Archiv für Februar 2025

Journal Freitag, 21. Februar 2025 – Wahlvorbereitungen, Frühlingsvorbereitungen

Samstag, 22. Februar 2025

Um fünf aufgewacht, beim Wiedereinschlafversuch immer tiefer in Angst abgetaucht, um halb sechs die Reißleine gezogen und aufgestanden.

Per E-Mail kam eine Info vom Wahlamt: An dem Tisch, an dem ich am Sonntag Briefwahl auszähle, kommen nach 18 Uhr auch noch am Sonntag eingeworfene Briefwahlunterlagen an und werden ausgezählt. Ich bekam eine extra Ablaufliste, die das einbezog.

Ja, Sie können Ihre Briefwahlunterlagen noch selbst bis Sonntag, 18 Uhr einwerfen. In München sind das folgende Briefkästen:
– Rathaus, Marienplatz 8, 80331 München – nahe Fischbrunnen
– Kreisverwaltungsreferat, Ruppertstraße 19, 80337 München – neben der Treppe zum Haupteingang A
– Kreisverwaltungsreferat, Ruppertstraße 11, 80337 München – Eingang Standesamt

Nein, Sie können Ihre Briefwahlunterlagen NICHT in einem Wahllokal abgeben. Aber Sie können am Wahlsonntag mit Ihrem Wahlschein (UNBEDINGT mitbringen, denn im Wählerverzeichnis ist eingetragen, dass Sie Briefwahl beantragt haben) in jedem Wahlraum in Ihrem Wahlkreis wählen, wenn Sie ein gültiges Ausweisdokument (Reisepass, Personalausweis) vorweisen.

Ende staatsbügerlicher Block.

Milder Marsch in die Arbeit: Der Boden frostfrei, die Luft wachstumsfördernd feucht, erste Verheißung von Winterabschied.

Strukturierter Büro-Vormittag, draußen Sonnenschein durch leichten Wolkenschleier, milde Luft, die regelmäßiges Fensterkippen erlaubte.

Auf meinen Mittagscappuccino ins Westend spazierte ich mit offenem Mantel.

Glasfront eines kleinen Cafés, sonnenbeschienen, rechts sitzen Menschen davor, ein mensch mit dunkler Schürze kommt gerade heraus, auf dem Boden vor dem Café eine handgeschriebene Tafel "Wir öffnen für die Wahl Sonntag 9-14 Uhr"

Eine schöne Idee, zum Wählen zu ermuntern. Auch schön finde ich, dass sich immer mehr Menschen in meinem Blickfeld als Wahlhelferinnen melden.

Blick durch Scheibe auf sonnige Altstadtstraße, im Glas spiegelt sich jemand mit weißem Haar und Brille, die sich mit Handy fotografiert

Geisterselfie.

Zu Mittag gab es Orangen und Hüttenkäse.

Freitagspünktlicher Feierabend, ich freute mich auf Besorgungen unterm Stachus (Tee) und an der Sonnenstraße (Alnatura).

Im Vordergrund gelbe BLumen auf Wiese, dahinter eine breite Außentreppe, kahle Bäume, ganz hinten sieht man das oberste Stockwerk und Dack eines Klinker-Altbaus

An der Schwanthalerhöhe endlich Winterlinge satt.

Daheim weitere Erledigungen: Ernteanteil-Kartöffelchen geschält und gekocht für ein Kartoffelbrot, während sie durchgepresst abkühlten, turnte ich Yoga. Kartoffeln mit eingeweichtem Roggenschrot und Sauerteig vermischt fürs Durchsäuern über Nacht. Endiviensalat (zugekauft) fürs Abendessen gewaschen, Orangen (Crowdfarming) ausgepresst für endlich Tequila Sunrise.

Auf einer Küchenarbeitsfläche eine Orange, zwei Longdrinkgläser mit orangem Inhalt, Eiswürfel, Strohhalmen, angeschnitten eine Flasche Grenadine und eine Flasche Tequila

Den linken hatte ich zu schwungvoll aufgegossen, da riste keine Sun. Jetzt aber endlich mit Herrn Kaltmamsell aufs Wochenende angestoßen.

Als Nachtmahl briet uns Herr Kaltmamsell ein Entrecôte vom Herrmannsdorfer, dazu gab’s Endiviensalat und Waldorfsalat aus Ernteanteil-Sellerie und -Apfel. Im Glas ein Côtes du Rhône aus der doppelten Lieferung: Ich hatte mich mit dem Händler darauf geeinigt, dass die einfachste Lösung Behalten war, bekam die zweite Kiste zum Sonderpreis und habe jetzt sehr viel Côtes du Rhône. Schmeckte gut!

Tischgespräch eine von meiner Seite rechte hilflose Diskussion über die Wahlentscheidung am Sonntag, ich kam mit strukturierter Überlegung und Reflexion meiner Prioritäten zu einem Ergebnis.

Herr Kaltmamsell hatte gestern seine Eltern in Augsburg besucht und zum Nachtisch nach vielen Jahren ohne meinen liebsten Vanillekrapfen mitgebracht, nämlich den vom Bäcker Wolf.

Angebissener Vanillekrapfen, von einer Hand gehalten

Immer noch sehr gut, aber ich fürchte, ich bin aus Krapfen rausgewachsen: Er bereitete mir einfach als Krapfen kein rechtes Vergnügen. Dann noch eine Runde Schokolade. Früh ins Bett zum Lesen, früh das Licht gelöscht.

Journal Donnerstag, 20. Februar 2025 – Sonne zwischen Niedergeschlagenheit und Das-kann-doch-alles-nicht-sein

Freitag, 21. Februar 2025

Etwas zerhackte Nacht, aber jedesmal schnell wieder eingeschlafen.

Ein Morgen mit klarem Himmel und Sonne, auf dem Marsch in die Arbeit fast schon klirrender Frost (knisternd?).

Emsiger Arbeitsvormittag, vorübergehend unter Wolkendecke, die sich aber bald verzog.

Mittags zog es mich mit Macht raus, die Sonne hatte die Winterluft schön gewärmt. Mittagscappuccino bei Nachbars, Käsekauf auf dem Markt am Georg-Freundorfer-Platz, herrlitsch!

Eh spätes Mittagessen (Orangen, eingeweichtes Muesli mit Joghurt) wurde noch später wegen massivem Querschuss, der mich erstmal wirbeln ließ. Zumindest ist absehbar, dass es diese Art Querschüsse ab Mai nicht mehr geben wird (weil Schuss-riskantes Thema anders organisiert).

Hinter mir stank es leise und appetitlich aus der Arbeitstasche: Der Sennkäse vom Markt ist ein rot geschmierter.

Wie am Vorabend war ich komisch zittrig, die Aufregung um den Querschuss minderte das nicht gerade.

Ich ließ es nicht zu spät werden, da ich gestern Ernteanteil-Abholdienst hatte, Herr Kaltmamsell war durch eine Fortbildung verhindert. Er hatte mich bereits darauf vorbereitet, dass die Tür zu dem Gebäude mit unserem Verteilerpunkt (eine Agentur im ersten Stock) kaputt war, dass man über einen Innenhof und darin eine offene Hintertür ins Treppenhaus kam. Nur dass die Hintertür halt versperrt war. Ich fragte jemanden aus dem Süpermarket im Haus um Rat, vergeblich. Klingelte vorne bei der Agentur in der Hoffnung, dass jemand zum Aufsperren kommen würde, vergeblich. Zum Glück radelte bald eine Bewohnerin in den Hinterhof, die mich mit ihrem Schlüssel mitnahm.

Zu Hause Yoga-Gymnastik, Brotzeitvorbereitung. Als Abendessen gab es einen Teller Pasta e Fagioli vom Vortag, außerdem Käse vom Markt, erstes Probiererl eines Schwarzrettich-Kimchi (noch recht bitter).

Gedeckter Tisch, darauf weiße tiefe Teller mit Bohnen und Nudeln, einem großen Teller mit drei großen Stücken Käse

Nachtisch Schokolade.

Derzeit ist es mir unmöglich, mich auf den einen täglichen Newsletter über Trump “Was er heute angestellt hat” zu beschränken. Aktuell: Trump hat Dutzende Regulierungsbehörden abgeschafft, die unter anderem die Einhaltung von Kommunikationstechnikgesetzen überprüfen, von Gesetzen zum Verbraucherschutz und Börsenhandel. Ja, auch dagegen wird geklagt werden – doch da Trump explizit klargemacht hat, dass er sich als Präsident über dem Gesetz stehend ansieht (also als Autokraten), ist es wahrscheinlich, dass er Gerichtsurteile ignoriert.
Zu schnell, groß und schrecklich sind die Ereignisse. Ich assoziiere Megaschurken aus Comic-Superheldenuniversen – die sich selbst ja auch immer als Retter sehen.

Die Medien-Vergleiche “Abrissbirne”, “Zerstörer der Weltordnung” sind hilflose Versuche, Trumps Bombardement in Worte zu fassen. Aktuell hat er sich an die Seite des russischen Autokraten Putin gestellt und macht die Ukraine für den russischen Überfall auf und die Zerstörung der Ukraine verantwortlich – eine 180-Grad-Wende der US-amerikanischen Politik. So schnell kann Europa sich nicht als Gegengewicht aufstellen, und mir fallen umgehend alle Szenarien ein, die Fachkundige für den Fall einer russischen Annexion der Ukraine gezeichnet haben. Ich mag mir gar nicht vorstellen, wie sich die Menschen in Polen gerade fühlen. (Die Vorstellung, wie man sich gerade in der Ukraine fühlt, muss ich völlig verdrängen.) Wir werden uns auf sehr viele Geflüchtete und Exilant*innen gefasst machen müssen.

Eigentlich standen meine Prio-Themen für die Wahlentscheidung am Sonntag fest. Spüre gerade eine Veränderung.
(Immer daran festhalten, dass die Zukunft noch nicht feststeht.)

§

Denkt immer daran. Wählen ist ein Privileg. Nicht alle, die in diesem Land leben, dürfen über die Politik der nächsten Jahre entscheiden. Ihr wählt auch für all jene mit, die dieses Privileg nicht besitzen. Also wenn ihr nicht wisst, wen ihr wählen sollt, wählt für die, die es nicht können.

von @annerabe.bsky.social

Journal Mittwoch, 19. Februar 2025 – Alte Haut

Donnerstag, 20. Februar 2025

Als ich um fünf zu früh aufwachte, leuchtete gerade ein halber Mond in mein Schlafzimmer. Ich schlief nochmal bis Weckerklingeln.

Es tagte zu weiterhin klarem Himmel. Auf dem Weg in die Arbeit traf ich vor der Alten Kongresshalle eine Kollegin mit Frühstück in der Hand: Das Gebäude ist Schauplatz einer zweitägigen internen Veranstaltung meines Arbeitgebers, sie gehört zu den Organisatorinnen.

Diesmal enthielt das elektronische Postfach im Büro keine Bombe. Wohlstrukturierter Arbeitsvormittag.

Marsch zum Mittagscappuccino in frostig-strahlener Sonne. Dort eine kleine Bizzarro-Einlage:
„Ein kleiner Cappuccino für hier bitte.“
„Groß oder klein?“
„Klein.“
„Für hier oder zum Mitnehmen?“
„Ähm. Für hier.“

Café-Tischchen mit Cappuccino und schwarzen dicken Handschuhen, durchs Fenster sieht man Geschäfte

Mittagessen später am Schreibtisch: Orangen und Sahnequark.

Zum zweiten Mal machte sich der eigentlich fast abgeheilte Sprung in der Kuppe meines rechten Zeigefingers daran aufzuplatzen, ich merkte es daran, dass er beim Tastaturschreiben wieder schmerzte. Mittlerweile habe ich ja die wirklich hilfreichen Fingerkuppenriss-Pflaster vorrätig, war allerdings nicht darauf gefasst, dass die so schnell weggehen.
Apropos: Letzhin auch noch eine blutig geplatzte Falte am oberen Lippenrand, die meine lebenslange Hautpflege-Argumentation zunichte machte. Weil nämlich: Auch nach der Pubertät litt ich immer wieder unter schmerzhaft entzündeten Pickeln, Hautärzte verschrieben mir auch als Erwachsene eine Salbe mit einem Wirkstoff, der die Überproduktion von Talg bremste. Der allerdings auch die Haut entfettete und dadurch Faltenentstehung wahrscheinlicher machte. Nahm ich in Kauf, denn, so mein Argument: Falten tun nicht weh, Pickel schon. Jenseits der 45 glaubte ich, diesen Wirkstoff absetzen zu können und meiner deutlich alternden Gesichtshaut mehr Feuchtigkeit gönnen zu müssen: ZACK, entzündete Pickel, auch bei lediglich Gel als Feuchtigkeitsspender. Also beschränke ich mich seit vielen Jahren auf Wasser zur Reinigung und ein “talgregulierendes” Gesichtswasser (plus Augencreme), weil: Falten tun nicht weh, Pickel schon. Bis jetzt eben eine Falte zu einem Riss wurde und sehr wohl weh tat. Tse!

Gestern war endlich mal nicht sturzviel zu tun im Büro. Und da ich abends eh einen Friseurtermin hatte, machte ich verrücktes Huhn einfach mal wirklich pünktlich Feierabend, als sogar noch die Sonne schien.

Auf dem Heimweg holte ich meinen Ledermantel mit teilerneuertem Futter von der Schneiderei ab, kaufte Tulpen. Zu Hause erwartete mich eine eben gelieferte Kiste Wein. Nur dass genau diese Bestellung auch schon am Vortag geliefert worden war, mit identischer Rechnung. Le big Augenroll, das muss also irgendwie geradegerückt werden (nein: einfach nicht melden ist keine Option).

Der frühe Feierabend verschaffte mir Zeit für eine Einheit Yoga-Gymnastik vor dem Friseurbesuch, dann ging ich rüber zu ihm ins Kreuzviertel. Diesmal hatte ich überhaupt keine konkrete Vorstellung, hatte nur festgestellt, dass ich mehr Länge über Ohren und im Nacken gar nicht schlecht fand. Wir einigten uns auf “in Form bringen”, ich verließ den Laden zurfrieden.

Herr Kaltmamsell verbrachte den Abend aushäusig, hatte aber für mich gekocht: Pasta e fagioli, ganz wunderbar. Nachtisch Orange (musste weg wegen Matsch-Stelle), Schokolade.

Stöbern in Rezensionen von Weltalltage, ich wunderte mich über Besprechungen, die kein Wort über die Form und die Erzähltechniken des Romans verlieren – die meiner Ansicht nach definitorisch sind. Am besten gefiel mir diese von Lisa Evertz, unter anderem wegen ihrer Beobachtungen “Textgewebe” – und das alles mit leichtem Ton.
“Paula Fürstenberg: Weltalltage”.

Früh ins Bett zum Lesen: Zsuzsa Bánk, Der Schwimmer, diesmal wieder als E-Book gepachtet. Die ersten Kapitel nahmen mich in eine ungarischen Kindheit am Ende des Kalten Kriegs mit.

§

Herzerfrischung in meiner Mastodon-Timeline (bitte auszusprechen wie den Namen einer Gallierin bei Asterix & Obelix): Der Kanal Asterix Archiv. Gestern zum Beispiel zu Hintergründen der Piratentruppe (in den Kaltmamsell’schen Familienjargon eingegangen u.a. mit “Hie’ sind nu’ Hasenfüße d’in!”).

Journal Dienstag, 18. Februar 2025 – Paula Fürstenberg, Weltalltage

Mittwoch, 19. Februar 2025

Paula Fürstenbergs Roman Weltalltage von 2024 besteht aus sehr viel Form – die aber bedeutungstragender Teil des Inhalts ist.

Das wird schon beim Blick auf das Inhaltsverzeichnis klar.

Zunächst wusste ich nicht, ob ich das angestrengt und aufgesetzt finden sollte oder lustig. Doch es stellte sich bald heraus, dass diese Struktur und diese Ebenen Handlung sind: Sie transportieren den Prozess des Erzählens, des Haderns, des Recherchierens.

Im Roman geht es um die Freundschaft der Erzählerin mit Max seit Schultagen. In der Erzählgegenwart wohnen sie zusammen in Berlin, geben einander Halt in ihren Leben nach dem Studium, das sie nicht wirklich auf die Reihe bekommen. Es geht um das Aufwachsen der beiden in Ostdeutschland und als einzige Kinder alleinerziehender Mütter. Ein zentrales Thema ist Krankheit – und die Sicht darauf, literarisch, gesellschaftlich: Die Erzählerin verarbeitet, was sie darüber gelesen hat, gleicht es ab mit ihrem eigenen Krankheitserleben – selbstbewusst und fesselnd. Und in den Gesprächen werden die interessantesten Fragen über Depressionen verhandelt, die ich je gelesen habe (u.a. Ist Depression eine Naturkatastrophe oder ein Verkehrsunfall?). Dazwischen auch Sach-Passagen, zum Beispiel eine Auflistung von Frauenfiguren durch die Geschichte, die sich massiv und teils gewalttätig gegen Ungerechtigkeiten auflehnten (“Krawall-Barbies”).

Teil der Erzählsituation ist die Behauptung von Autofiktion: Die Ich- (eingentlich Du-)Erzählerin (auch das wird thematisiert) schreibt als ihren ersten Roman diese Geschichte ihrer Freundschaft mit Max. Das Schreiben selbst ist wichtiger Teil der Handlung, auch das Sprechen über das Schreiben, die schwankende Einwilligung von Max, dass er und sein echtes Leben verwertet werden. Ich fand das handwerklich ganz ausgezeichnet gemacht, auf mich wirkte das deutlich weniger verkopft, als es hätte ausgehen können. Statt dessen las sich diese Erzählweise fast zwingend für den Inhalt. Ob es sich nun wirklich um das Leben der Autorin handelt oder nicht, fand ich diesmal tatsächlich irrelevant. Ich mochte das Buch sehr.

Zudem: Ein Roman mit Literaturverzeichnis <3

§

Gestern sehr müde vom Handyklingeln unterm Kissen geweckt worden, ich hätte gern weitergeschlafen.

Weg in die Arbeit unter überraschend düsterem Himmel, eigentlich war uns durchgehend freier Himmel versprochen worden.

Im Büro mehrfacher Überfall aus dem E-Mail-Postfach: Es dauerte bis zur Zeit meines Mittagscappuccinos, bis ich geradeaus schauen und strukturiert arbeiten konnte.

Jetzt schien die Sonne tatsächlich vom wolkenlosen Himmel, ich marschierte ins Westend.

Auf Holzboden ein mittelgroßer Hund mit hellem Fell, der einen hellen Pullover mit kleinem Norwegermuster trägt; ihm gegenüber hat sich ein Mensch in die Hocke gesetzt und hält seinen Hals

Auch in diesem Stadtviertel sind die Hunde mittlerweile eleganter gekleidet als ich.

Wohnstraße mit kahlen Bäumen und Sonne, am Ende der Turm einer Backsteinkirche

Herrliches Licht auf dem Rückweg.

Mittagessen später: Orangen, Muesli in Joghurt.

Arbeitsnachmittag geordnet, ich konnte immer wieder raus ins wundervolle Wetter schauen.

So sehr ich auch gehofft hatte, dass die Welt inzwischen weiter ist: In meinem Arbeitsalltag ist Microsoft Copilot mit seiner Vorlautheit ohne wirklich brauchbare Vorschläge einfach eine Neuauflage von Karl Klammer (ich kenne jemanden aus dem Team, das seine Texte seinerzeit ins Deutsche übersetzte).

Auf dem Heimweg Einkäufe: Süßigkeitennachschub, Drogeriemarkt, Lebensmittel im Vollcorner. Zu Hause Yoga-Gymnastik: Eine Dehn-Einheit, war gestern ok.

Herr Kaltmamsell hatte aus der zweiten Hälfte Ernteanteil-Lauch ein Bohnengericht mit roter eingelegter Paprika gemacht (nicht zum ersten Mal), besonders köstlich. Nachtisch Schokolade.

Früh ins Bett zum Lesen.

Journal Montag, 17. Februar 2025 – Jahrezeitlich angemessene Kälte

Dienstag, 18. Februar 2025

Um vier von Schneeräumfahrzeuglärm geweckt worden. Der Zentimeter, der noch gefallen war, machte das nicht wirklich nötig – aber ich nehme an, das sind Fremdfirmen, die immer von der Stadt bezahlt werden, sobald sie ihr Ausrücken rechtfertigen können. Was wohl bei jedem sichtbaren Schnee irgendwo im Stadtgebiet zutrifft.

Beim Aufstehen schien der abnehmende Mond durchs Wohnzimmerfenster, für die nächsten Tage war klarer Himmel angekündigt.

Weite, schneebedeckte Fläche, darauf am Ende ein Säulengebäude mit Frauenfigur im Morgen-Rosa

Knackige Kälte, ich musste mit erhöhtem Schritttempo gegen die eine Kleidungsschicht zu wenig arbeiten.

Zu meinen Jobs gehörte gestern auch Korrekturlesen, darin: “Fakultät für Maschinenwesen” – und ich freute mich erstmal, dass zu Androiden geforscht wird.
Große Enttäuschung, als ich verstand.
Auf Mastodon wies jemand auf “Mensch-Maschine” von Kraftwerk hin – ich legte gleich mal das Album auf (jajaja, klickte auf die Datei bei Youtube) und blieb eine Weile hängen. Musik von Kraftwerk, eine sehr alte und tiefe Liebe.

Termine verhinderten Mittagscappuccino – ich bemühte nach Monaten mal wieder den grässlichen Büro-Automaten. Und bedauerte, dass ich den wolkenlosen Sonnenschein nur von drinnen sehen konnte. Und ich vermisste den Marsch durch frische Luft. ABER! Draußen deutliche Minusgrade, im Büro genau richtig warm. Nach den beiden durchschnatterten Wintern in der Arbeit weiß ich das bewusst zu schätzen.

Mittagessen war Karottensalat und der letzte Kanten selbstgebackenes Brot.

Etwas wirrer Arbeitsnachmittag, aber Herr Kaltmamsell meldete, dass die Kiste Orangen nun doch eingetroffen sei.

Nach dem Hinweg ging ich auch den Heimweg in deutlichem Tageslicht, das war schön. Zu Hause Orangen gecheckt: Keine einzige hatte matschige Stellen – hurra!

Yoga-Gymnastik überraschend anstrengend, Brotzeitvorbereitung um das Thema Orangen.

Als Nachtmahl servierte Herr Kaltmamsell die Hälfte des reichlichen Ernteanteil-Lauchs als Quiche.

Gedeckter Tisch mit grünen Sets, im Vordergrund ein Glasteller mit ein Stück Lauch-Quiche, dahinter die weiße Quiche-Form mit dem Rest der Quiche

Wieder ein Festessen mitten unter der Woche. Allerdings waren wir uns einig, dass der Deckel geschmolzener Käse ausnahmsweise keine gute Idee war, dass “mit Käse überbacken” nicht alles verbessert: Der Panzer erschwerte ein Zerteilen der Quiche-Stücke auf dem Teller.
Nachtisch Orange und Schokolade.

Früh ins Bett zum Lesen.

§

“Weniger Fehler, mehr Seiten: 11 Jahre Techniktagebuch”.

Die PDF-Ausgabe mit allen 8817 Beiträgen hat in diesem Jahr 16.178 Seiten. Eine EPUB-Gesamtausgabe (549 MB) gibt es auch, und auf manchen Geräten wird man sie vielleicht sogar öffnen und lesen können. Wer das zu unhandlich findet, kann die Best-of-Version lesen (211 Seiten PDF, 18 MB EPUB).

Journal Sonntag, 16. Februar 2025 – SCHNEE! an der Isar

Montag, 17. Februar 2025

Wenn auch in Etappen, so doch lang geschlafen. Und nur aufgehört, als ich befürchtete, dass dösendes Liegenbleiben mir nicht mehr gut tun würde.

Gegen neun erste Schneeflocken in der Luft, die schnell zu ernsthaftem Schneefall wurden, das Draußen färbte sich weiß.

Isarlauf plante ich nochmal um Thalkirchen: Ab Montag wird die U-Bahn-Strecke U3 dorthin überarbeitet, bis Mitte März mit Bus-Ersatz bedient; ich nutzte den vorerst letzten U-Bahn-Tag. (Diese Bauarbeiten waren so oft als Durchsage in allen relevanten U-Bahn-Linien sowie U-Bahnhöfen angekündigt worden, dass sie wirklich nur an seltenen Gelegenheitsfahrenden vorbeigehen konnten.)

Als ich den Rechner zuklappte, um mich für die Laufrunde fertig zu machen, hatte ich eine superverrückte Idee: Ich könnte spazieren statt zu joggen! Und so noch mehr vom schönen Schnee mitbekommen. Statt Laufkleidung zog ich also Strumpfhose, Jeans, dicke Socken, Winterjacke an.

Spiegelselfie einer Frau in enger Jeans, Wanderstiefeln, dunkelbrauner Winter-Funktionsjacke mit hochgestülpter Kapuze

Auf den Wegen von Thalkirchen nach Süden waren überraschend wenige Menschen unterwegs, ich hatte angenommen, dass sich ganz München angesichts des Schneefalls in Winterstiefel, Mütze, Schal, Handschuhe und an die Isar stürzen würde. Und sie haben alle etwas verpasst, der Spaziergang war herrlich. Auf dem Hinweg Thalkirchen-Pullach schneite es fast durchgehend leicht, auf dem Rückweg konnte ich die Kapuze runterklappen – bis auf die letzten zehn Minuten, als es erneut schneite.

Temperatur lediglich um die null Grad, beim strammen Gehen hatte ich es schön warm.

In grünem Wasser spiegeln sich eine schneebedeckte Hütte, an der bunte Kajaks hängen

Auf einer schneebedeckten Fläche eine Steinskulptur mit Schneespuren: Eine Mann mit nacktem Oberkörper, der nach unten blickt, seine Beine sind nicht ausgestaltet, sondern roher Fels

Brunnen: aus einem stehenden Holzstamm kommt ein Rohr mit Wasser, es fließt in einen Holztrog, alles ist verschneit

Gewässer mit verschneiten Ufern, im Vordergrund Schwäne, Stockenten, Blesshühner, Gänse, Mandarinenten, im Hintergrund ein ockerfarbenes Gebäude mit rotem, verschneiten Dach

Großes Wasservogeltreffen hinterm Isarwerk.

Stechlige Kugelpflanze voll Schnee vor verschneiter Landschaft

Im Schnee eine überlebensgroße Flößerfigur von hinten, dahinter Zusammenfluss zweier Wasserläufe, Brücke über einen, an den Ufern kahle Bäume

Sehr erhöhter Blick auf verschneite Flusslandschaft

Verschneiter Weg zwischen kahlen Bäumen, am schneedüsteren Himmel eine Ahnung von Sonne

Für 15 Minuten kam fast die Sonne raus.

Erhöhter Blick auf ein verschneites Tal mit Flussbiegung, Wasserwerk, rechts einem Ort mit Kirche

Links verschneiter Weg und Zaun, rechts einzelne kahle Bäume, darunter ein astloser Stamm mit Spechtlöchern

Das tat bis ganz innen drinnen gut. Vielleicht ist das ja auch eine Alterserscheinung: Dass Draußenbewegung zwischen Pflanzen und in viel freier Fläche (ich scheue mich, diese durch-zivilisierte und eingehegte Gegend “Natur” zu nennen – ich bitte Sie: auf den unasphaltierten Spazierwegen war bereits ein Schneepflug unterwegs, um sie von den fünf Zentimetern Schnee zu befreien) so viel Erholung, Ruhe, Energie bewirken kann. Alterserscheinung, denn: Hätten Sie mir das vor 30 Jahren angekündigt, hätte ich sie laut ausgelacht.

Zurück daheim Frühstück kurz nach zwei: Coleslaw, vom am Vortag gebackenes Brot zwei Scheiben mit Butter und restlichem Schinken, ein Stück mit restlicher Nocilla aus Spanien.

Als Montagsbrotzeit Karottensalat zubereitet.

Gemütlicher Nachmittag mit Lesen: Internet, zwei SZ-Magazine, Florian Gleibs, Shalom Kitchen aus. Es schneite immer wieder ein wenig.

Yoga-Gymnastik, dann gab es als Nachtmahl edle Reste vom Vorabend: Serviettenknödelscheiben gebraten, Herz in Biersauce, restlichen Coleslaw. Nachtisch Schokolade.

Früh ins Bett zum Lesen.

§

In den vergangenen Tagen gab es Messerangriffe in Bremen, Lübeck, Ratingen, Erfurt, mehrere in Dortmund und in Berlin. Teilweise mit Toten, mit Schusswechsel mit der Polizei, willkürliche Opfer. Von keinem hast du wahrscheinlich gehört.

Bei Volksverpetzer schreibt Thomas Laschyk über:
“So manipuliert man dich über Messerangriffe”.

§

Wie Edmund de Waal, britischer Keramikkünstler und Schriftsteller, mir etwas über meine Stadt erzählte. Nämlich über die Porzellan-Manufaktur Allach-München, in der Heinrich Himmler Porzellan-Figuren für die SS produzieren ließ. Vor zwölf Jahren konnte de Waal noch die verfallene Fabrik besichtigen, hier sein instagram-Post dazu.

§

Die Attraktion des Anblicks von Museumsbesuchenden in Kunstmuseen kann ich nur zu gut nachvollziehen. Der brasilianische Fotograf Alécio de Andrade lebte 40 Jahre in Paris und fotografierte Besucher*innen des Louvre, 1992 wurde ein Buch daraus.

Alécio de Andrade wandered the rooms of the Louvre Museum for nearly thirty-nine years, starting in 1964. From these walks, he left 12,000 photos.

Miss Moss zeigte einige davon in ihrem Blog:
“The Louvre and its visitors”.

Besonders gefallen mir die Motive, in denen die Fotografierten gerade den Fotografen ansehen – eine Doppelung der Metaperspektive.

Journal Samstag, 15. Februar 2025 – Rinderherz, auch mit Foto

Sonntag, 16. Februar 2025

Eigentlich fast durchgeschlafen, aber mit so anstrengenden Träumen (lauter Dinge zu erledigen), dass ich ziemlich erledigt aufwachte.

Wie angekündigt startete der Tag strahlend sonnig. Ich machte mich erstmal ans Brotbacken. Schon am Vorabend hatte ich bemerkt, dass ich die Buttermilch für dieses Rezept vergessen hatte, doch niemand in diesem Haushalt wollte nochmal raus. Ich improvisierte mit verdünntem Joghurt (150 gr. mit 350 gr. Wasser).

Als Backtopf verwendete ich einen neuen, kleineren Gusseisentopf, den Herr Kaltmamsell vom Christkindl bekommen hatte. Und ich hatte wie beim Backen davor eingeweichten Leinsamenschrot untergeknetet, als moisture maker.

Augerissener Brotlaib auf Kuchengitter auf schwarzer Kochfläche, daneben links schwarzer Eisentopf, rechts Topfdeckel

Sehr gut geraten.

Schon angesichts der Wettervorhersage hatte ich meine Schwimmrunde fürs Dantebad im Freien geplant. Bei Kälte und möglicher Glätte nahm ich statt Radl die U-Bahn dorthin.

U-Bahn-Untergeschoß mit hellem, polierten Steinboden und gelben metallwänden, dazwischen Baustellen-Absperrungen mit Baumaterial und Bauarbeitern

Lassen Sie sich nichts einreden: U-Bahnhof Sendlinger Tor bleibt Baustelle.

Die erhoffte Wiederholung des Sonnenschwumms vor einer Woche war das dann nicht: Ab meiner Ankunft zogen immer mehr Wolken auf. Dafür schwammen aber auch nicht so viele Menschen auf meiner Bahn wie vor einer Woche (es war ja auch deutlich kälter, die 30 Meter barfuß und nassgeduscht vom Gebäude ins Becken fühlten sich diesmal wieder richtig lustig an: Bis beim Körper das “Hä, was soll das jetzt?!” so richtig angekommen war, kraulte ich bereits im warmen Wasser). 3.000 Meter Gleiten ohne Probleme, gerade genug Überholvorgänge, dass ich nicht allzu gemächlich wurde. Und die Umgebung war mit immer wieder wechselnden Wolkenszenen, Löchern mit blauem Himmel, vereinzelt Sonne auch interessant genug.

Nach Hause nahm ich die Tram, um am Stachus auszusteigen und italienischen Kochschinken zu kaufen: Beim Schwimmen hatte ich intensive Sehnsucht nach einem mächtigen Butter-Schinken-Brot aus dem eben gebackenen entwickelt.

Daheim aber erstmal den Inhalt der eben durchgelaufenen Maschine Wäsche aufgehängt, dann ein Schüsselchen Coleslaw vom Vorabend gegessen, dann insgesamt drei dicke Scheiben Brot, zwei davon mit Butter und Schinken, eine mit Butter und Orangenmarmelade. Das war sehr schön.

Zur Hälfte aufgeschnittener Brotlaib auf weißem Schneidebrett auf schwarzer Kochfläche

Briefpost von Dr. Edmund Stoiber: Er bittet mich, den CSU-Kandidaten in meinem Wahlbezirk zu wählen. Und nicht nur habe ich seinen Brief gelesen, sondern dachte im Vergleich zur aktuellen CSU-Truppe wehmütig an seine Zeit hier in Bayern zurück. So weit sind wir schon.

Wochenend-Zeitung gelesen, ein wenig Roman. Fürs Abendessen war ich zuständig: Herz in Biersauce.

Handschriftliches Rezeot auf kariertem Papier, dahinter angeschnitten eine Bierflasche mit Aufschrift "Dunkel"

Aufsicht auf rechts ein weißes Schneidebrett, darauf ein Stück Fleisch mit chrakteristischen Fettadern außen, daneben ein großes Messer, links eine Schüssel mit bereits geschnittenen Fleischwürfeln

Ein Rinderherz ist eine spannende Sache, das Fleisch wunderschönes Muskelfleisch.

Schmorgerichte sind ja praktisch, sie kochen sich nach dem Anbraten und Ablöschen von selbst. Unter anderem turnte ich Yoga-Gymnastik, während Herr Kaltmamsell als Beilage Brezen-Serviettenknödel anfertigte.

Die Crowdfarming-Orangen wurden wieder nicht geliefert, DHL-Begründung: “Keine Zustellung, da Zustelladresse nicht angefahren werden kann” – WTF? (Hier ist nichts gesperrt.) Ich war verärgert, weil das auch bedeutet, dass die reifen Früchte noch ein paarmal durch die Gegend geworfen werden, noch ein paar Tage rumliegen (ohne dass ich sie checken kann, das erhöht das Risiko von faulen Stellen, die sich ausbreiten), dass Herr Kaltmamsell oder ich (wahrscheinlicher er) die 11-Kilo-Kiste an irgendeinem DHL-Shop abholen muss. Und dass ich dieses Wochenende und am Montag ohne Obst dastehe (selbstverständlich hatte ich mit Aussicht auf so viele Orangen nichts eingekauft).

Aperitif-Alternative wurde Brandy Alexander (Sahne musste weg).

Auf einem mit grünen Sets gedeckten Tisch vorne ein Flasteller mit Fleischwürfeln in viel dünner dunkler Sauce und einer Scheibe Knödel, rechts daneben Besteck auf einer schwarzen Stoffserviette, dahinter ein schwarzer Topf mit Deckel

Rinderherz in Biersauce mit Brezenserviettenknödel – vor allem das Fleisch schmeckte mir ganz hervorragend, diese Konsistenz liebe ich (werde mehr Herzrezepte ausprobieren). Gemüse dazu war nochmal Coleslaw. Nachtisch Schokolade.

Früh ins Bett zum Lesen, ich bin von Paula Fürstenberg, Weltalltage sehr angetan – inklusive neuem Twist zum Thema Autofiktion.

§

“Man wird sehr offen für Dinge, über die man sich freut.”

@herzbruch über einen Aspekt schlimmer Erkrankung.

§

Screenshot eines Mastodon-Posts von @me ta phil, der:
"Grausam, aber notwendig – beim Protest gegen den Afternative-für-Deutschland-Wahlkampfstand griffen die #Antifa​schist*innen in #Bremen heute auch zu ihrer schärfsten Waffe:

Blockflötenkonzerte."

Ich sehe die Familie Kaltmamsell bei der nächsten Gegendemo bereits als siebenköpfige Terror-Truppe.