Journal Montag/Dienstag, 10./11. Juli 2017 – Neues Krafttraining
Mittwoch, 12. Juli 2017 um 6:35Montag also für den Arbeitsweg wieder um die Theresienwiese herum gelaufen.
Morgens war es angenehm kühl, auf dem Heimweg allerdings wieder schweißtreibend. Auf dem Rückweg Einkäufe im Supermarkt, das Regal mit Schokonüssen so leer wie schon letzte Woche (gab es Ernteausfälle bei Erdnüssen?).
Zum Abendbrot Ingolstädter Bauernwürscht, die meine Mutter auf meinen Wunsch bei ihrem jüngsten Besuch mitgebracht hatte.
Vielleicht raffe ich mich endlich mal auf, dieser lokalen Spezialität hinterher zu recherchieren (nein, Bauernwürscht sind nicht identisch mit Pfälzern oder Regensburgern). Dazu eine Scheibe altmodisches Mischbrot, wie es bei meiner Oma Standard war – die Porung war in meiner Erinnerung allerdings gleichmäßiger.
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Dienstagmorgen also Iron Cross. Tatsächlich was ganz Anderes, der Ansatz ähnelte dem des Kiesertrainings: Wenige Wiederholungen, je drei Sätze, möglichst hohe Gewichte, Muskel völlig erschöpfen. (Hot Iron geht Richtung Kraft-Ausdauer.) Ich lud mir vorsichtshalber nur die Gewichte der Vorwoche auf, war aber nie an meiner Grenze – nächste Woche lege ich auf. Netto wird allerdings ziemlich wenig gesportelt, und am Ende fühlte ich mich weniger rundumtrainiert als bei Hot Iron. (So sehe ich dabei übrigens aus.)
Beim Arbeiten fiel mir auf, dass ich Ziffern anders schreibe als in der Schule gelernt: die Eins nämlich englisch nur als Strich, die Sieben deutsch. Während meines Auslandsstudienjahrs in Wales hatte ich gelernt, dass es so international die wenigsten Missverständnisse gibt: Im englischsprachigen Raum hat die Sieben handschriftlich keinen Strich in der Mitte, die Eins keinen Anstrich oben. Das führte dazu, dass meine deutsch Eins mit Anstrich gerne mal als Sieben gelesen wurde.
Abends beim Friseur wieder ein Pfund Wolle rausschneiden lassen, sehr angenehm.
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Meine Twitter-Timeline (Web) besteht mittlerweile aus gezählten 43% Likes anderer Leute: Seit dem jüngsten Update schiebt Twitter sie mir ohne Zutun einfach rein. Gerne mal handelt sich um Schnipsel aus Konversationen, was sie für mich komplett sinnlos macht.
Für die unchronologische Timeline gab es wenigstens ein Opt-Out, aber jetzt bin ich hilflos. Ich fange an Leute zu verstehen, die Accounts blocken, die ihnen lediglich egal sind: Damit sie deren Tweets nicht durch Likes in die Timeline bekommen.
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Die Süddeutsche hat sich eine Seite des Schulalltags genauer angesehen:
“Digitalisierung der Schulen endet mit Elektroschrott”.
Was schon vor vielen Jahren klar war: IT-Unternehmen könnten sich nicht durch Spende von Geräten beliebt machen, sondern durch das Spenden eines oder einer Admin. “Systembetreuer”? Bitte unterhalten Sie sich mal mit einer Lehrkraft, die diesen Job hatte. Nach den Geschichten werden Sie sich fragen, ob denn auch der Hausmeisterjob an Schulen von Lehrkräften abgedeckt wird, gegen Verminderung der Unterrichtsstunden.
Was der Mathelehrer beschreibt, ist nur eine Krux von vielen, wenn es um Digitalisierung von Schulen geht: Das Projekt bleibt an den Lehrkräften hängen, fünf Milliarden hin oder her. Man kann die Schulen mit noch so vielen Tablets bewerfen – wenn die Lehrer nicht für digitalen Unterricht geschult werden, endet die Schuldigitalisierung in Elektroschrott und Kabelsalat. Schulen brauchen bei der Systembetreuung professionelle Unterstützung.
Ein Schulleiter wird konkret:
die KaltmamsellFranz Vogl kennt das Problem gut. Er leitet das Oskar-Maria-Graf-Gymnasium in Neufahrn, nördlich von München. Dort treibt er die Digitalisierung seit Jahren voran. Das Gymnasium ist eine von 38 Schulen deutschlandweit, die in einem Arbeitskreis die Voraussetzungen für digitale Bildung herausarbeiten. Mit immer mehr Hardware für die Schulen sei es nicht getan, meint Vogl, man müsse die Strukturen insgesamt verändern:
“Ich brauche ein Wlan-Netz, das die zu Recht hohen Anforderungen in Sachen Datenschutz an Schulen erfüllt; ich brauche ein schulinternes Netz für meine Computerräume und Tablets; ich brauche ein Verwaltungsnetz, das physisch vom Rest getrennt sein muss; dazu kommen noch weitere Zugänge von außen, die bereitgestellt und überwacht werden müssen. Jede mittelständische Firma hat für solche Aufgaben eine IT-Abteilung – aber an einem Gymnasium soll das ein Lehrer neben seinem normalen Job leisten? Das ist völlig utopisch”, sagt Schulleiter Vogl.
7 Kommentare zu „Journal Montag/Dienstag, 10./11. Juli 2017 – Neues Krafttraining“
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12. Juli 2017 um 8:25
Danke mal wieder für das Bewusstmachen von Dingen!
Die Sache mit dem Sys-Ad für Schulen … klar! Sinnvoll und absolut notwendig. Und so vehement wie im Mittelstand die IT-Pflege nach Indien ausgelagert wird, sollten sich doch Fachinformatiker für Systemintegration finden, die gern eine Stelle im öffentlichen Dienst hätten …
12. Juli 2017 um 10:18
Endlich verstehe ich, warum meine Twitter-Timeline so vogelwuid ist. Wer hat sich den Schmarrn ausgedacht? Immerhin muss ich jetzt nicht mehr glauben, dass es an mir liegt!
12. Juli 2017 um 14:37
Aber die Würschd schaun lecker aus!
12. Juli 2017 um 19:01
ich war eine weile an einer privatschule tätig, die hatten einen admin, halbe stelle, d.h. jeden vormittag im haus. der mann hatte ein diensthandy, man konnte ihn rufen, wenn akut im unterricht irgendwas gar nicht ging und überhaupt war er ein engel. sowas im staatlichen schuldienst – ein traum wär’ das!
12. Juli 2017 um 21:45
Die Würste gibt es wohl in München nicht zu kaufen …
Aber es gibt den wunderbaren Wurstladen Clasen im Rathaus, gegenüber Beck. Da frage ich mal.
13. Juli 2017 um 6:25
Der Clasen, Hauptschulblues, hat Münsterländer und nördlichere Spezialitäten – aber dort habe ich tatsächlich nie gefragt. Die Bauernwürscht aus der Region um Ingolstadt, Pfaffenhofen (der südlichste Ort, an denen ich ihnen begegnet bin) gibt es bislang nur dort – weil nicht als regionale Spezialität erkannt. Auch ich hatte sie für eine ganz normale Kesselwurscht gehalten – bis ich sie halt woanders nicht bekam und die Leute nicht wussten, wovon ich spreche.
15. Juli 2017 um 16:23
Ich glaube, ich beginne, die Gründe nachzuvollziehen, die für Clifford Stoll in seinem Buch “LogOut. Warum Computer nichts im Klassenzimmer zu suchen haben und andere High-Tech-Ketzereien” gegen die Digitalisierung sprechen.