Archiv für Oktober 2020

Journal Samstag, 17. Oktober 2020 – Besuchstag!

Sonntag, 18. Oktober 2020

Bevor ich nachmittags Besuch von Herrn Kaltmamsell bekam, hatte ich erst noch ordentlich Programm.

Wovon allerdings der Spaziergang nach dem Frühstück gleich mal ausfiel, da es draußen schüttete. Dann gab es eine Gruppenrunde “Fußstatik”, in der die Trainerin die Muskulatur des Fußes und seine Bedeutung fürs Gehen erklärte, einige Übungen machen ließ.

Programmpunkt 2 war Fango (gibt es einen belegbaren Unterschied zu einer Heizdecke? ernsthafte Frage), ich schlief fast ein. Für “Bewegungsschiene” (kurzes Augenrollen) irrte ich ein wenig herum: Der gewohnte Ort war verschlossen, ich hatte im Programm übersehen, dass ich diesmal in den dritten Stock musste und verspätete mich. In diesem Fall sehr egal.

Mittagessen war nach einer kräftigen Gemüsebrühe Ofengemüse mit Kartoffeln, zum Dessert ein Schoko-Kokos-Küchlein.

Kurz nach zwei kam endlich mein Besuch, und der Regen hatte tatsächlich aufgehört. Herr Kaltmamsell musste an einem eigenen Besuchertisch im Rezeptionsbereich (immer nur ein Besuch auf einmal) ein Formular ausfüllen, seine Temperatur wurde gemessen. Er hatte mir auf meinen Wunsch mein Kopfkissen mitgebracht (das hiesige ist ein riesiges, fast nicht zusammendrückbares Quadrat – um darauf wirklich nur meinen Kopf zu betten, Prinzip Nackenkissen, muss ich so weit im Bett runterrutschen, dass meine Füße überstehen), außerdem ein wenig Winterkleidung (Zack! sind für nächste Woche 17 Grad angekündigt).

Ich nahm ihn mit in die Cafeteria zu KaffeeundKuchen mit Plexiglas dazwischen – es gab hervorragende Marzipantorte.

Es war weiterhin trocken: Bei einem Parkspaziergang konnte ich Herrn Kaltmamsell zeigen, wo die Spatzen wohnen. Wir verließen das Klinikgelände auch für eine kleine Strecke am See, dann war der Besuch schon wieder vorbei: Ich holte einige Dinge aus dem Zimmer, die Herr Kaltmamsell bereits zurück nach Hause nehmen konnte und verabschiedete ihn – wieder berührungslos, erst nach meiner Reha gehören wir wieder zu einem Haushalt.

Ein weiteres Mitbringsel war Radicchio mit Blauschimmelkäse und Balsamico-Dressing gewesen:

Ich hatte beim Anblick des dieswöchigen Ernteanteils so laut gewinselt, dass ich ein wenig davon bekam. Die Hälfte aß ich als ersten Gang des Abendessens (die andere Hälfte bewahre ich kühl auf meinem Balkon auf), im Restaurant gab es dann als zweiten Gang eine Ofenkartoffel mit Kräuterquark.

Journal Freitag, 16. Oktober 2020 – Langweiliges Heilen

Samstag, 17. Oktober 2020

Große Stücke durchgeschlafen, das war schön.

Draußen regnete es weiter, nach dem Frühstück krückelte ich nur ganz kurz die Ländereien ab. Es regnete den ganzen Tag durch, ich schlief noch mit Regenrauschen ein.

Pilates war diesmal aus anderen Gründen anstrengend (auf Twitter kann ich vielstimmige Aufregung wenigstens muten), doch ich konnte für diesen Tag Bodenübungen abhaken (90 Prozent Überschneidung mit meinem Trainingsprogramm).

25 Minuten Bewegungsschiene, sonst würde ich hier gar keine Musik hören. Wieder Gelegenheit für einen Cappuccino.

Noch vor dem Mittagessen war ich zum Fädenziehen dran. Davor hatte ich mich ein wenig gefürchtet, denn die Narbe ist groß und noch empfindlich. Es ziepte dann aber nur ein bisschen. Mit dem Arzt plauderte ich über aserbaidschanische Namenskonventionen und den Einfluss der Sowjet-Zeit darauf.

Zu Mittag hatte ich diesmal den gebratenen Seehecht statt des vegetarischen Gerichts gewählt und war sehr mit dem saftigen Fisch zufrieden. Dazu Linsen-Gemüse-Salat, danach Waldbeerquark.

Nochmal zehn Minuten Elektrotherapie, ich amüsierte mich wieder.

Ausführliche Sportrunde mit allem, ich war anderthalb Stunden beschäftigt, fühlte mich nicht sehr fit.

Im Zimmer wechselte ich in bequeme Nicht-Sport-Klamotten, legte die Beine hoch zum Lesen. Ich hatte den Therapieplan für die nächste Woche bekommen, entdeckte erfreut Schwimmbad-Termine. Ende nächster Woche habe ich auch einen Termin “wegen Heimtransport” – das beruhigte mich, denn ohne Auto und dann auch noch mit Koffer und Krücken kommt man von hier gar nicht so einfach nach München.

Abendessen Gerstensalat mit Gemüse und Obst, davor Tomatencremesuppe.

Letzte telefonische Abstimmung mit Herr Kaltmamsell zu seinem samstäglichen Besuch. Ich hoffe auf einen trockenen Abschnitt für einen Spaziergang, der Aufenthalt in der Klinik selbst ist auf eine Stunde beschränkt.

§

Das Blog campcatatonia gab es schon immer. Hier ein frischer Bericht aus dem OP-Saal aus Patientinnensicht:
“Operationen”.

§

Die Süddeutsche schreibt über eine Studie der Bertelsmann-Stiftung zu Unternehmesgründungen von Einwanderern:
“Warum immer mehr Migranten gründen”.

Die Zahl der Selbständigen mit Migrationshintergrund hat sich seit 2005 um ein Drittel erhöht – auf fast 800 000. In diesen Firmen gibt es inzwischen 2,3 Millionen Arbeitsplätze, um die Hälfte mehr als damals.

(…)

In der übrigen Bevölkerung lässt sich ein deutlich negativer Trend erkennen. 2018 gab es fast 300 000 Selbständige weniger als Mitte der Nullerjahre.

Ob das irgendjemand zu Beginn der Gastarbeiterzeiten hätte ahnen können? Gestern stolperte ich auf eine historische Doku auf BR alpha: “Gott kennt keine Fremden” von 1962. In Stuttgart waren Einheimische auf der Straße zum “Gastarbeiterproblem” befragt worden. Die Antworten reichten von “Aber ja!” auf die Frage, ob er einen Ausländer zu sich nach Hause einladen würde bis zu “Man hört und sieht ja einiges” als Begründung für Ablehnung (auch damals eingeleitet mit “Ich hab ja nichts gegen…”).

Journal Donnerstag, 15. Oktober 2020 – Narbenschau und Ausflug vor die Kliniktore

Freitag, 16. Oktober 2020

Die Nacht endete um vier, bis zum Weckerklingeln war nur noch Dösen drin.

Beim Frühstück saß ich einer neuen Tischgenossin gegenüber (schräg, mit Plexiglasscheibe dazwischen), möglicherweise etwas redseliger als ihre Vorgängerin.

Morgenspaziergang bei feuchter Kälte unter grauem Himmel, die frische Luft tat trotzdem gut.

Ausführliche Sporteinheit an Geräten und auf dem Boden, ich kam sogar ins Schwitzen.

Mei, wenn “Bewegungsschiene” im Plan steht, dann mache ich die halt auch, sonst gibt’s Punkteabzug bei der Deutschen Rentenversicherung. (Spaß.) (Oder?)

Visite auf meinem Zimmer. Ein weiterer Arzt guckte auf meine Narbe: “Ah, ein Garmischer Schnitt.”
Das erzählte ich natürlich sofort auf Twitter – stellt sich heraus, dass es auch Krankenschwestern gibt, die Kaiserschnittnarben einem Operateur zuordnen können, Urologen, die sogar den Verursacher von 40 Jahre alte Narben identifizieren. Merken fürs nächste Ärzteserien-Drehbuch (oder als Indiz in einem Krimi: “Das Opfer stammt angeblich aus Tschechien – wie kommt es dann zu einer eindeutig niedersächsische OP-Narbe?”).

Auch dieser Arzt freute sich über meine Fortschritte, mahnte aber, dass das Implantat so oder so drei! Monate! zum Einwachsen brauche.

Der Terminplan erlaubte einen Cappuccino in der Cafeteria, den ich sehr genoss. Ich lasse ja immer aufs Zimmer buchen, um gesammelt bargeldlos bei Abreise zahlen zu können. Doch weil ich dadurch kein Trinkgeld gebe, hatte ich am Mittwoch der freundlichen Bedienung zwei Euro gesammeltes Trinkgeld hinterlassen. Ich glaube, das hat sie gefreut. Gestern saß ich gerade mal, als sie schon rief “Ein Cappuccino?” und beim Servieren die Rechnung aufs Zimmer gleich mitbrachte.

Mittagessen: Wok-Gemüse mit Sprossen, Tomaten, Chinanudeln war angekündigt, das Verhältnis allerdings andersrum Chinanudeln mit. Schmeckte aber gut. Vorher Champignoncremesuppe, als Nachtisch besonders guter Zwetschgenröster mit Zimtschmand.

Nach einer weitere pneumatischen Einheit “Lymphamat” machte ich mich fertig für ein erstes Verlassen des Klinikgeländes: Ich wollte ein bisschen in der Umgebung spazieren. Das Wetter weiterhin trüb und kühl, doch es war herrlich, ein bisschen echtes Draußen zu genießen.

Nach 45 Minuten gemütlichem Krückeln war ich allerdings erstaunlich erledigt und legte mich zurück im Zimmer erst mal flach.

Neue Lektüre: Mary Wesley, The Camomile Lawn, die Geschichte einer Gruppe Kusins und Kusinen in England, vom Start des Zweiten Weltkriegs bis 40 Jahre danach. Ging schon mal einladend los, ist gut erzählt.

Abendbrot war eine ordentliche Portion Obatzda, davor Tomatensuppe mit viel Einlage, dazu Brot.

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Wortschnittchen lebt in Chile, genauer: in Santiago de Chile. Und ihr platzt gerade der Kragen wegen des Genöles in Deutschlland über Corona-Regeln. Sie erzählt, wie sich fünf Monate echte Quarantäne anfühlen.
“Quarantäne, Lockdown & Co.”

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Kleidungshistorikerin Bernadette Banner (die mir bereits die weit verbreiteten Fehlannahmen über Korsetts im Lauf der Geschichte ausgetrieben hat) will sich nicht immer nur über Ungenauigkeiten in Historienfilmen ärgern. Diesmal schwärmt sie über “5 Historical Films That Got the Costumes RIGHT.”

Aktivieren Sie JavaScript um das Video zu sehen.
https://youtu.be/uPUCXnjtIlE

Journal Mittwoch, 14. Oktober 2020 – Geranienabtrieb und Gehen auf dem Mond

Donnerstag, 15. Oktober 2020

Hungrig aufgewacht. Ich fürchte, ich komme mit zwei zusätzlichen Konfektionsgrößen heim, da mein Hunger kein Pendant in Bewegung hat.

Morgenspaziergang nach dem Frühstück (kalt, ich sehnte mich nach einer Mütze): Ein Schwarm Bachstelzen schaute vorbei, war niedlich und leistete den Amseln, Rotschwänzen, Spatzen, Buchfinken, Kohlmeisen Gesellschaft.

Tagesprogramm (sieben Termine) startete mit Pilates, diesmal zu viert. Ich begriff nicht, wie das mit der Atmung/Spannung gemeint ist – es scheint etwas ganz anderes zu sein als beim Singen, beim Yoga, beim Joggen, beim Krafttraining, kein Versuch stellte die Trainerin zufrieden.

Die knappe Stunde Pause bis zum nächsten Termin verbrachte ich in der Lobby mit Blick nach draußen. Ich wurde dadurch Zeugin eines erhebenden jahreszeitlichen Naturschauspiels: Abräumen der Balkonblumen.

Das musste ich sofort mit instagram und Twitter teilen; wir waren uns einig, dass hier eine wertvolle Chance zur Festivalisierung verpasst wurde:

Herr Physio lockerte Muskeln und fragte dann, ob ich schon ohne Krücken gehen könne. Können tue ich ja schon, doch ich soll doch nicht? Er ließ mich auf dem Gang vorgehen und teilte mir seine Beobachtungen mit (OP-Bein rollt nicht richtig ab, Belastung darauf kürzer als auf heilem Bein). Ich fand heraus: Wenn ich im Kopf Musik spielen lasse und im Rhythmus gehe, also eigentlich tanze, fällt es mir viel leichter, beide Beine gleich stark zu belasten. (Mein Hirn griff dafür zu “Havana Moon” von Santana, das passte gut.) Das zog ich den Tag über durch (Hirn blieb leider bei diesem einen Song hängen) und hatte den Eindruck, dass ich mich schlagartig meinem früheren gesunden Gang annähere, den ein besuchender Schriftsteller mal “like a policewoman on a drug squad” beschrieben hatte. Und das, wenn ich kurz erinnern darf, nicht mal zwei Wochen nach OP.

Schlechte Nachrichten allerdings beim Thema Schwitz-Sport. Nachfrage bei Herrn Physio, ob da irgendetwas geht, ergab: Nein. Bis auf Weiteres nicht.

Anschließend eine Einheit Bewegungsschiene mit Musik auf den Ohren.

Der nächste Termin war Elektrotherapie: Auf Nierenhöhe wurden mir hinten zwei halb-kiwi-große Gumminäpfe mit Schwammfüllung angesaugt, durch die zehn Minuten lang Strom floß und rührendes Bitzeln auslösten. Ich konnte mir gut ausmalen, welche Witze mein Elektriker-Papa reißen würde. ABER! Durch die Kürze der Behandlung hatte ich Zeit für einen Cappuccino.

Zu Mittag war ich schon wieder richtig hungrig. Ich hatte zur Fleischvermeidung Dampfnudel mit Vanillesoße bestellt, aß davor ein wenig Couscous-Salat, danach Pfirsichkompott. Wie erwartet fiel ich anschließend in Kohlenhydrat-Schläfrigkeit.

Gleich nach Mittag war meine tägliche Sportrunde eingetragen. Ich kämpfte mit den Oberkörpermaschinen, die die Karte (Größe Kreditkarte) nicht erkannten, auf der meine Einstellungen gespeichert waren. Eine Trainerin half mir, musste letztendlich alles nochmal neu einstellen und speichern.

Dann durfte ich auf dem Mond gehen! Der Termin hieß “Gehtrain.Antigrav.” (Platzgründe, nehme ich an), man steckte mich in eine Antigravitationsmaschine, die aussah wie ein Laufband mit Zeltaufsatz für den Unterkörper. Die Trainerin ließ mich eine Neoprenhose anziehen, deren sehr weiter Bund in ein Loch im Zelt einreißverschlusst wurde. Dann blies die Trainerin die Kammer auf und ich war auf dem Mond, denn der Druck trug mich. Sie schaltete das Laufband ein, ich sollte gehen, und mein Gehen wurde gefilmt. Die Trainerin gab 20 Minuten lang Verbesserungshinweise zu meinem noch nicht wieder gleichmäßigen Gehen (OP-Bein mehr nach hinten strecken, Nicht-OP-Bein weniger schnell nach vorne führen etc.). Das war technisch spannend, aber ich hege Zweifel, dass die Übung Auswirkungen auf meinen irdischen Gang hat, wo die Schwerkraft zu 100 Prozent wirkt. (Die Trainerin verwendete statt dem deutlich attraktiveren Mond-Vergleich Wasser-Analogien, sie wird schon wissen.)

Letzter Termin war eine dritte Einheit Gehen: Gangschule in der Gruppe in der Turnhalle. Eine halbe Stunde quer duch die Halle mit Abrollen vorwärts, Gehen seitwärts, auch mit Kniehoch. Und nun signalisierte meine neue Hüfte, dass jetzt aber mal genug gegangen war für einen Tag, ich war wirklich erledigt. So sehr, dass ich sogar auf den Spaziergang nach dem Abendessen verzichtete.

Abendessen: Suppe, Hüttenkäse mit Kräutern, Butterbrot. Abenunterhaltung: Fernsehen, The Good Doctor.

Journal Dienstag, 13. Oktober 2020 – Evidenz-Skepsis

Mittwoch, 14. Oktober 2020

Fast fünf Stunden am Stück geschlafen!

Das Wetter war zunächst weiter kalt und grau, doch die Aussicht auf See und umliegende Berge ist durch die tiefen Wolkenbänke auch bei diesem Wetter interessant.

Beim Frühstück (wieder Lust auf Müsli mit Joghurt) verabschiedete ich meine Tischgenossin, deren Reha endete: Sie war sympathisch gewesen, und da sie sich wirklich auf freundlichen Smalltalk beschränkte, auch keine Belastung.

Ich lernte manuelle Lymphdrainage kennen: Der ausführende Physio wusste nicht zu erklären, wozu sie mir verschrieben wurde, auch nicht den Kompressionsstrumpf – mein operiertes Bein ist weiterhin nicht geschwollen. Laut ihm hätte ich beides am ehesten in den Tagen direkt nach der OP gebraucht. Wir einigten uns, dass ich im Tragen des doofen Strumpfs flexibel sein kann.

Bis zum nächsten Termin lungerte ich im Foyer herum (das hatte ich von der vergangenen Reha keineswegs vergessen: die vielen 20-30-minütigen Pausen zwischen den Terminen, mit denen nichts anzufangen ist) und las Zeitung auf meinem Handy. Dann endlich: Fango! Der Weg zur Behandlung war im labyrinthischen Bäder-Untergeschoß halbwegs nachvollziehbar. Da die Fango-Platte für den Rücken platziert wurde, ist auch ihr Nutzen mir unklar, aber die Wärme war angenehm.

Jetzt wäre ein Cappuccino schön gewesen, doch die Cafeteria hatte gestern um 11 Uhr noch keinen Betrieb.

Neugierig war ich auf “Pilates Einführung”. Im mittelgroßen Gymnastikraum waren wir nur zu dritt plus Trainerin. Sie erklärte Grundsätzliches, auf dem Boden wurden wir zu ersten Übungen angeleitet. Das könnte interessant werden.

Mittagessen in Bildern:

Gemüsesuppe mit deutlicher Kümmelnote.

Penne al arrabiata (die ich im Kopf vermutlich bis an mein Lebensende wie Darth Vader in der Death Star Canteen aussprechen werde).

Vanillepudding (cremig).

Inzwischen regnete es leicht. Ich krückelte dennoch meinen Verdauungsspaziergang im Park, nicht mal die Rauchergruppe war draußen.

Der nächste Termin war nochmal “Bewegungsschiene”. Diesmal kümmerte sich ein Physio und stellte die Schiene ein, auf die ich mein Bein lege und die es dann maschinell anwinkelt und ausstreckt. I’m not an expert, but – da ich dazu neige, im Zweifel $Medikament oder $Therapie in Verbindung mit dem Suchbegriff “Evidenz” zu recherchieren, sind meine Fragen nach dem Nutzen wohl berechtigt. Aber man kann’s vermutlich halt abrechnen.

Eine Runde “Med. Training”, also Trockenradeln (ich stellte mal auf deutlich aktiver, um den Puls wenigstens ein kleines Bisschen hoch zu bekommen) und Bewegungsmaschinen.

Tagesprogramm beendet, zurück im Zimmer zog ich mich um (also von Gymnastikhose und Funktionsoberteil in weite, warme Sporthose, T-Shirt und Pulli – Straßenkleidung habe ich hier tatsächlich noch nie getragen). Ich ackerte mich weiter durch Connie Willis, Doomsday Book. Von all den Details der Pesterkrankungen (auch hier wieder und wieder dieselben Beschreibungen in Varianten) wurde mir selbst ganz kränklich.

Abendessen Biryani, das gut schmeckte, allerdings fast ausschließlich aus Reis bestand. Davor eine Suppe. Über den Nachmittag war es trocken geblieben, ich drehte meine Abendrunde im Park sogar unter Sternen.

Abendunterhaltung war Auslesen des Romans. Die Grundidee der missglückten Zeitreise einer Geschichtsstudentin ins Mittelalter, startend von einer mittelnahen Zukunft Mitte des 21. Jahrhunderts, gefiel mir zwar gut, doch die Erzähltechniken sind sehr verbesserungsbedürftig. Ein Drittel der Auserzählungen (niemand geht einfach in einen Raum und setzt sich, sondern öffnet die Tür, schließt die Tür hinter sich, geht zum Stuhl und setzt sich erst dann) müsste man kürzen, dann bekäme die Geschichte Tempo. Interessantes Detail: Als Willis den Roman 1992 veröffentlichte, stellte sie sich eine Zukunft mit Bildtelefonie als Standard vor, doch die Menschen müssen dafür immer noch zu stationären Apparaten gehen. Offensichtlich gab sie der Mobiltelefonie, die damals ja bereits mit Aktenkoffer-großen Apparaten begonnen hatte, keine Chance.

§

“9 (Kinda) Hilarious Lessons From My 99 Days on a COVID Ventilator”.

via @teresabuecker

Journal Montag, 12. Oktober 2020 – Lymphpneumatik, Schnee und Aussicht

Dienstag, 13. Oktober 2020

Langsam gewöhne ich mich daran, dass ich mich jetzt wieder langsam setzen kann und nicht mehr plumpsen muss.

Mittelgute Nacht, netto kam ich auf genug Schlaf. Bei einer Spazierrunde vorm Frühstück unter grauem Himmel entdeckte ich, dass die umliegenden Berggipfel über Nacht beschneit worden waren.

Endlich ein Tag mit Programm, wenn auch übersichtlichem. Der erste Termin nannte sich “Lymphamat”. Ich hatte natürlich gleich mal recherchiert: Es handelt sich um eine aufpumpbare Manschette, die eine Lymphdrainage simulieren soll.

Dafür fuhr ich in den dritten Stock des Haupthauses – und entdeckte, dass es unterm Dach eine ganze Therapie-Etage gibt.

Sensationelle Aussicht im Raum mit vier Lymphamat-Liegen, auf der Tonspur deshalb vierstimmig Pneumatisches. Doch der Einrichtungsstil lässt mich mittlerweile ständig ein Aufkreuzen von Maria und Margot Hellwig befürchten.

Anschließend schickte mich das Programm in ein Stüberl für den “Top Fit Vortrag” einer Diätassistentin. Ein Dutzend Patientinnen und Patienten durfte einem 7.-Klass-Referat über “gesunde Ernährung” beiwohnen. Mit Requisiten.

Arztvisite auf dem Zimmer, mir wurde die Sorge um eine harte, schmerzende Stelle über der Narbe wegerklärt (Blutansammlung von OP, die erst verschwinden muss, Nerven drunter, die rebellieren),

Gestern war ein Fresstag. Ich hatte schon zum Frühstück Hunger (Müsli mit Joghurt), aß zwischen Terminen eine Hand voll getrocknete Aprikosen, holte mir in der Cafeteria einen Cappuccino, freute mich aufs Mittagessen (Gemüse-Omelette mit Brokkoli und Tomatensalsa, davor Salätchen, danach Johannisbeerquark).

Spaziergang nach dem Mittagessen, es war zapfig kalt.

Nachmittagstermine: Sport 1 in Form von anstrengender Hüftgymnastik, Physio (Muskelstränge-Ausstreichen), dann wurde ich für den Programmpunkt “Bewegungsschiene” in eine Kabine gewiesen, brachte die Schiene aber ohne jede Anleitung nicht zum Laufen (ich guckte sogar bei YouTube nach, doch das Bedienungsteil zeigte etwas Anderes an). Ich zog also Sport 2 vor, Ergometerradeln (mag ich ja gar nicht, brachte auch meinen Puls nicht hoch, doch auf absehbare Zeit wird wohl keine echte Cardio-Bewegung möglich sein) und Oberkörpermaschinen.

Lesen bis zum Abendessen: Sehr guter Linsensalat mit viel Gemüse, fürs Sattwerden dazu zwei Butterbrote.

Journal Sonntag, 11. Oktober 2020 – Kaltes, graues Nichtstun

Montag, 12. Oktober 2020

Wieder ein Tag, an dem ich hauptsächlich heilte.

Trotz Schlaftablette war die Nacht kurz: Ich wachte um halb sechs auf. Duschen, im Stationszimmer um Hilfe beim Kompressionsstrumpfanziehen bitten, bloggen. Beim Frühstück ließ ich meiner Appetitlosigkeit freien Lauf, setzte auf einen Cappuccino später in der Cafeteria. Doch deren Öffnungszeiten sind erratisch: Nachdem sie am Samstag bereits um 9 Uhr in Betrieb war, blieb sie gestern vor meinem Sporttermin um 11 Uhr leer. Zum Glück hatte ich mir einen kleinen Pack Milch vom Frühstück mitgenommen, der musste als Energie reichen.

Eine Runde im Sportraum: Leichtes Radeln mit geringem Radius, Oberkörpermaschinen, Crunches am Boden.

Zu Mittag Salätchen, Sparghetti Pomodoro, Brombeer-Mousse. Wie schon nach dem Frühstück krückelte ich in der Parkanlage umher, das Wetter war grau und kalt, aber ohne Regen.

Großer Programmpunkt des Nachmittags: Wäschewaschen. Waschpulver hatte ich in einem Schraubglas dabei, Waschmünzen kaufte ich an der Rezeption, den Weg zur kleinen Waschküche im Schwimmbadtrakt hatte mir meine Tischgenossin beschrieben. Beim ersten Versuch waren beide Waschmaschinen belegt, zeigten aber die Restzeit an. So konnte ich den zweiten Versuch gezielt terminieren.

Während meine Wäsche wusch, holte ich nicht nur den Cappuccino nach, sondern bestellte ein großes Stück Käsekuchen dazu. Beides machte mich fröhlich, außerdem sollte ich damit nicht mehr so lang vor dem Abendessen hungrig werden.

Lektüre von Connie Willis, Doomsday Book. Bald las ich im Fast-forward-Modus, um mich nicht zu sehr über die erzähltechnischen Unzulänglichkeiten zu ärgern: Zum einen fehlt eine direkte Erzählstimme, also werden Informationen alle in Dialoge gepackt, bis zum “Hans, der, wie du weißt, dein Vater ist”-Blödheitsgrad. Zum anderen ist alles viel zu lang und und ausschweifend ausgeschrieben: Noch eine Person, die nie wieder auftaucht, noch ein Raum, noch ein innerer Monolog ohne Substanz, jede Bewegung wird in viel zu vielen Schritten erzählt – man könnte mindestens 30 Prozent streichen. Gab’s da keine Lektorin?

Zum Nachtmahl hatte ich den Couscous-Salat bestellt, mit einer Spinatsuppe davor wurde ich satt.

Abendunterhaltung nach der Tageeschau war weiter der Roman; wenn ich kursorisch auf der Suche nach Handlung las, war er ganz interessant.