Journal Donnerstag, 27. März 2025 – Nasse Lerche
Freitag, 28. März 2025Für gestern Morgen hatte ich mir den Wecker nochmal Lerchenlauf-früh gestellt: Nach Umstellung auf Sommerzeit wird es mir einige Wochen lang vor der Arbeit zu dunkel zum Laufen sein. Die Wettervorhersage hatte in den beiden Tagen zuvor die Ankündigung eines Sonnenmorgens aufgegeben, doch Wetterbesserung sollte drin sein.
Ein Irrtum, wie sich herausstellte. Ich lief im Düsteren los, an der Isar selbst war das Tageslicht zumindest hell genug, dass ich kein Stolpern über Wurzeln und Steine befürchten musste. Doch als ich nach der Hälfte umkehrte, rissen die dunklen Wolken nicht etwa wie erhofft auf, sondern sprühten feinsten Nieselregen. Ich wurde zügig feuchter (nicht schlimm), und immer mehr Tröpfchen auf meiner Brille behinderten das Durchschauen (saublöd).
Fast fertiger erneuerter Flauchersteg.
Kahle Buchenkönigin.
Westermühlbach unter Kapuzinerstraße.
Fazit: Die Bewegung tat wirklich gut, aber so richtig Schwung durch erhebende Eindrück nahm ich nicht für den Tag mit.
Auch auf dem Marsch in die Arbeit nieselte es energisch: Ich brauchte einen Schirm, war um meine Handschuhe froh und bekam nichts Interessantes zu sehen.
Im Büro musste ich mich mit etwas beschäftigen, was mein Vater in seinem Berufsleben als Elektriker in der Wartung bei einem Automobilhersteller als “Störung” bezeichnete: Unerfreulich und nicht schnell zu lösen, weil ich von Umständen, Naturgesetzen und Menschen abhängig war.
Dazwischen marschierte ich auf einen Mittagscappuccino, leider abgelenkten Gehirns wegen “Störung”. Und mich erwischte ein weiterer Nieselschauer. Wenn es schon so greislich war, hätte es auch richtig regnen können, es ist schon wieder viel zu trocken, siehe Dürremonitor.
Zu Mittag gab es Äpfel sowie Mango mit Sojajoghurt. Außerdem schlechte Arbeitsnachrichten, die meinen Tag zusätzlich zum dunkelgrauen Himmel verdüsterten. Unterm Strich wollte ich sehr intensiv nicht mehr. Gar nichts.
Was ist bei mir nur von Geburt an kaputt, dass es mich überhaupt nicht gelassen macht, wenn ich bei einem Job-Problem “zumindest alles gemacht habe, was ich konnte”, wie es eine Kollegin formulierte. Das Problem / der Missstand bleibt ungelöst, macht mir und/oder anderen das Arbeiten schwer bis manchmal unmöglich – und verhagelt mir die Laune. Meine Energie für “Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann” ist bereits vom restlichen Leben und der Welt aufgebraucht. Gerade jetzt.
Insgesamt, möchte ich festhalten, war der Tag nicht nett zu mir. (Allerdings braucht es für dieses Gefühl bei mir weitaus weniger als für die fast immer kämpferische Novemberregen, die am Mittwoch allen Grund zur Beschwerde hatte).
Auf dem Heimweg (kein Regenschirm nötig) Einkäufe fürs Abendessen. Man lobte mich für meine Taschen- und Einpack-Organisiertheit. Ich seufzte, dass man halt nicht aus seiner Haut könne und meinte es genau so. Gerade gestern. Für das Abendessen war nach Yoga-Gymnastik (mit ganz neuen Umfall-Varianten) und Wäscheaufhängen ich zuständig: Ich servierte Ernteanteil-Salat mit Mango, Avocado, Mini-Mozzarella in Blutorangen-, Rotisseursenf-, Sonneblumenöl-Dressing.
Gut! (Bisschen viel Mango vielleicht.) Nachtisch Schokolade.
Früh ins Bett zum Lesen, Betty Smiths Brooklyn der 1910er schon ganz schön traurig.
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Zeichnerin Giselle Dekel auf instagram:
“The reason I stay home for yoga”.