Archiv für Dezember 2016

Journal Samstag, 17. Dezember 2016 – Samstagslauf und Einpackapokalypse

Sonntag, 18. Dezember 2016

In der Nacht hatte mich wieder die Migräne besucht – anscheinend muss ich derzeit mit Alkohol extrem vorsichtig sein (zefix). Ich schlief entsprechend lange.

Der Morgennebel wurde zum Glück nicht Hochnebel, sondern verflog und ließ die Sonne raus. Ich freue mich auf einen ausführlichen Isarlauf hoch nach Großhesselohe und Pullach – dort war ich schon Monate nicht mehr gewesen.

Trotz wärmender Sonne kam ich recht durchgefröstelt heim: Ich hatte lange verschwitzt auf die U-Bahn gewartet. Ein Vollbad wärmte mich auf.

Erst um drei gab es Frühstück (aufgetauter Bagel mit Frischkäse und Lachs, Granatapfelkerne, Herz-Stern-Breze-Lebkuchen). Dabei beobachtete ich zwei Buntspechte, die sich an der Ziegelmauer gegenüber zu schaffen machten, einen dritten sah ich im Baum daneben. Ich hatte mich schon gesorgt, weil ich monatelang keine Spechte mehr in unserer Umgebung gesehen hatte.

Zwei Stunden gebügelt, dann machte ich mich ans Verpacken der familiären Weihnachtsgeschenke (am Sonntag steht der Adventspaziergang an). Und stellte fest, dass ich drei Rollen teures Geschenkpapier gekauft hatte, auf denen Tesafilm nicht hält. Auf meine Verzweiflungsrufe hin (bin ich ja schon bei funktionierendem Material alles andere als eine Verpackungsmeisterin) kam Herr Kaltmamsell. Er nahm mir das Packeln ab, sein matter Tesa klebte wenigstens ein bisschen. Im Gegenzug bereitete ich das Abendessen zu: Salat aus Gelben Beten (das Fleisch dazu briet er), zum Nachtisch Apple Crumble.

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Vom Tod eines Bloggers der ersten Stunde erfahren: Doc Buelle lebt nicht mehr. Ich habe lange bei ihm gelesen (bis mich sein Lästern über die Frauen, mit denen er sich verabredete, zu sehr abstieß), profitierte sehr von dem Einblick in seine so fremde Lebenswirklichkeit. Sein “Es gibt keine Gesunden, nur Patienten, die ich nicht lange genug untersucht habe” zitiere ich bis heute. Ich hoffe innig, dass er nicht einsam gestorben ist.

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Man kann ja auch mal etwas ältere Blogposts rauskramen, wenn sie saisonal passen, nicht wahr? Gestern beschrieb @buddenbohm eine eheliche Weihnachtsbaumkaufszene, und ich dachte sofort an die ultimative eheliche Weihnachtsbaumkaufszene, aufgeschrieben vor elf Jahren von dasnuf.

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YAY!

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https://youtu.be/6DBi41reeF0

Journal Freitag, 16. Dezember 2016 – Schwarzen Alltag sichtbar gemacht

Samstag, 17. Dezember 2016

Zu frühes Angstaufwachen aus Arbeitsgründen. Auf dem Fußweg in die Arbeit stürzte auch noch mehrmals PokémonGO ab. HULK SMASH!
(Hatte der Hulk vielleicht einfach nur Angst?)

Angstgespräch war dann gar keines, das durch Erleichterung freigesetzte Adrenalin machte mich so glücklich, wie ich schon lange nicht mehr war.

Auf dem Heimweg im Süpermarket Granatäpfel, Knoblauch und Kuhkoteletts besorgt. Daheim stellte sich heraus, dass auch Herr Kaltmamsell unangemeldet Fleisch zum Kartoffel-Lauch-Gemüse eingekauft hatte. Er entschied sich für die Koteletts, das andere Fleisch gibt’s Samstag.

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Dass Viola Davis eine Ausnahmeschauspielerin ist, wurde mir erst durch ihre Hauptrolle in der Fernsehserie How to Get Away with Murder klar – unter anderem, weil ich noch nie eine schwarze Schauspielerin in solch einer Rolle gesehen hatte. Dass das kein Zufall ist, sondern Davis’ direkter Einfluss, lernte ich aus einem ausführlichen Portrait dieser Frau im New Yorker:
“Viola Davis’ call to adventure”.

The show and her character were hatched in close collaboration with the series’ creator, Peter Nowalk. From the start, Davis pushed him to dramatize Annalise’s interior world and to show the private moments of this tough, brilliant professional, who has a difficult, and promiscuous, past. “I’m trying, within the confines of the narrative that I’ve been given, to show her pathology,” she told me. “I don’t see acting as hiding. I see it as stepping up buck naked in front of a group of people that you don’t know. Every single time. It’s about exposing. If you’re not doing that, you’re basically not doing anything.” Nowalk elaborated, “From our very first phone call, she said, ‘I want to be a woman who takes off her wig and wipes off her makeup, and you see who she is underneath.’ She made the character frankly more complex, more interesting. Taking off her wig—that is the show’s most famous moment, and it is all hers.”

Als Aktivistin fiel Davis mir – wie vielen – durch ihre Emmy-Rede auf:

When she became the first African-American to win an Emmy for Best Leading Actress on a television series, in 2015, she quoted Harriet Tubman in her acceptance speech: “ ‘In my mind, I see a line. And over that line I see green fields and lovely flowers and beautiful white women with their arms stretched out to me over that line. But I can’t seem to get there no-how.’ ” Davis went on, “The only thing that separates women of color from anyone else is opportunity. You cannot win an Emmy for roles that are simply not there.”

Nun sorgt Davis dafür, dass Alltagsdetails schwarzen Lebens in Fernsehfiktion sichtbar werden – das häusliche Abnehmen der Perücke, für viele African American-Frauen ein täglicher Handgriff, ist nur eines davon. Das Abbilden scharzer Sprache (z.B. in der berühmten Auseinandersetzung der #HTGAWM-Figur Annalise mit ihrer Mutter) ein anderes.
Das Portrait im New Yorker geht zudem ausführlich auf Viola Davis’ bitterarme Kindheit in den 60ern ein, mit schier unvorstellbaren Details.

via @ruhepuls

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Laurie Penny erklärt
“We should be kind to America’s First Victim — Melania Trump”.

Treating Melania as a real human being, rather than an empty symbol, is one more way of opposing everything her husband stands for.

(…)

Attacking any woman in order to hurt her husband is lazy sexism, and doing it by way of her figure or fashion choices is lazier and more sexist still. This puts me and any other writer with feminist principles at a disadvantage, because at first glance there’s nothing else to Melania: over the years, she has been systematically stripped of all personality signifiers whatsoever beyond her body and what she puts on it.

(…)

Patriarchy is not a game any woman can win, and Melania is playing it on nightmare mode, in the version where you have to sleep with the end-level boss. The man she is married to has a thug’s understanding of consent and every intention of screwing the world, violently if necessary. How we treat his First Victim sets the tone for the fight to come. Be kind.

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Ein Thema, das alle Eltern angeht:

If you don’t talk to your kids about quantum computing…
someone else will.

Lesen Sie deshalb aufmerksam die Bildergeschichte
“The Talk”.

via @FelixM

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Wo bekommt ihr das her?

Journal Donnerstag, 15. Dezember 2016 – Garnelen satt

Freitag, 16. Dezember 2016

Frühmorgens eine halbe Stunde intensive Gymnastik vor dem Fernseher – ich komme seit Monaten nicht auf meine Sportkosten. Ursachen sind Arbeitszeiten (nicht genug Zeit vor Arbeitsbeginn), Dunkelheit (zu kurzes Tageslicht für Isarlauf) und Sportstudioprogramm (in den drei gut erreichbaren Studios der Kette an keinem Abend mehr Aerobics oder Stepaerobics) (na gut: die einzige verbleibende Stunde wird von jemandem vorgeturnt, mit dem ich überhaupt nicht zurecht komme).

Auf dem Weg in die Arbeit grüßte mich eine vernebelte Bavaria. Dieser Nebel hielt sich sehr lange.

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Abends zum Brillenhändler. Jetzt weiß ich, dass ich beim nächsten Brillenbruch gleich damit zum Fachmann gehe, sie wäre angeblich reparabel gewesen. So aber ließ ich das gleiche Gestell bestellen und werde mir für den nächsten Brillenausfall Tageslinsen kaufen. Mit fast 300 Euro für die Gläser (und die sind es ja, die mir schwindelfreies Sehen ermöglichen) ist mir nämlich eine Zweitbrille zu kostspielig.

Heimwerkerinnentipp aus gegebenem Anlass: Sekundenkleberreste lassen sich von Brillengläsern mit Nackellackentferner beseitigen.

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Herr Kaltmamsell versucht mir mit allen Mitteln die Dezember- und Arbeitsschatten von der Seele zu vertreiben. Kapriziös hatte ich mir zum gestrigen Abendessen Garnelen gewünscht (statt des Lauch-Kartoffel-Gemüses, das sich mit Blick auf den Ernteanteil angeboten hätte). Nicht nur besorgte er sie mir trotz der Lehrer-typischen Hektik vor Weihnachten, sondern servierte sie auch noch auf zweierlei Art:

Rezept aus Ottolenghis erstem (auf Deutsch zweitem) Kochbuch.

Aus der Lameng mit Sahne und Chili.
Von beidem aß ich sehr, sehr viel.

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Vor dem Schlafengehen weiter in Evan S. Connells Mrs Bridge gelesen, scheinbar harmlose Vignetten aus dem US-amerikanischen Suburbia der 50er, ausgesprochen trostlos. Hier ein neuerer Artikel aus dem Guardian darüber:
“Overlooked classics of American literature: Mrs Bridge by Evan S Connell”.
Wobei ich merke, dass die Hauptfigur so sehr dem Typus der verlorenen reichen Mittelklassehausfrau entspricht, dass ich der Schilderung misstraue.

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Patti Smith schreibt bewegend und lyrisch, wie es war, zur Nobelpreisverleihung an Bob Dylan zu singen.
“How Does It Feel”.

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Jennifer Lawrence und Chris Pratt bekämpfen einander in “Playground insults”.

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https://youtu.be/ETpiA8ych30

(Sie ist natürlich unschlagbar: “Your beard… no, I can’t talk about my pubes.”)

via @dtfdpr

Journal Mittwoch, 14. Dezember 2016 – Brille kaputt

Donnerstag, 15. Dezember 2016

Meine Brille ist kaputt. Am Sonntag zerbrach sie nach nur zweieinhalb Jahren Nutzung (praktisch, wenn man im eigenen Blog nachsehen kann) beim morgendlichen Putzen am Nasensteg. Schnell stellte ich fest, dass ich mich an die “Wellness-Gläser” gewöhnt hatte: Von meinen Vorgängerbrillen wurde mir schwindlig. Deshalb klebte Herr Kaltmamsell die Stelle am Sonntag schnell mit Sekundenkleber, ich trug die Brille geklebt.

Das hielt bis gestern Morgen, als ich im Büro unvorsichtig an einen Bügel fasste. Den Rest des Tages lief ich brillenlos in leichtem Nebel durch die Arbeitswelt.

Und das Foto, das ich auf dem Heimweg von der weihnachtlichen Theresienwiese aufnahm, wurde ebenso neblig wie meine Sicht. Abends klebte Herr Kaltmamsell sie nochmal brutaler, doch es ist klar, dass das nicht halten wird.

Ich bin verärgert, denn ich möchte keine neue Brille. Diese gefällt mir sehr gut und ich hätte sie gerne noch deutlich länger getragen, außerdem sind die (scheißteuren) Gläser noch bestens in Schuss.

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Im Ernteanteil war Spinat angekündigt, der sich als eine Hand voll Postelein herausstellte. Dann gab es halt statt Spinat mit roten Paprika in Erdnusssauce Posteleinsalat.

Und Rotwein, bald und schnell.

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Oder?

Journal Dienstag, 13. Dezember 2016 – Anstrengendes Christkindl

Mittwoch, 14. Dezember 2016

Das war womöglich doch eine leichte Migräne, dieses Aufwachen mit Kopfweh und dem deutlichen Gefühl: Da stimmt was nicht. Aber da sonst nichts Schlimmes war, ging ich lediglich nicht zum Frühsport außer Haus, sondern turnte eine halbe Stunde vor dem Fernseher. Doch in der Arbeit konnte ich immer wieder kaum geradeaus gucken und hatte Müdigkeitsattacken, die mich fast unter den Tisch legten. Also den Tag über lieber nichts erledigt, was hohe Konzentration und Präzision erfordert hätte.

Mich um eine weitere Weihnachtsfeier gedrückt. Tut gar nicht weh.

Nach einem wunderbar sonnigen und mittelkalten Tag abends durch dichtesten Berufsverkehr an den Ostbahnhof geradelt, um so eine Art Weihnachtseinkäufe zu tätigen. Der Laden war so versteckt, dass ich ihn erst nach mehrfachem Einkreisen fand, das hatte mich eh schon schlecht gestimmt. Und dann wurde auch noch mein Fahrrad weggemeckert: Ich solle es bitte da abstellen, wo es keine Autoparkplätze verstelle (es gab keine Fahradparkplätze). Dennoch reichlich eingekauft, ist ja für Weihnachten.

Die diesmonatliche Leserunde fiel wegen Erkrankungen aus, ich verabredete mich mit Herrn Kaltmamsell auf eine Konterpizza gegen das Pizzatrauma vom Sonntag. Funktionierte.

Wie löst ihr das?

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Romana Ganzoni schreibt
“Zur Kultur des weiblichen Alterns”.

Und damit über das “degenerativ”, das auch ich seit einigen Jahren in fast jeder ärztlichen Diagnose höre.

Wie viele Male habe ich gelesen, Frauen ab 40 seien unsichtbar. Für wen? Weil die Bauarbeiter nicht mehr pfeifen, ist man noch lange nicht unsichtbar. Mir blieb die Erfahrung, dass alle Männer in Ohnmacht fallen, wenn ich den Raum betrete, auch mit 24 vorenthalten. Was ich natürlich anklage. Aber ich war auch nicht erstaunt, dass das mit 40 immer noch nicht passierte. Immerhin kam einmal einer auf mich zu und fragte, was ich so mache im Leben. Es war schön, sagen zu können: Ich weiss gar nicht, wo ich anfangen soll.

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Völlig wahnsinnige Geschichte:
“The chilling stories behind Japan’s ‘evaporating people’”.

Of the many oddities that are culturally specific to Japan — from cat cafés to graveyard eviction notices to the infamous Suicide Forest, where an estimated 100 people per year take their own lives — perhaps none is as little known, and curious, as “the evaporated people.”

Since the mid-1990s, it’s estimated that at least 100,000 Japanese men and women vanish annually. They are the architects of their own disappearances, banishing themselves over indignities large and small: divorce, debt, job loss, failing an exam.

via @ruhepuls

Je mehr ich über japanische Kultur und Gesellschaft lerne, desto fremder wird mir beides.

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Bissken inspiration porn?
“Nachruf auf Sven Normann (Geb. 1984)
Ein schöner Mensch”.

Er stand nicht auf der Bühne, er saß und er lag da. In einem kaputten Körper eingesperrt – na und? Der Nachruf auf einen, der sich jeden Zentimeter Freiraum ertrotzte, der genoss, was zu genießen war.

via @claudine

Journal Montag, 12. Dezember 2016 – Einkaufsveränderungen

Dienstag, 13. Dezember 2016

3. Advent an der Theresienwiese. Sauwetter.

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Abends im Süpermarket wieder wundervolle Granatäpfel gekauft, einen als Nachtisch geschlachtet: die dunkelsten, süßesten Kerne. Es ist gerade offensichtlich Hochsaison – kaufenkaufenkaufen!

Anschließend wollte ich noch Drogerieprodukte besorgen, doch die Regale in dem dm ums Eck, in dem ich seit 17 Jahren Kundin bin, waren fast leer. Eine Angestellte gab mir die Auskunft, dass sie umziehen, ich ging mit leeren Händen.

Abendessenspläne umgeworfen, da ich das “mindestens 2 Stunden ruhen lassen” im Rezept übersehen hatte. Anfängerinnenfehler.

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Wie ist das bei dir?

Journal Sonntag, 11. Dezember 2016 – Seltsames Essen – gutes Essen

Montag, 12. Dezember 2016

Der Tag fing wieder wundervoll sonnig an, doch noch während ich nach einer Runde auf dem Crosstrainer vor dem Fernseher die Hanteln schwang, zog es zu.

Statt ins Tiernamentraining zu gehen, fuhr ich mit Herrn Kaltmamsell nach Augsburg. Dort aß ich die seltsamste Pizza Calzone meines Lebens: Ihre Füllung bestand aus Unmengen rohen, blättrig geschnittenen Champignons, etwas Schinken und ein paar Stückchen eingelegter Pepperoni. Kein Ei, kein Käse, keine Tomatensoße. Vielleicht eine Diätvariante?

Eigentlicher Anlass der Fahrt war ein Krankenbesuch gewesen, in der Familie werden weitere Kniegelenke ausgetauscht.

Abends trafen wir uns in München mit Besuch aus Frankfurt im Uiguren. Eigentlich nur der Form halber fragten wir auch diesmal nach den gebratenen Lammnieren von der Karte, die bislang jedesmal aus waren. Doch es gab sie!

Sie waren zart und schmeckten leicht scharf: gut, aber weniger exotisch als erwartet. Außerdem bestellten wir Lagman und (mein Favorit) DinDin Caumian.

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Wann fing das eigentlich an, dass ich beim Kennenlernen von gleichaltrigen Frauen erschrak: “Oh Gott, sehe ich auch so alt aus?” Und, viel wichtiger: Wann hört das bitte wieder auf?

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Die Deutsche Bahn hat ihre Nachtzüge verkauft. Jean-Pierre Ziegler vom Spiegel hat einen Nachtsteward auf seiner letzten Fahrt begleitet.
“Holstein steigt aus”.

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Possierliche Tierchen in Hamburg:
“Dezembermorgen, Stadtmitte”.

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Nutzt du das auch?