Bücher

Journal Dienstag, 18. März 2025 – Erster Lerchenlauf

Mittwoch, 19. März 2025

Ich wachte nach gutem Schlaf eine halbe Stunde zu früh fürs frühere Aufstehen auf, versuchte zumindest noch zu dösen.

Dann aber: Zackig Morgenkaffee und Fertigbloggen, darüber fast die etwas spätere Portion Milchkaffee für Herrn Kaltmamsell vergessen, Zähneputzen und Katzenwäsche, ab in die Laufbekleidung Hochwinterversion.

Spiegelselfie einer Frau in Laufkleidung: schwarze lange Hose, schwarze Jacke mit Muster, graue Mütze, Brille

Ich hatte richtig kalkuliert: Um Viertel nach sechs war es unter wolkenlosem Himmel hell genug für einen Isarlauf ohne Stolpergefahr.

Und der war herrlich: Ich lief leicht auf dem gefrorenen Boden, begegnete bis sieben kaum Menschen, hörte und sah zweimal ein Paar Schwäne im Flug – wie immer bekam ich schon beim Anblick des langen, nach vorn gereckten Halses Nackenschmerzen.

Altstadtstraße im ersten Morgenlicht

In der Pestalozzistraße einem Zeitungsboten begegnet.

Blick durch kahle Bäume hoch zu einem Altbau vor blauem Himmel, dessen Spitze von Morgensonne beschienen wird

Erste Morgensonne leckt an den Häusergiebeln.

Blick durch kahle Bäume auf Bank, Fluss, erstes Morgenlicht am blauen Himmel

Erdiger Uferweg mit gefrorenen Pfützen, im Hintergrund eine Eisenbahnbrücke, zwei weiße Kraftwerkkamine, blauer Himmel

Weite, leere Flusslandschaft mit kahlen Bäume, deren Spitzen von erster Morgensonne beleuchtet werden

Weite Flusslandschaft mit viel Fluss, im Hintergrund eine Morgensonnen-beschienene Brücke

Flauchersteg noch nicht ganz fertig.

Blick eine Holzbrücke entland in schräger Morgensonne, darauf der lange Schatten der Fotografin

Gegenlichaufnahme durch kahle Bäume, Sonne spiegelt sich auf Fluss, links eine Baustellentoilette

Vor blauem Himmel zwei weiße Kamine und rechts ein großer zylinerförmiger Tank

Herrliche Anblicke – doch diszipliniert überzog ich meine geplanten 70 Minuten nur wenig.

Zackige Morgentoilette, Tempo-Marsch in die Arbeit: 50 Minuten später als sonst saß ich am Schreibtisch.

Dort setzte ich die Zackigkeit fort, aber geplant. Ich konnte mich deutlich besser konzentrieren als am Vortag, misstraute mir nur wenig.

Zackig schaffte ich es nochmal raus in den herrlichen Sonnenschein – und die weiterhin zapfige Kälte – auf meinen Mittagscappuccino.

Auf einem Holzsims vor Fenster ein Silbertablettchen mit Cappuccino und Wasserglas, davor Blumen in Vase, vor dem Fenster sonnenbeschiene Straße mit Altbauten

Gestern auf dem Programm: Das jährliche verpflichtende Mitarbeitergespräch, mir jedesmal etwa so angenehm wie eine Wurzelbehandlung. (Deshalb erinnere ich mich am liebsten an das eine, das ein Interims-Vorgesetzter führte und in dem es ausschließlich um ihn ging und wie schwer er es hatte – die entspannteste Version. Obwohl ich gerade in diesem sogar ein Anliegen gehabt hätte.) Vor diesem Termin hatte ich folglich überhaupt keinen Mittagessensappetit, doch bis danach wäre es selbst mir zu spät geworden, vor allem wegen Schwindelgefahr. Also zwang ich mir das Gläschen Eintopf vom Vorabend und eine Mango (super) mit Sojajoghurt rein.

Draußen weiterhin herrlichster wolkenfreier Sonnenschein, aber weiterhin so kalt, dass Fensterkippen nur minutenweise drin war. Nach dem MA-Gespräch und einem weiteren Austausch war ich so durch, dass ich nur noch wenig zustande brachte.

Nach Feierabend ein Abstecher zum Verdi Süpermarket für Obst – unterwegs fand ich mich auch diesmal woanders, als ich es vorgehabt hatte. Meine Geisteskraft war offensichtlich noch nicht wieder ganz hergestellt.

Daheim Häuslichkeiten, ich fürchtete schon, dass ich keine Zeit für Yoga haben würde – nahm sie mir dann aber. Und war froh drum.

Für das Abendessen hatte wieder Herr Kaltmamsell stun-den-lang in der Küche gestanden: Aus dem Ernteanteil-Sellerum war Sellerie-Lasagne geworden. Ganz ausgezeichnet, möglicherweise so gut wie nie. Nachtisch Schokolade.

Schon Montagabend hatte ich Granta 170, Winners ausgelesen: Ja, das Thema Sport kann man literarisch attraktiv behandeln, allerdings war dieser Band eher dünn – ich hätte gern mehr davon gehabt. Nächste Lektüre Betty Smith, A Tree Grows in Brooklyn, ein US-Klassiker von 1944, auf den mich Sturmwarnung durch lobende Erwähnung gebracht hatte. Ging schonmal gut los mit der Schilderung vom Treiben der Kinder an einem typischen Samstag 1912, ich lernte neu das Wort inveigle.

§

Erst jetzt gesehen: Constanze Kurz, die verehrte ChaosComputerClub-Sprecherin, mit einem persönlich-fachlichen Nachruf auf den FDP-Bürgerrechtler (ja, liebe Kinder, die gab’s mal) Gerhard Baum auf netzpolitik.org.
“Datenschützer aus Überzeugung”.

Journal Mittwoch, 5. März 2025 – Die Dementoren übernehmen / Rebecca F. Kuang, Yellowface

Donnerstag, 6. März 2025

Frostig-sonniger Morgen.

Auf einer weiten freien Fläche unter blauem Himmel in Morgensonne ein blaues Zirkuszelt

Der Zirkus Krone hat wieder sein Zelt (neu?) auf der Theresienwiese aufgeschlagen. Ich genoss den Marsch in die Arbeit, surfte weiter auf der Welle aus Energie, super-alerten Sensoren und Kreativität, die mich fröhlich durch die vier freien Tage getragen hatte, es sprossen Ideen.

Im Büro brach diese Welle schlagartig, beim Öffnen des Postfachs übernahmen die Arbeits-Dementoren und saugten alle Energie ab in Aufgabenerfüllung. (Das Verfassen eines Besinnungsaufsatzes zur Begründung einer Taxifahrt hebe ich mir aber für eine wieder kreativere Phase am Donnerstag auf.)

Das Draußen blieb wundervoll, ich riss mich los für einen Mittagscappuccino im Westend.

Zügiges Abarbeiten, dazwischen sah ich sowas wie Struktur. Hastiges Mittagessen ohne Pause, es gab Karottensalat (den es bis Ende der Lagersaison wohl noch ein paar Mal geben wird: Braucht viele Karotten auf und schmeckt).

Selfie einer Frau mit orangem Oberteil, die ein Glas voll Karottensalat hält

Aber farblich abgestimmt auf meine Kürbisbluse.

Nachmittags nochmal ordentlich was weggeschafft. Feierabend bei deutlichem Tageslicht, ich verließ das Bürohaus in milder Luft und erstem Frühlingsduft. Ausführliche Einkäufe zum Auffüllen der Süßigkeitenkiste.

Daheim der übliche Mix aus Häuslichkeiten, Brotzeitvorbereiten, Yoga-Gymnastik. Als Nachtmahl servierte Herr Kaltmamsell Crowdfarming-Avocados als köstliche Guacamole zu gefüllten, überbackenen Weizen-Tortillas, ich machte nochmal eine Schüssel Endiviensalat, diesen mit Himbeeressig-Dressing. Nachtisch jetzt wieder viel Schokolade.

Früh ins Bett zum Lesen, Yellowface von Rebecca F. Kuang ausgelesen.

Ein satirirscher Thriller, der in der US-amerikanischen Literatur-/Verlagsszene spielt, das ist originell: Jung-, aber nicht mehr ganz Jungautorin June Hayward erlebt, wie ihre chinesisch-stämmige Freundin und Erfolgsautorin Athena Liu bei einem Unfall in ihrer Wohnung stirbt – und stiehlt von deren Schreibtisch das einzige Manuskript ihres nächsten Romans. June ist bislang mit ihren schriftstellerischen Ambitionen gescheitert und gibt jetzt, nach einer Überarbeitung, dieses Manuskript als ihr Werk aus, einen Roman über die chinesischen Arbeitskräfte an der Seite der Alliierten im Ersten Weltkrieg. Der Betrug funktioniert zunächst, June sonnt sich endlich in dem Ruhm der Literatur-Agenten, Bestsellerlisten, Feuilletons, Online-Literaturplattformen und Social Media, um den sie Athena immer beneidete – doch natürlich geht das nicht lang gut.

Das fand ich durchaus gut gemacht, vor allem die Erzählstimme wird gekonnt eingesetzt: Wir lesen die Geschichte aus der Ich-Perspektive von June, die sich als souveräne Heldin darstellen möchte, deren Handlungen im Grunde unausweichlich sind, deren kleinlicher, egoistischer und uneigenständiger Charakter aber genau dadurch offensichtlich wird. Die Verwicklungen, durch die sich June in immer weitere Schwierigkeiten bringt, sind schön in die derzeitigen literarischen und gesellschaftlichen Diskussionen eingebaut, wie stark sich biografischer Hintergrund und Recht auf Verwendung von Themen bedingen.

Insgesamt war mir die Handlung aber doch zu platt und vorhersehbar: Mir fehlte eine Dimension, die über diese satirische Behandlung von literarischen Karrieren in den USA und sogar von persönlichen Befindlichkeiten hinaus ging. Das machte den Roman für meinen Geschmack zu zeitgebunden und – eine weitere Schleife zu den vielen in der Handlung – zu sehr auf den jetzigen Buchmarkt ausgerichtet. (Eben entdeckte ich, dass die deutsche Übersetzung bei Bastei Lübbe erschienen ist – das passt.)

Journal Mittwoch, 26. Februar 2025 – Zsuzsa Bánk, Der Schwimmer

Donnerstag, 27. Februar 2025

Zsuzsa Bánk, Der Schwimmer ist ein seltsames Buch (ich konnte mich nicht mehr erinnern, wie ich draufgekommen war). Eine Mutter geht weg von ihre Familie mit zwei Kindern auf dem Dorf, beide noch recht klein. Die Geschichte wird aus der Perspektive des älteren Kinds erzählt, fast ohne Filter der späteren Erwachsenenperspektive, lediglich mit erwachsener Sprache. Sie hat einen kleinen Bruder, Isti. Schnell ist klar, dass wir uns in Ungarn befinden, doch ich brauchte eine ganze Weile, bis ich die Geschichte zeitlich einordnen konnte (mag an meinem mangelnden Wissen über Ungarn und seine Nachkriegsgeschichte liegen – oder daran, dass ich keine Klappentexte von Büchern lese). Die Mutter ist wohl nach der Niederschlagung des ungarischen Volksaufstands 1956 in den Westen geflohen, mit nichts als was sie am Leib trug.

Die Erzählstimme bleibt ganz nah an der Erzählgegenwart, in der der Vater der beiden mit seinen Kindern das Dorf verlässt, erst zu Verwandten nach Budapest geht, dann zur Großmutter der Kinder in einem anderen Dorf, dann wieder zu entfernteren Verwandten an einem sehr großen unbenannten See. Er kümmert sich kaum um die beiden. Der kleine Isti lernt im See schwimmen, ist begeistert davon, wird zum Schwimmer des Romantitels. Einmal kommt die Großmutter zu Besuch, sie erzählt anhand von Briefen der Mutter aus dem Westen, wie sie mit einer Freundin fortgegangen ist, was sie erlebt hat, wo sie arbeitet.

Die Perspektive des Kindes bedeutet auch, dass nichts erklärt wird, keine Zusammenhänge, ob historisch, technisch, geografisch oder gesellschaftlich – außer eine der Figuren sagt sie explizit, doch diesen Kindern wird fast nie etwas erklärt. Das ist erzähltechnisch konsequent, macht die Atmosphäre fast märchenhaft, löste aber bei mir den Wunsch nach einem Begleitheft mit weiterführenden Informationen aus – und sei es über den Weinanbau am Balaton. Es gibt keinen Spannungsbogen, nur eine Aneinanderreihung von Erlebnissen, aus denen das Leben der Erzählerin besteht; die Kapitel sind mit Namen der Personen überschrieben, die darin im Mittelpunkt stehen. Wir erfahren viel darüber, wie der kleine Isti all das verarbeitet, aber kaum etwas über die Gefühle seiner großen Schwester Kata. Von Schulbesuchen ist nie die Rede. Der Roman hinterlässt mich recht ratlos.

Kleine orthografische Eigentümlichkeit: Es wird immer kk statt ck geschrieben.

§

Eigentlich eine gute Nacht, doch nach dem Klogang um fünf schlief ich nicht mehr ein, obwohl noch sehr müde.

Beim Marsch in die Arbeit unter gemischtem Himmel merkte ich erst an der zweiten Ampel, dass es recht frisch geworden war und setze mein Stirnband auf.

Am Schreibtisch erstmal Dinge weggeschafft, dann gab es eine interne Info-Veranstaltung aushäusig im Backstage, zu der ich marschieren konnte, hin und zurück in kühler, aber angenehmer Luft.

Mittags zurück im Büro schaufelte ich das zwischenzeitlich Reingekommene weg, mehrsprachig (in meiner Arbeitswelt die große Ausnahme).

Als Mittagessen gab es selbstgebackenes Brot und die vorerst letzte Orange – die sauerste der gesamten süßen Lieferung.

Emsiger Nachmittag. Einmal hörte ich
*popp* *popp-popp* *popp* *popp* *popp* *popp-popp*
Ich schaue aus dem Fenster und sah einen jugendlichen Burschen vorbeigehen: Selbstverständlich kann man einen Basketball nicht anders transportieren, weiß ich doch.

Heimweg nach Feierabend ohne Umwege. Nach meiner Yoga-Gymnastik servierte Herr Kaltmamsell Sauerkraut und Kartoffeln aus Ernteanteil so:

Gedeckter Tisch  mit grünen Sets, darauf Glasteller mit Bratwurst, Kartoffelpü und Sauerkraut, dazwischen zwei Gläser Senf

Gut! Nachtisch Schokolade.

Wieder war ein bestelltes Buch genau zum richtigen Zeitpunkt in der Münchner Stadtbibliothek verfügbar: Im Bett begann ich die Lektüre von Rebecca F. Kuang, Yellowface, gleichmal sehr süffig.

§

Diesmal ist es nicht Trump in den fernen USA, sondern die eben am meisten gewählte Partei in meiner Bundesrepublik Deutschland. Und ich überlegte durchaus erstmal, ob der Protest dagegen eine Überreaktion ist (ich bin des Protestreflexes so müde!). Ergebnis: Nein, ist es nicht. In meinem Sichtfeld war es der damalige CSU-Generalsekretär und heutige Bayerische Staatsminister für Wissenschaft und Kunst Markus Blume, der 2018 erstmals das Trump-Playbook in Reinform nachspielte, nämlich einfach das Gegenteil der Tatsachen als Realität zu behaupten: Als er die Demo gegen Hass und Hetze kurzerhand zu einer Hass-Aktion umdefinierte (entsprechende Plakate auf Kleinlastern entlang der Demo-Strecke, mir blieb kurzzeitig die Luft weg).

Davon haben seine Partei-Kollegen gelernt, das zeigten die Wahlkampf-Behauptungen von Friedrich Merz. Und so stellt die CDU/CSU-Fraktion im Bundestag eine Kleine Anfrage “Politische Neutralität staatlich geförderter Organisationen”. Der deutsche Journalistenverband nennt sie “551 Messerstiche ins Herz der Demokratie”. Nicht nur dieses seriöse Medium beleuchtete die Tatsachen zu Förderprogramme und Gemeinnützigkeit, hier die Erklärungen auf tagesschau.de (“Müssen NGOs politisch neutral sein?”) und beim Bayerischen Rundfunk (“‘Retourkutsche’ nach Demos? CDU/CSU und die NGO-Finanzfrage”).

Nachtrag: Es gibt eine offizielle Bundestags-Petition “Sicherstellung einer langfristigen ausreichenden Finanzierung für zivilgesellschaftliche Initiativen”. Sie wurde bereits am 19. Januar 2025 gestartet, wohl aus tiefer Kenntnis der Lage. Die Mitzeichnungsfrist läuft noch bis zum 1. April, ich habe gleich mal mitgezeichnet.

Journal Mittwoch, 19. Februar 2025 – Alte Haut

Donnerstag, 20. Februar 2025

Als ich um fünf zu früh aufwachte, leuchtete gerade ein halber Mond in mein Schlafzimmer. Ich schlief nochmal bis Weckerklingeln.

Es tagte zu weiterhin klarem Himmel. Auf dem Weg in die Arbeit traf ich vor der Alten Kongresshalle eine Kollegin mit Frühstück in der Hand: Das Gebäude ist Schauplatz einer zweitägigen internen Veranstaltung meines Arbeitgebers, sie gehört zu den Organisatorinnen.

Diesmal enthielt das elektronische Postfach im Büro keine Bombe. Wohlstrukturierter Arbeitsvormittag.

Marsch zum Mittagscappuccino in frostig-strahlener Sonne. Dort eine kleine Bizzarro-Einlage:
„Ein kleiner Cappuccino für hier bitte.“
„Groß oder klein?“
„Klein.“
„Für hier oder zum Mitnehmen?“
„Ähm. Für hier.“

Café-Tischchen mit Cappuccino und schwarzen dicken Handschuhen, durchs Fenster sieht man Geschäfte

Mittagessen später am Schreibtisch: Orangen und Sahnequark.

Zum zweiten Mal machte sich der eigentlich fast abgeheilte Sprung in der Kuppe meines rechten Zeigefingers daran aufzuplatzen, ich merkte es daran, dass er beim Tastaturschreiben wieder schmerzte. Mittlerweile habe ich ja die wirklich hilfreichen Fingerkuppenriss-Pflaster vorrätig, war allerdings nicht darauf gefasst, dass die so schnell weggehen.
Apropos: Letzhin auch noch eine blutig geplatzte Falte am oberen Lippenrand, die meine lebenslange Hautpflege-Argumentation zunichte machte. Weil nämlich: Auch nach der Pubertät litt ich immer wieder unter schmerzhaft entzündeten Pickeln, Hautärzte verschrieben mir auch als Erwachsene eine Salbe mit einem Wirkstoff, der die Überproduktion von Talg bremste. Der allerdings auch die Haut entfettete und dadurch Faltenentstehung wahrscheinlicher machte. Nahm ich in Kauf, denn, so mein Argument: Falten tun nicht weh, Pickel schon. Jenseits der 45 glaubte ich, diesen Wirkstoff absetzen zu können und meiner deutlich alternden Gesichtshaut mehr Feuchtigkeit gönnen zu müssen: ZACK, entzündete Pickel, auch bei lediglich Gel als Feuchtigkeitsspender. Also beschränke ich mich seit vielen Jahren auf Wasser zur Reinigung und ein “talgregulierendes” Gesichtswasser (plus Augencreme), weil: Falten tun nicht weh, Pickel schon. Bis jetzt eben eine Falte zu einem Riss wurde und sehr wohl weh tat. Tse!

Gestern war endlich mal nicht sturzviel zu tun im Büro. Und da ich abends eh einen Friseurtermin hatte, machte ich verrücktes Huhn einfach mal wirklich pünktlich Feierabend, als sogar noch die Sonne schien.

Auf dem Heimweg holte ich meinen Ledermantel mit teilerneuertem Futter von der Schneiderei ab, kaufte Tulpen. Zu Hause erwartete mich eine eben gelieferte Kiste Wein. Nur dass genau diese Bestellung auch schon am Vortag geliefert worden war, mit identischer Rechnung. Le big Augenroll, das muss also irgendwie geradegerückt werden (nein: einfach nicht melden ist keine Option).

Der frühe Feierabend verschaffte mir Zeit für eine Einheit Yoga-Gymnastik vor dem Friseurbesuch, dann ging ich rüber zu ihm ins Kreuzviertel. Diesmal hatte ich überhaupt keine konkrete Vorstellung, hatte nur festgestellt, dass ich mehr Länge über Ohren und im Nacken gar nicht schlecht fand. Wir einigten uns auf “in Form bringen”, ich verließ den Laden zurfrieden.

Herr Kaltmamsell verbrachte den Abend aushäusig, hatte aber für mich gekocht: Pasta e fagioli, ganz wunderbar. Nachtisch Orange (musste weg wegen Matsch-Stelle), Schokolade.

Stöbern in Rezensionen von Weltalltage, ich wunderte mich über Besprechungen, die kein Wort über die Form und die Erzähltechniken des Romans verlieren – die meiner Ansicht nach definitorisch sind. Am besten gefiel mir diese von Lisa Evertz, unter anderem wegen ihrer Beobachtungen “Textgewebe” – und das alles mit leichtem Ton.
“Paula Fürstenberg: Weltalltage”.

Früh ins Bett zum Lesen: Zsuzsa Bánk, Der Schwimmer, diesmal wieder als E-Book gepachtet. Die ersten Kapitel nahmen mich in eine ungarischen Kindheit am Ende des Kalten Kriegs mit.

§

Herzerfrischung in meiner Mastodon-Timeline (bitte auszusprechen wie den Namen einer Gallierin bei Asterix & Obelix): Der Kanal Asterix Archiv. Gestern zum Beispiel zu Hintergründen der Piratentruppe (in den Kaltmamsell’schen Familienjargon eingegangen u.a. mit “Hie’ sind nu’ Hasenfüße d’in!”).

Journal Dienstag, 18. Februar 2025 – Paula Fürstenberg, Weltalltage

Mittwoch, 19. Februar 2025

Paula Fürstenbergs Roman Weltalltage von 2024 besteht aus sehr viel Form – die aber bedeutungstragender Teil des Inhalts ist.

Das wird schon beim Blick auf das Inhaltsverzeichnis klar.

Zunächst wusste ich nicht, ob ich das angestrengt und aufgesetzt finden sollte oder lustig. Doch es stellte sich bald heraus, dass diese Struktur und diese Ebenen Handlung sind: Sie transportieren den Prozess des Erzählens, des Haderns, des Recherchierens.

Im Roman geht es um die Freundschaft der Erzählerin mit Max seit Schultagen. In der Erzählgegenwart wohnen sie zusammen in Berlin, geben einander Halt in ihren Leben nach dem Studium, das sie nicht wirklich auf die Reihe bekommen. Es geht um das Aufwachsen der beiden in Ostdeutschland und als einzige Kinder alleinerziehender Mütter. Ein zentrales Thema ist Krankheit – und die Sicht darauf, literarisch, gesellschaftlich: Die Erzählerin verarbeitet, was sie darüber gelesen hat, gleicht es ab mit ihrem eigenen Krankheitserleben – selbstbewusst und fesselnd. Und in den Gesprächen werden die interessantesten Fragen über Depressionen verhandelt, die ich je gelesen habe (u.a. Ist Depression eine Naturkatastrophe oder ein Verkehrsunfall?). Dazwischen auch Sach-Passagen, zum Beispiel eine Auflistung von Frauenfiguren durch die Geschichte, die sich massiv und teils gewalttätig gegen Ungerechtigkeiten auflehnten (“Krawall-Barbies”).

Teil der Erzählsituation ist die Behauptung von Autofiktion: Die Ich- (eingentlich Du-)Erzählerin (auch das wird thematisiert) schreibt als ihren ersten Roman diese Geschichte ihrer Freundschaft mit Max. Das Schreiben selbst ist wichtiger Teil der Handlung, auch das Sprechen über das Schreiben, die schwankende Einwilligung von Max, dass er und sein echtes Leben verwertet werden. Ich fand das handwerklich ganz ausgezeichnet gemacht, auf mich wirkte das deutlich weniger verkopft, als es hätte ausgehen können. Statt dessen las sich diese Erzählweise fast zwingend für den Inhalt. Ob es sich nun wirklich um das Leben der Autorin handelt oder nicht, fand ich diesmal tatsächlich irrelevant. Ich mochte das Buch sehr.

Zudem: Ein Roman mit Literaturverzeichnis <3

§

Gestern sehr müde vom Handyklingeln unterm Kissen geweckt worden, ich hätte gern weitergeschlafen.

Weg in die Arbeit unter überraschend düsterem Himmel, eigentlich war uns durchgehend freier Himmel versprochen worden.

Im Büro mehrfacher Überfall aus dem E-Mail-Postfach: Es dauerte bis zur Zeit meines Mittagscappuccinos, bis ich geradeaus schauen und strukturiert arbeiten konnte.

Jetzt schien die Sonne tatsächlich vom wolkenlosen Himmel, ich marschierte ins Westend.

Auf Holzboden ein mittelgroßer Hund mit hellem Fell, der einen hellen Pullover mit kleinem Norwegermuster trägt; ihm gegenüber hat sich ein Mensch in die Hocke gesetzt und hält seinen Hals

Auch in diesem Stadtviertel sind die Hunde mittlerweile eleganter gekleidet als ich.

Wohnstraße mit kahlen Bäumen und Sonne, am Ende der Turm einer Backsteinkirche

Herrliches Licht auf dem Rückweg.

Mittagessen später: Orangen, Muesli in Joghurt.

Arbeitsnachmittag geordnet, ich konnte immer wieder raus ins wundervolle Wetter schauen.

So sehr ich auch gehofft hatte, dass die Welt inzwischen weiter ist: In meinem Arbeitsalltag ist Microsoft Copilot mit seiner Vorlautheit ohne wirklich brauchbare Vorschläge einfach eine Neuauflage von Karl Klammer (ich kenne jemanden aus dem Team, das seine Texte seinerzeit ins Deutsche übersetzte).

Auf dem Heimweg Einkäufe: Süßigkeitennachschub, Drogeriemarkt, Lebensmittel im Vollcorner. Zu Hause Yoga-Gymnastik: Eine Dehn-Einheit, war gestern ok.

Herr Kaltmamsell hatte aus der zweiten Hälfte Ernteanteil-Lauch ein Bohnengericht mit roter eingelegter Paprika gemacht (nicht zum ersten Mal), besonders köstlich. Nachtisch Schokolade.

Früh ins Bett zum Lesen.

Journal Samstag, 15. Februar 2025 – Rinderherz, auch mit Foto

Sonntag, 16. Februar 2025

Eigentlich fast durchgeschlafen, aber mit so anstrengenden Träumen (lauter Dinge zu erledigen), dass ich ziemlich erledigt aufwachte.

Wie angekündigt startete der Tag strahlend sonnig. Ich machte mich erstmal ans Brotbacken. Schon am Vorabend hatte ich bemerkt, dass ich die Buttermilch für dieses Rezept vergessen hatte, doch niemand in diesem Haushalt wollte nochmal raus. Ich improvisierte mit verdünntem Joghurt (150 gr. mit 350 gr. Wasser).

Als Backtopf verwendete ich einen neuen, kleineren Gusseisentopf, den Herr Kaltmamsell vom Christkindl bekommen hatte. Und ich hatte wie beim Backen davor eingeweichten Leinsamenschrot untergeknetet, als moisture maker.

Augerissener Brotlaib auf Kuchengitter auf schwarzer Kochfläche, daneben links schwarzer Eisentopf, rechts Topfdeckel

Sehr gut geraten.

Schon angesichts der Wettervorhersage hatte ich meine Schwimmrunde fürs Dantebad im Freien geplant. Bei Kälte und möglicher Glätte nahm ich statt Radl die U-Bahn dorthin.

U-Bahn-Untergeschoß mit hellem, polierten Steinboden und gelben metallwänden, dazwischen Baustellen-Absperrungen mit Baumaterial und Bauarbeitern

Lassen Sie sich nichts einreden: U-Bahnhof Sendlinger Tor bleibt Baustelle.

Die erhoffte Wiederholung des Sonnenschwumms vor einer Woche war das dann nicht: Ab meiner Ankunft zogen immer mehr Wolken auf. Dafür schwammen aber auch nicht so viele Menschen auf meiner Bahn wie vor einer Woche (es war ja auch deutlich kälter, die 30 Meter barfuß und nassgeduscht vom Gebäude ins Becken fühlten sich diesmal wieder richtig lustig an: Bis beim Körper das “Hä, was soll das jetzt?!” so richtig angekommen war, kraulte ich bereits im warmen Wasser). 3.000 Meter Gleiten ohne Probleme, gerade genug Überholvorgänge, dass ich nicht allzu gemächlich wurde. Und die Umgebung war mit immer wieder wechselnden Wolkenszenen, Löchern mit blauem Himmel, vereinzelt Sonne auch interessant genug.

Nach Hause nahm ich die Tram, um am Stachus auszusteigen und italienischen Kochschinken zu kaufen: Beim Schwimmen hatte ich intensive Sehnsucht nach einem mächtigen Butter-Schinken-Brot aus dem eben gebackenen entwickelt.

Daheim aber erstmal den Inhalt der eben durchgelaufenen Maschine Wäsche aufgehängt, dann ein Schüsselchen Coleslaw vom Vorabend gegessen, dann insgesamt drei dicke Scheiben Brot, zwei davon mit Butter und Schinken, eine mit Butter und Orangenmarmelade. Das war sehr schön.

Zur Hälfte aufgeschnittener Brotlaib auf weißem Schneidebrett auf schwarzer Kochfläche

Briefpost von Dr. Edmund Stoiber: Er bittet mich, den CSU-Kandidaten in meinem Wahlbezirk zu wählen. Und nicht nur habe ich seinen Brief gelesen, sondern dachte im Vergleich zur aktuellen CSU-Truppe wehmütig an seine Zeit hier in Bayern zurück. So weit sind wir schon.

Wochenend-Zeitung gelesen, ein wenig Roman. Fürs Abendessen war ich zuständig: Herz in Biersauce.

Handschriftliches Rezeot auf kariertem Papier, dahinter angeschnitten eine Bierflasche mit Aufschrift "Dunkel"

Aufsicht auf rechts ein weißes Schneidebrett, darauf ein Stück Fleisch mit chrakteristischen Fettadern außen, daneben ein großes Messer, links eine Schüssel mit bereits geschnittenen Fleischwürfeln

Ein Rinderherz ist eine spannende Sache, das Fleisch wunderschönes Muskelfleisch.

Schmorgerichte sind ja praktisch, sie kochen sich nach dem Anbraten und Ablöschen von selbst. Unter anderem turnte ich Yoga-Gymnastik, während Herr Kaltmamsell als Beilage Brezen-Serviettenknödel anfertigte.

Die Crowdfarming-Orangen wurden wieder nicht geliefert, DHL-Begründung: “Keine Zustellung, da Zustelladresse nicht angefahren werden kann” – WTF? (Hier ist nichts gesperrt.) Ich war verärgert, weil das auch bedeutet, dass die reifen Früchte noch ein paarmal durch die Gegend geworfen werden, noch ein paar Tage rumliegen (ohne dass ich sie checken kann, das erhöht das Risiko von faulen Stellen, die sich ausbreiten), dass Herr Kaltmamsell oder ich (wahrscheinlicher er) die 11-Kilo-Kiste an irgendeinem DHL-Shop abholen muss. Und dass ich dieses Wochenende und am Montag ohne Obst dastehe (selbstverständlich hatte ich mit Aussicht auf so viele Orangen nichts eingekauft).

Aperitif-Alternative wurde Brandy Alexander (Sahne musste weg).

Auf einem mit grünen Sets gedeckten Tisch vorne ein Flasteller mit Fleischwürfeln in viel dünner dunkler Sauce und einer Scheibe Knödel, rechts daneben Besteck auf einer schwarzen Stoffserviette, dahinter ein schwarzer Topf mit Deckel

Rinderherz in Biersauce mit Brezenserviettenknödel – vor allem das Fleisch schmeckte mir ganz hervorragend, diese Konsistenz liebe ich (werde mehr Herzrezepte ausprobieren). Gemüse dazu war nochmal Coleslaw. Nachtisch Schokolade.

Früh ins Bett zum Lesen, ich bin von Paula Fürstenberg, Weltalltage sehr angetan – inklusive neuem Twist zum Thema Autofiktion.

§

“Man wird sehr offen für Dinge, über die man sich freut.”

@herzbruch über einen Aspekt schlimmer Erkrankung.

§

Screenshot eines Mastodon-Posts von @me ta phil, der:
"Grausam, aber notwendig – beim Protest gegen den Afternative-für-Deutschland-Wahlkampfstand griffen die #Antifa​schist*innen in #Bremen heute auch zu ihrer schärfsten Waffe:

Blockflötenkonzerte."

Ich sehe die Familie Kaltmamsell bei der nächsten Gegendemo bereits als siebenköpfige Terror-Truppe.

Journal Donnerstag, 13. Februar 2025 – Blog-Stöckchen zum Bloggen

Freitag, 14. Februar 2025

Hätte mich nicht um fünf ein Rumbrüller vorm Fenster geweckt, hätte ich durchgeschlafen – sehr angenehm.

Wetter mild und regnerisch, für den Weg in die Arbeit brauchte ich wieder einen Schirm.

Mittags ging ich auf berufliche Einkaufsrunde, genehmigte mir zwischen zwei Stationen einen Mittagscappuccino in der Nachbar-Cafeteria. Unwirtliches Wetter, zumindest erwischte ich eine Regenpause.

Zurück im Büro erreichte mich die Nachricht vom Auto-Angriff auf eine Verdi-Demo in München, ich verfolgte die Entwicklung über den Nachmittag.

Zu Mittag gab es den Rest Roggenschrotbrot, außerdem Mango mit Sojajoghurt.

Emsiger Nachmittag, während vorm Fenster der Regen zu Schneematsch wurde.

Auf dem Heimweg (Niederschlagpause) bog ich in die Balkanbäckerei ab für Brot.

Daheim Yoga-Gymnastik. Als Abendessen hatte ich den Postelein-Salat aus Ernteanteil mit der Mittwoch gekauften Endivie gründlich verlängern wollen, doch es gab keinen Postelein. Also servierte ich eine Schüssel Endiviensalat, rote Paprika und Kresse (Ernteanteil) mit Haselnussmus-Dressing. Dann Balkanbrot mit geschenktem bulgarischem Ajvar und Feta. Nachtisch Schokolade.

Früh ins Bett zum Lesen. Den Adolf Muschg hatte ich am Vorabend ausgelesen (nett). Ich hatte zuvor nie etwas von ihm gelesen. Und die Wikipedia-Passage “Als Muschgs Hauptwerk gilt gemeinhin sein 1000-seitiges Opus Der rote Ritter. Eine Geschichte von Parzivâl (1993)” macht es unwahrscheinlich, dass sich das wesentlich ändert. Nächste Lektüre, wieder war die Vormerkung in der Münchner Stadtbibliothek genau richtig aktuell geworden: Paula Fürstenberg, Weltalltage, die ersten Kapitel gefielen mir schonmal.

§

Warum nicht mal wieder ein Stöckchen?
Hier auf dieses hingewiesen worden (dort steht die Liste der Fragen zum einfachen Rauskopieren auch am Ende – man muss die Fragen also nicht wie ich einzeln zwischen Antworten rausfischen). Habe ich zwar alles schonmal gebloggt, aber wahrscheinlich zuletzt, als ich davon ausgehen konnte, dass “Stöckchen” unerklärt verstanden wurde.

Warum hast Du ursprünglich mit dem Bloggen angefangen?
Das ist fast 22 Jahre her, ich musste sogar überlegen, wie ich diese Frage bisher beantwortet habe. Nach heutiger Erinnerung war ich vorher im Web am aktivsten in einem Diskussionsforum, das die Redaktion von brandeins gestartet hatte (einige Kontakte daraus halten bis heute). Wir unterhielten uns über Wirtschafts- und Gesellschaftsthemen, auch Technik und Internet. Irgendjemand fragte, was so von diesen Blogs gehalten wurde, die man neuerdings habe. Als ich erfuhr, was das eigentlich war (persönliche Websites, auf denen man ohne großen technischen Aufwand Texteinträge veröffentlichte, der neueste immer oben), dachte ich sofort an Herrn Kaltmamsell: Der recherchierte und wusste so viele abseitige Themen, erzählte sie dann aber mir (“Ich weiß, dass willst du jetzt nicht hören, aber…” / “Ich weiß, das interessiert dich nicht, aber wusstest du…”). Mit einem Blog hätte er die Möglichkeit, mit seinem Wissen über US-amerikanische Radio Shows der 1930er und 1940er oder über die Verlagsgeschichte von Marvel Menschen zu erreichen, die das tatsächlich interessierte! Und bei dieser Gelegenheit, so der weitere Gedankengang, könnte er ja auch mir so ein Blog einrichten, wo ich den einen oder anderen Text einstellen könnte, vor allem auch Rezepte aus der britischen Küche, die ich (bis heute) im deutschen Sprachraum fehleingeschätzt hielt. Und allso geschah es.

Welche Plattform nutzt Du für Deinen Blog und warum hast Du Dich dafür entschieden?
(Dein, es ist das Blog.) WordPress ist das CMS (Content Management System), Plattform nutze ich keine, sondern blogge auf eigenem Webspace. WordPress ist vertraut und komfortabel, läuft schon seit vielen Jahren stabil und gibt mir zu meiner großen Erleichterung die Möglichkeit, ohne Gutenberg-Editor weiterhin in einer HTML-Ansicht zu bloggen. Das Bloggen in Bauklötzchen (Gutenberg) läuft meiner Art zu schreiben und Bilder zu verwenden völlig entgegen.

Hast Du schon auf anderen Plattformen gebloggt?
Nur ganz kurz. Sehr bald mietete Herr Kaltmamsell uns Platz auf einem Server, der auch Programme zuließ, und ließ darauf ein CMS laufen. Ich weiß nicht mehr welches am Anfang, glaube mich daran zu erinnern, dass es sogar einen kurzzeitigen Wechsel auf ein anderes gab, bevor WordPress auftauchte und viel komfortabler war (allerdings in den ersten Jahren so oft abstürzte, dass ich Blogposts zur Sicherheit in einem Textverarbeitungsprogramm vorschrieb und fertig rüberkopierte).

Wie schreibst Du Deine Blogposts? Nutzt Du ein lokales Bearbeitungstool oder eine Panel/Dashboard-Funktion Deines Blogs?
Ich schreibe einfach in die große weiße Fläche des einen Eingabefelds rein, meist über den Tag in Fragmenten, kopiere Links ein. Bilder bearbeite ich mit einem lokalen Programm, lade sie fertig hoch.
Ich nutze Blogpost-Entwürfe für fast alles, was ich mir thematisch merken möchte – weil Web-basiert und so von jedem Gerät mit Browser erreichbar. So gibt es unter den Entwürfen zahlreiche Einträge, die gar nicht zur Veröffentlichung gedacht sind, sondern Links sammeln: Tipps und Infos zu verschiedenen Orten (Restaurants in München, Hotels/Restaurants/Sehenswertes in Berlin), Linklisten für Einkäufe (die mich oft davor bewahren, einem Einkaufsimpuls zu folgen, weil ich den Link dort sichere und damit FOMO bekämpfe), Rezeptlinks (die ich mal in einzelne Einträge sortieren sollte, derzeit hängen “Herzhaftes”, “Brot”, “Süßes” noch in einem Post hintereinander).

Wann fühlst Du Dich am meisten inspiriert zu schreiben?
Wenn mir die Wörter dafür einfallen. Meistens sofort, aber manchmal braucht es Tage, bis ein Erlebnis geschrieben wird, manchmal Jahre. Mein Erzählmittel ist Sprache, wenn Wörter oder Formulierungen in meinem Hirn auftauchen, oft für den Einstieg, manchmal für ein markantes Detail, dann kann ich es schreiben. Ähnlich geht es mir mit dem Schreiben über Themen: Die Wörter dafür müssen mich finden.

Veröffentlichst Du Deine Texte sofort oder lässt Du sie erst eine Weile als Entwurf liegen?
Vor Arbeitstagen schreibe ich die Posts abends so gut wie fertig, am nächsten Morgen gehe ich final drüber und veröffentliche. Vor freien Tagen habe ich abends oft nur Fragmente des Posts, manchmal noch nicht mal die Fotos des Tages von Handy auf Laptop geladen, sondern schreibe, bearbeite und finalisiere am Morgen.

Über welche Themen schreibst Du generell?
Genau: Über generelle Themen – die halt irgenwie mit mir zu tun haben. Viel Geplapper und “Da! Guck mal!”

Für wen schreibst Du?
Hm, falsche Frage: Mein Schreiben ist ein freies Leseangebot.
Manchmal habe ich aber tatsächlich konkrete Leser*innen im Kopf, zum Beispiel meinen Bruder bei den gesammelten Lieblingsmicroblogging-Posts am Monatsende.

Was ist Dein Lieblingsbeitrag auf Deinem Blog?
Oj, keiner, der mir bei ein paar Tausend Posts sofort einfällt. Meine FAQ mag ich aber besonders gern.

Hast Du schon Blogpausen eingelegt oder Blogs ganz aufgegeben?
Vor ein paar Jahren versuchte ich es eine Weile mit Nichtbloggen, vielleicht würde das mein Leben ja positiv verändern. Doch als Herr Kaltmamsell fassungslos vor mir stand: “Aber was soll ich dann morgens lesen?”, brach ich den Versuch ab.

Was empfiehlst Du Menschen, die mit dem Bloggen anfangen wollen?
Wenig überraschend: Einfach machen. Vor vielen Jahren beschrieb das ein Blogpost, der sogar noch online ist (lassen Sie sich nicht einreden, das Internet vergäße nichts):
“Make the clackity noise until a little story falls out.” So lange Tastaturgeräusche erzeugen, bis ein Text dasteht.

WordPress als Plattform macht das wohl echt simpel. Und wie kommt man an Leser*innen? Ich nehme an, das funktioniert immer noch so: Wenn man ein wenig Sicherheit gewonnen hat, in anderen Blogs, die man eh liest, auch mal einen Kommentar hinterlassen – und damit eine Spur zum eigenen legen (ins Kommentarformular die URL des Blogs eintragen, dann ist der Name damit verlinkt). Darauf klicken Leute tatsächlich.

Hast Du Zukunftspläne für Deinen Blog? Vielleicht ein Redesign, ein Wechsel der Plattform oder neue Features?
*Hyperventiliert beim Stichwort “Redesign”*
Bis zum Beweis des Gegenteils ist dies das deutschsprachige Blog mit dem am längsten unveränderten Design. Das lass ich mir doch nicht durch eine andere, noch so schöne Gestaltung (für die ich überhaupt keine Begabung habe) kaputt machen!
Und Features? Ich habe schon mit Sound Files und Filmchen experimentiert, vielleicht erfordert ein “Da! Guck mal!” auch was ganz Anderes – dann bin ich offen dafür.