Journal Donnerstag, 3. April 2025 – Sonnenknipserei
Freitag, 4. April 2025 um 6:38Diesmal guter Schlaf, hätte aber länger dauern dürfen als bis Weckerklingeln.
Früher Morgen mit Haushaltsorga: Ab Freitag haben wir wieder einen Übernachtungsgast, das ging mit Vorbereitungen einher. Das zweifache Um-die-Ecke-Planen hatte zur Folge, dass ich mich mal wieder mehrfach energisch erinnern musste, dass gestern ERST DONNERSTAG war.
Als ich Herrn Kaltmamsell den Milchkaffee an den Schreibtisch brachte, begrüßte er mich mit “Aye, meine Blume” und wir mussten erstmal ziemlich lachen.
(Sag mir, dass du auf die 60 zugehst, ohne zu sagen, dass du auf die 60 zugehst.)
Ein weiterer Sonnentag brach an, als Höchsttemperatur waren 17 Grad angekündigt (für März mal dazwischen ok, finde ich) – ich wagte mich in Wolljanker über Bürobluse und ohne Handschuhe aus dem Haus.
Und ich trug eine neue Hose, die meine Mutter mir geschenkt hatte – da ich das Spiegel-Selfie vergessen hatte, bat ich (vorsichtshalber noch vor Postfach-Öffnen) eine Kollegin um ein Foto, um es der Schenkerin per WhatsApp zu senden.
Im Büro ging’s mit Hochdruck los: Konzentrationsjob untermalt von Querschüssen, mal sehen, welche Fehler mir später um die Ohren fliegen werden.
Erst nach zwölf kam ich raus auf einen Mittagscappuccino – nur schnell zu Nachbars, doch ich wusste, Mittagessen würde spät werden. Ich brauchte keine Jacke, draußen war es sonnig und mild.
Mehr Hochdruckarbeit, zu Mittag gab es Orangen (na ja) und Pumpernickel mit Butter.
Der Nachmittag ging recht brutal weiter, es kamen Besprechungen dazu, in denen sich mehr Querschüsse ergaben.
Ergebnis: Zu eh spätem Feierabend war ich so erledigt, dass ich schier keine Energie zum Heimgehen hatte. Und das bei diesem sensationellen Wetter.
Als ich es endlich rausschaffte, freute ich mich aber doch an der Sonne, die eigentlich milde Luft durch Wind gekühlt. Direkter Weg über die Theresienwiese nach Hause.
Große Magnolienparty an allen Straßen und Wegen meiner Route.
Zu Hause konnte ich Herrn Kaltmamsell gar nicht so richtig anjammern, den fand ich nämlich völlig erledigt auf dem Sofa liegend vor.
Ich wusste bereits, dass meine nächste Folge Yoga-Gymnastik eine besonders lange war (für die Adriene-Programme: 35 Minuten), darauf freute ich mich. War dann auch anstrengend und mit einer Mischung auf Kraft und Balance genau das Richtige gestern.
Während dessen kratzte Herr Kaltmamsell seine Energie zusammen und kochte ein weiteres wunderbares Abendessen: Aus dem Ernteanteil-Spinat wurde ein Gericht mit roter Paprika und Erdnussmus, serviert mit Couscous.
Schmeckte wunderbar frisch. Nachtisch Fruchtgummi und Schokolade.
Sehr früh ins Bett zum Lesen, ich war SO müde.
§
Eine weitere Journalistin Ende 40 entdeckt die Wechseljahre, diesmal Stefanie de Velasco – und schreibt darüber von einem komplett anderen Planeten als meinem:
“Frauen, freut euch auf die Wechseljahre!”
These: Wie eine Frau sind durch oder nach den Wechseljahren fühlt, sagt mehr über ihr vorheriges Selbstgefühl aus als über ihr neues.
Genauso wenig wie mir heute gesagt wird, welch ein Gewinn das Ende der Reproduktivkraft, der monatlichen Blutungen, des Verhütungsstresses sein würde, das wohltuende Gefühl, nicht mehr nur ein Stück Fleisch zu sein, wenn ich mit meinen grauen Haaren und einem leichten Flaum über der Oberlippe an einer Bar stand und kurz wagte, den Blick schweifen zu lassen – plötzlich war ich ein Neutrum, einfach nur ein Mensch.
Hier ist sie wieder, die angebliche Unsichtbarkeit von Frauen jenseits der Fortpflanzbarkeit – die mir lediglich verrät, wie sehr sie sich bislang über sexuelle Attraktivität definiert hat. Nachtrag: oder definiert wurde.
De Velasco fragt:
Warum erfährt die Menopause eine solche Abwertung?
Bitte wie? Auf meinem Planeten nicht, ich würde mich gerne mit ihr über ihre offensichtlich toxische Kultur austauschen.
Hitzewallungen (…) könne man auch unter diesem Gesichtspunkt sehen, “als inneren Energieschub, der danach verlangt, gezielt genutzt zu werden”.
Ich beglückwünsche Autorin und Zitierte, offensichtlich nie die Glutattacken dreimal pro Stunde erlebt zu haben, wie sie mich beutelten. Wo ich de Velasco allerdings recht gebe: Perimenopausale und menopausale Frauen dürften gerne auch in der Fiktion vorkommen – man könnte zumindest Doris Dörries TV-Minisserie Klimawechsel von 2010 (!) nochmal zeigen / in die Mediathek stellen.
Die Wechseljahre verlaufen so individuell wie die Pubertät, keine Frau sollte ihren Verlauf für repräsentativ halten – selbst wenn sie Journalistin ist, sogar wenn sie gynäkologischen Fachhintergrund hat. Letzthin unterhielt ich mit einer Betroffenen mit ersten Symptomen: Sie erzählte, dass sie eine Menopausen-Sprechstunde wahrgenommen habe, wie sie wohl in Großstädten angeboten werden – um ihre persönlichen Begleiterscheinungen von einer Spezialistin einordnen zu lassen und sich zu informieren. Das klang sehr vernünftig.
3 Kommentare zu „Journal Donnerstag, 3. April 2025 – Sonnenknipserei“
Beifall spenden: (Unterlassen Sie bitte Gesundheitstipps. Ich werde sonst sehr böse.)
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4. April 2025 um 8:07
Die Serie Klimawechsel war richtig gut, danke für‘s Erinnern. Der Begriff Hormonyoga ist mir geblieben.
Die Menopause ist kein Spaziergang, das stimmt. Aber dass ich nicht mehr angeschaut werde, daran erinnere ich mich nicht. In meinem Beruf kommt das auch nicht vor. Barerfahrung habe ich allerdings nicht.
4. April 2025 um 16:39
Zitat Anfang:
Die Wechseljahre verlaufen so individuell wie die Pubertät…
Zitat Ende
DANKE!
Und damit ist alles, öffentlich, gesagt. Der Rest gehört ins Private, wenn ernsthafte Probleme/Sorgen/Ängste kommen in eine Arztpraxis (Hausarzt oder Spezialistin) die richtige Adresse und gut ist es.*meine güte was für ein gewese, sorry wenn das leicht genervt klingt, nervt aber*
4. April 2025 um 22:18
Da bin ich anderer Meinung, Frau Irgendwas ist immer: Ich halte es für wichtig, dass endlich über Wechseljahre und Menopause gesprochen wird, dass dieses Tabu fällt. Damit nicht jede Frau davon überrascht wird, damit das Wissen in der Allgemeinheit wächst, damit Austausch möglich wird – und der Druck darauf, dass die Gynäkologie sich mehr damit befasst, in Lehre, Praxis und Forschung. Damit diejenigen ernst genommen werden, die massive Probleme haben, auch von sich selbst, und das nicht wie bisher als “Gewese” abgetan wird.