend bin ich selten im wilden Sinn ausgegangen, sondern habe mich eher mit Freunden auf ein Bier getroffen.

– Ich liebe Latte macchiato.

– Oft lese ich als ersten Teil der Zeitung das Feuilleton.

– Ich bin Abonnentin der meistverbreiteten deutschsprachigen Tageszeitung.

– Ich bin verheiratet.

– Ich gehe früh ins Bett und habe nichts gegen frühes Aufstehen.

– Ich höre ausschließlich öffentlich rechtliches Radio.

– Ich fotografiere viel.

– Ich schaue gerne Tatort im Fernsehen an.

– Ich lese gerne Krimis.

Und das ist nur der Anfang!

Das mit der Leidenschaft

Sonntag, 6. Januar 2008

Isabel Allende hält eine exzellente, hochkomische, mitreißende Rede über passion, also Leidenschaft und warum sie so bitter nötig sei. (Der rote Faden: ihre vier Minuten Weltruhm als Fackelträgerin bei den olympischen Winterspielen in Italien.) Unbedingt anschauenswert, einfach auf Bild klicken.

allende.jpg

via Swissmiss

Nur dass ich Frau Allende in ihrer zentralen Forderung widerspreche: Passion steht auch hinter religiösem Fanatismus, Massenmord, grausamen Diktaturen, Machtgeilheit. Auch wenn Allende die vernünftigen, netten Menschen als langweilig belächelt – ich fürchte, genau von denen braucht es mehr.

Wunderwelt der Wörter

Freitag, 4. Januar 2008

Beim weihnachtlichem Schwiegerbesuch gelernt:
Posamentennäherin: Schwiegermutter erzählte von einer früheren Nachbarin, die diesen Beruf ausübte, also für einen örtlichen Raumausstatter Textilverzierungen herstellte, darunter Fransen, Kordeln, Quasten und → Schabracken.
Schabracke: Zur Erklärung zeigte die Schwiegermutter an den Fenstersturz, denn so wurde die schmückende Blende über der Vorhangleiste genannt, als sie noch zu einer angemessen bürgerlichen Wohnungsausstattung gehörte. (Hier Weiterführendes.) Wo der Bezug zur heutigen Verwendung als Bezeichnung für eine abstoßende alte Frau kommt, habe ich nicht herausgefunden.

In meiner – trotz aller Ausrutscher – Lieblingszeitung:
Christbaumkugelschrift einer 14-Jährigen: Ich wusste sofort, was Andreas Bernard meinte. Und endlich eröffnet sich ein Bereich der Graphologie, der mich tatsächlich interessiert: Wie kommt es, dass diese Schrift ein überzeitliches Phänomen ist? Erscheinungen wie die Wiedererkennbarkeit nationaler Handschriften erkläre ich mir mit lehrplaninhärenten und national einheitlichen Methoden des Schreibunterrichts; doch obwohl meiner Beobachtung nach die Schreibfertigkeit in den vergangenen 50 Jahren in Deutschland mit sehr unterschiedlichen Methoden vermittelt wurde, bleibt die Christbaumkugelschrift. Wer könnte sich um eine Erklärung kümmern? Ein Psychosoziologe? Eine Ethnologin?

Dann noch aus der der Abteilung „Risikometaphern“:
“Da machen die 100 den Kohl nun auch nicht fett“ ist ein eher ekliger Kommentar zum gestiegenen Rohölpreis.