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Journal Freitag, 14. März 2025 – Heimarbeit und Besuch

Samstag, 15. März 2025

Gestern war alles anders, eine so willkommene Abwechslung im Arbeitsalltag, dass es sich fast wie Wochenende anfühlte.

Ich erwachte nach gutem Schlaf im Bett von und neben Herrn Kaltmamsell: Wir würden einen sehr erfreulichen Übernachtungsgast haben, der zu einer Fortbildung in München war, das zog Organisationsdinge nach sich. Deshalb arbeitete ich ausnahmsweise daheim, eine weitere Abwechslung: Herr Kaltmamsell würde den ganzen Tag aushäusig verbringen, so konnte ich seinen Schreibtisch nutzen – deutlich komfortabler als der Esstisch.

Am Morgen nahm ich mir mehr Zeit, räumte schonmal ein wenig, baute meinen Rechner an Herrn Kaltmamsells Schreibtisch auf, kochte aber wie im Büro auch eine Tasse Tee zum Starten. Das Draußen war abweisend düster und kalt mit hin und wieder Regenspritzern.

Spannend wurde wieder, wann mich das Homeoffice-Frieren erwischen würde, gegen das ich mich mit zwei Paar Wollsocken in Winterpantoffeln und zwei dicken Pullis übereinander wappnete. Ergebnis: Eisfüße nach anderthalb Stunden. Allerdings entdeckte ich erst dann, dass die Heizung im Zimmer von Herrn Kaltmamsell über eine Zeitschaltuhr geregelt war und jetzt die Zieltemperatur 17 Grad ansteuerte. Das änderte ich.

Blick auf einen Schreibtisch vor einem großen Fenster mit Blick aus einem Obergeschoß auf kahle Bäume und entferntes Klinikgebäude, darunter Parkettboden, auf dem Schreibtisch ein aufgeklappter Laptop, ein großer, dunkler Bildschirm, rechts vom Laptop eine große Tasse

Ich weiß, wir sind ca. fünf Jahre über Guck-mal-mein-Homeoffice-Arbeitsplatz raus, aber für mich ist das immer noch Guck-mal.

Emsiges Wegarbeiten, dazwischen Handgriffe für Brotbacken. Meinen Mittagscappuccino kochte ich selbst, verlässliche Qualität.

Zwei Laibe, dunkles, etwas aufgerissenes Brot auf Kuchengitter auf schwarzerm Kochfeld

Das Brot gelang gut (70/30 Roggenmischbrot nach Brotdoc), mit reichlich Roggenvollkornmehl ist es genau mein derzeitiger Geschmack.

Später gab es zu Mittag einen Apfel und eingeweichtes Muesli mit Joghurt.

Pünktlich wie verabredet um zwei klingelte der Übernachtungsgast. Einweisung in Hausabläufe (nicht den Duschkopf vor Wasseraufdrehen hochhängen), Plausch. Gast ging zum Anlass seines München-Aufenhalts, ich zurück an die Arbeit. Gegen Ende des Arbeitstags wurde es nochmal zackig, zumal ich es nicht spät werden lassen wollte.

Pünktlicher Feierabend, jetzt wollte ich aber raus an die frische Luft – der Marsch in und von der Arbeit fehlte mir sehr. Auf die angedachte Laufrunde hatte ich zwar keine Lust, aber auf Gehen. Ich spazierte Richtung Isar, dort ein Stück entlang zur Innenstadt.

Winterliche Grünanlage vor einem modernen Bürogebäude rechts: ansteigener gepflasterter Weg, darin ein Kustwerk aus großen, runden Steinen, an die Strohballen gebunden sind

An der rotem Fußgängerampel am Patentamt wunderte ich mich über die Strohballen an Kunst – bis mir klar wurde, dass die niedrigen Grashügel drumrum sehr wahrscheinlich zum Schlittenfahren genutzt wurden und das Stroh die Kunst schützte. Stadtkinder haben keine große Auswahl.

Ich legte meinen Weg über den Viktualienmarkt, im steigenden Anteil Eateries, Snack- und Weinbars wurde das Wochenende eingeläutet. Ich fragte mich (sehr leise nur), warum ich nicht jemand bin, der jetzt dort gesellig sitzt – die Leute sahen durchgehend glücklicher aus als ich.

Abschließend Einkäufe im Alnatura, bis daheim war ich zumindest eine Stunde zu Fuß unterwegs gewesen. Yoga-Gymnastik, dann verarbeitete ich Radicchio zu Abendessen, schüttelte mit Saft einer wunderschönen Amalfi-Zitrone, die mir beim Einkaufen begegnet war, Whiskey Sours zum Feiern des Wochenendes.

Nachtmahl war das frisch gebackene Brot (sehr gut, vielleicht etwas mehr Salz) mit Butter und Käse, Radicchio-Salat, etwas Kartoffelgratin aus Ernteanteil. Dazu ein Restl Weißwein von der Einladung vergangenen Samstag. Nachtisch Schokolade.

Wieder früh ins Bett zum Lesen, der Übernachtungsgast würde spät von seiner Fortbildung kommen und war selbstversorgt.

Journal Donnerstag, 13. März 2025 – Die Bürogerüche feuchter Mäntel

Freitag, 14. März 2025

Aufgestanden zu düsterem Wetter und nassen Straßen.

Renovierte, schlichte Villa vor dunklem Himmel, davor ein großer Magnolienbaum mit aufplatzenden Knospen

Die amtierende Referenz-Magnolie an der Villa Wagner ist deutlich weiter, als ich erwartet hatte.

Im Büro wie geplant gleich mal losgeackert (im Gegensatz zu ungeplant), aber sehr, sehr müde.

Trotz düsterem Draußen wollte ich auf einen weiter weg gelegenen Mittagsscappuccino – hatte allerdings nicht mitbekommen, dass es mittlerweile regnete. Ließ mir das egal sein und lief nicht nochmal hoch für einen Regenschirm – was mit immer stärkerem Nass von oben kommentiert wurde. Dann wurde ich halt recht feucht, bekam bei dieser Gelegenheit aber heraus, dass ich in diese Richtung fast die Hälfte der 20 Minuten Fußmarsch unterirdisch durch zwei U-Bahnhöfe und damit trocken zurücklegen konnte.

Noch bin ich unschlüssig, was den unangenehmeren Bürogeruch verursacht: Ein feuchter Wollmantel oder ein feuchter Wildledermantel.

Mittagessen: Gelbe Kiwis, eingeweichtes Muesli (bisschen zu viel Wasser erwischt) mit Joghurt.

Der Nachmittag verlief überraschend chop-chop; unter anderem hing das damit zusammen, dass ich aus Gründen am Freitag von daheim aus arbeiten würde und alles vom Tisch haben wollte, wofür ich Drucker und Bürodinge brauchte. Den Heim-Tag wollte ich zudem zum Brotbacken nutzen: Ich musste also rechtzeitig Feierabend machen, um noch vor sechs, also zu Öffnungszeiten, im Hofbräuhausmühlen-Laden Mehle zu kaufen.

Ich schaffte alles, mittlerweile hatte auch der Regen aufgehört: U-Bahn zum Odeonsplatz, von dort zum Mühlenladen – es war wieder winterlich kalt geworden. Auf dem Heimweg besorgte ich noch Käse fürs Abendbrot.

Zu Hause so viele Häuslichkeiten, dass es mir für Yoga-Gymnastik zu eng wurde. Nachtmahl servierte ich: Feldsalat aus eben geholtem Ernteanteil mit Kürbiskernöl-Dressing, Pekannüssen, wachsweichen Eiern, außerdem Käse und restliches aufgetautes Balkanbrot. Nachtisch Schokolade.

Früh ins Bett zum Lesen, sehr frühes Lichtaus weil müde.

§

Die Prognose, dass die Zukunft der deutschen Industrie nach dem Totalversagen der Automobilindustrie in Sachen Weitsicht bei Rüstungsgütern liegt, hätte vor drei Jahren noch Teeren und Federn provoziert. Irre Zeiten.

Mag nicht jemand einen satirischen Roman oder eine SitCom über diese Entwicklung schreiben? Ausgangssituation: Die Marketing-Abteilung von Audi wird en bloc zu Rheinmetall verschoben? (Meine Idee war ursprünglich eine Verschiebung zu Krauss-Maffei, doch jemand erinnerte mich daran, dass die einst deutsche Traditionsfirma 2016 von einem chinesischen Staatskonzern übernommen wurde.)
Korrigierender Nachtrag: Die Erinnerung war falsch. Chinesisch ist seit 2016 der Maschinenbauer Krauss-Maffei (den ich von der S-Bahn nach Karlsfeld aus sah, heute ist der Schriftzug durch “Siemens” ersetzt). Das Unternehmen mit den Panzern ist Krauss-Maffei Wegmann, heute ein Unternehmen der deutsch-französischen Wehrtechnikgruppe KNDS. Der Scherz steht also noch.

§

Obst-Witze – vielleicht sind unsere Zeiten nicht die schlechtesten.

via @heibie

Journal Mittwoch, 12. März 2025 – Verdüsterung von Wetter und Stimmung

Donnerstag, 13. März 2025

Eigentlich endlich mal wieder eine gute Nacht ohne anstrengende Träume, aber so gerne hätte ich schon lang nicht mehr bei Weckerklingeln weitergeschlafen (meine Default-Einstellung bei Wecken ist: Zack! Aufstehen!).

Jetzt war der Wetterumschwung aber wirklich da: Geschlossene Wolkendecke und trübes Licht auf dem Weg in die Arbeit.

Sehr emsiger Arbeitsmorgen. Trotz der Trübe zog es mich raus auf einen Mittagscappuccino im Westend. Es roch wieder eher winterlich.

Mehr Emsigkeit, als Mittagessen gab es Joghurt mit Leinsamenschrot, Granatapfelkerne. Danach fühlte ich mich sehr müde und hatte Kopfweh.

Dennoch musste halt Arbeit weg, ich nahm mich zusammen. Und dann ärgerte man mich auch noch! Von verschiedenen Seiten. Ich weiß nicht, ob ich die Energie aufbringe, mir das egal sein zu lassen, in einem Fall etwas dann halt an die Wand fahren zu lassen (nicht zuständig, nahezu null Einfluss), in dem anderen mich ab sofort für nicht zuständig zu erklären (was ich mich ohnehin lange Zeit selbst gemacht hatte, weil ich halt Dinge sehe und wichtig finde – ich könnte das zu einem Übungsprojekt machen für Klappe-halten-und-wegducken-bis-sich-jemand-anders-kümmert).

Sehr erhöhter Blick über eine Großstadt, im Vordergrund Bahngleise und Bürohäuser, darüber dunkelgraue Wolken

Draußen begann es zu regnen, doch als ich mit ausgesprochen mieser Laune das Bürohaus verließ, war gerade Regenpause. Nächster Ärger (gestern brauchte es dazu aber wirklich nicht viel): Der große Edeka Schwanthalerhöhe hatte keinen weißen Tequila, wegen dem ich extra hingegangen war. Führte laut Regalaufschrift eh nur eine Sorte, und die war gerade aus. Da sind doch AUCH die Grünen dran schuld!

Also nur kurz in den Vollcorner, Laune beim Heimkommen entsprechend, ich fauchte Herrn Kaltmamsell aus dem Weg. Eine Einheit Yoga-Gymnastik (ich ersetzte die Freestyle-Abschlussfolge von Adrienes 30-Tage-Programm “Center” durch eine durchgepromptete von Jessica Richburg – tat gut), dann durfte Herr Kaltmamsell mir zumindest wieder Abendessen servieren: Ernteanteil-Pastinaken aus dem Ofen mit Parmesan, gebratener Reis, Kimchi – alles gut. Nachtisch Schokolade.

Früh ins Bett zum Lesen, zwei interessante Granta-Geschichten.

§

Vielleicht greife ich doch nochmal zum Strickzeug.

Journal Sonntag, 9. März 2025 – Sonnensonntag

Montag, 10. März 2025

Wenig erholsame Nacht mit zerstückeltem Schlaf, der zu früh endete. Dafür und nach dem vielen Alkohol am Vorabend stand ich aber recht munter auf.

Vor dem Morgenmilchkaffee Aufräumen bis zur Wiedererkennbarkeit des Wohnzimmers. Gemütliches Bloggen, Gläserspülen (werden auch in dieser Geschirrspülmaschine matt und müssen deshalb handgespült werden), Internetlesen.

Draußen strahlte nochmal die Sonne, ich öffnete bald die Fenster zu sehr milder Luft. Für meinen Isarlauf ließ sie mich erstmals im Jahr zur kurzen Hose greifen.

Spiegelselfie eines Menschen mit hellblauer, knielanger Laufhose, roter Jacke, Kappe und Sonnenbrille, links von ihm Tür mit Blick in ein sonniges Wohnzimmer

Und ich nahm das Fahrrad raus zum Friedensengel. Schon auf diesem Weg stellte ich fest, dass ich zu warm angezogen war: Nicht nur war die Jacke unnötig, es hätte auch ein kurzärmliges Oberteil getan. Der Lauf wurde anstrengend, aber vermutlich nicht in erster Linie wegen meiner Kleidung, ich bin wohl derzeit einfach nicht allzu fit.

Wasserstand der Isar sehr niedrig, es muss dringend regnen. Ich bekam ganz viele Frühlingsblümchen zu sehen.

Sonnenbeschienener Pfad, rechts davon eine Mauer, hinter der ein Fluss, links kahle Bäume

Blick auf sonnenbeschienenen FLuss hinter kahlen Bäumen, im Fluss viele Steine, auf dem gegenüberliegenden ein barocker Kirchturm

Kanal mit sonnenglitzerndem Wasser, rechts grasbewachsener Damm, links davon kahle Bäume und ein Kirchturm, darüber blauer Himmel und Sonne

Blick aus einer Unterführung mit Graffiti, in den sonnigen Ausgang joggt gerade ein Läufer

Unter der Max-Joseph-Brücke.

Beim Zurückradeln waren Rad- und Fußwege voll, die Ufer der Isar schwarz vor Menschen.

Daheim trank ich erstmal viel Wasser, so durstig war ich schon lang nicht mehr vom Laufen gekommen. Zum Frühstück um halb drei gab es einen großen Teller aufgewärmte Gemüsereste vom Vorabend mit Balkanbrot, außerdem Blutorangen.

Nachmittag mit offenen Fenstern und Balkontüren im sonnigen Wohnzimmer: Zeitunglesen, Bügeln.

Nach Sonnenuntergang mal wieder Yoga-Gymnastik: Die Einheit mit nur ruhigem Dehnen war genau richtig. Brotzeit- und Arbeitstagvorbereitungen.

Zum Nachtmahl Reste: Lammbraten und Gemüse, es blieb immer noch etwas übrig. Nachtisch Pekanuss-Karamell-Happen.

§

Wie Frauen ihre Wechseljahre erleben, ist so unterschiedlich wie Frauen – ÜBERRASCHUNG! – nunmal sind. Deshalb finde ich die individuellen Geschichten auch so interessant, weil sie meistens ganz anders sind als meine. Zum Beispiel die von Silke Burmester:
“Wechseljahre
Ich glaube, ich mag mich so sehr wie noch nie”.

Etwas ungehalten werde ich folglich bei Verallgemeinerungen – wie die im selben Artikel:

Die 40er bringen ein neues Selbstbewusstsein mit sich. Sie sind die Zeit der gekonnten Umsetzung. Wir realisieren und bringen zur Blüte, was wir seit Jahrzehnten vorbereitet haben: Karriere, Familie oder was wir uns sonst unter Glück vorstellen.

LOL HELL NO. Don’t you “wir” me!

§

Noch ein aktueller, persönlicher Text über das Erleben der Wechseljahr, dieser im Blog Mira Corvino:
“Der Wechsel”.

Noch dazu mit einem wundervollen Zitat der verehrten Ursula Le Guin am Ende.

In diesem Blog übrigens auch eine sehr interessante Besprechung von Mareike Fallwickl, Die Wut die bleibt.

Journal Freitag, 7. März 2025 – Vor allem Beifang aus dem Internetz

Samstag, 8. März 2025

Guter Schlaf bis 4:44 Uhr, dann steigender Angstpegel. Als mir die Angst bis unters Kinn stand (gestern inneres Bild von Stehen in einem Angstsee), verließ ich das Bett, war eh nur wenige Minuten vor Weckerklingeln. Die Vögeln sind definitiv schon im Frühling angekommen, allseitiges Rumbrüllen.

Die Freitagsaussgabe der Süddeutschen wog überraschend leicht: Warnstreik in der Redaktion. Diesmal hätte ich das auch als Digitalleserin gemerkt, Meldung rechts oben auf der Titelseite: “Zudem sind die Online-Berichterstattung, Newsletter und Podcasts der SZ betroffen.”
Hintergrund waren die Tarifverhandlungen mit dem Bundesverband Digitalpublisher und Zeitungsverleger (BDZV).

Marsch in die Arbeit wieder durch sichtbaren Morgenfrost – ich hoffe, das hält die Obstbäume trotz der milden Tagestemperaturen von vorzeitigem Blühen ab.

Hochfahren des Arbeitsrechners und Öffnen des Postfachs ohne Schrecken

Geordnetes Wegarbeiten in der erwarteten und sehr angenehmen freitäglichen Menschenarmut. Aber ich stolperte darüber, dass offensichtlich nicht selbstverständlich ist: Ich möchte, dass aus Software-Fehlermeldungen hervorgeht, ob ich etwas falsch gemacht habe oder die Technik gerade nicht funktioniert.

Schräges Sonnenlicht auf einen Stehtisch in einem Cafeteria-Raum, das lange Schatten verursacht, auf dem Tisch eine Tasse Cappuccino und eine kleine blaue Glasvase in Trockenzweigen, im Hintergrund eine Glasfront, die mit gelber Folie abgeklebt ist

Mittagscappuccino bei Nachbars. Aus Schnell-noch-Briefmarken-holen wurde ein längerer Weg, weil der angepeilte Laden keine DHL-Station mehr ist (ich trauere immer noch um die Post-Filiale in dem bemerkenswerten Gebäude in der Bergmannstraße).

Weiterarbeit, dann zu Mittag ein Apfel sowie (gute!) Mango mit Sojajoghurt.

Geordneter Nachmittag, freitäglich pünktlicher Feierabend. Meine Pläne orientierten sich in erster Linie daran, dass wir am Samstagabend Essensgäste haben würden. Herr Kaltmamsell hatte die Einkaufsliste weitgehend abgearbeitet, ich holte den Rest auf dem Heimweg beim Vollcorner.

Zu Hause legte ich sofort los mit der Dessertzubereitung (Einzelheiten berichte ich nach Servieren), brauchte die Küche dazu ein wenig länger als geplant, hielt also Herrn Kaltmamsell vom Backofen fern, den er fürs Nachtmahl benötigte. Zudem vermisste ich jede Art von Gelassenheit, ich fühlte mich gereizt und erwartete geradezu Katastrophen. Die bis auf ein bisschen Rumkleckern nicht eintraten, dabei hätte ich so schöne Flüche parat gehabt (die meisten von meiner Mutter gelernt, wenn sie an der Nähmaschine saß).

Große Freude über Alkohol: Ich machte gleich mal den Wein auf, einen spritzigen Pinot Grigio, den ich mir gut zum Mac’n Cheese mit Ernteanteil-Süßkartoffel vorstellte.

Gedeckter Holztisch mit grünen Platzsets, aus einer gläsernen Auflaufform servieren zwei Arme gerade mit einer Plastik-Schöpfkelle orangen Auflauf

Passte tatsächlich gut. Nachtisch Schokolade.

Oktoberfestflucht 2025 gebucht, es werden sieben Tage Wandern in Südengland, anschließend eine Woche Brighton. Die Zugfahrt hin und zurück buche ich erst nach finaler Buchungsbestätigung der Wanderagentur, auch diesmal wird klimafreundlicher Urlaub eine besonders teure Angelegenheit. Billiger wäre natürlich Wandern in Deutschland oder Österreich, aber ich gab meiner England-Sehnsucht nach. Die App fürs Visum hatte ich bereits runtergeladen, das man seit neuestem als Folge des Brexit braucht, da mögen sie das noch so lang “Electronic travel authorisation” nennen. Wie hatten wir vor Bexit noch gelacht, dass James Bond ja dann für jeden Grenzübertritt ein Visum brauchen würde.

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GUTE NACHRICHTEN!

Es liegt nahe, über die Trump-Regierung vor allem dann zu berichten, wenn ihre Anweisungen in atemberaubernder Weise gegen die US-Verfassung und demokratische Grundsätze verstoßen. Dass sie bislang fast nichts davon umsetzen konnte, ist nicht so viel Aufmerksamkeit wert – sollte es aber für den Seelenfrieden und den Glauben an die Beeinflussbarkeit der Zukunft sein.

Sechs Wochen nach Start dieser Regierung fasst Rachel Maddow auf MSNBC zusammen, wie Trump mit fast allen Maßnahmen bisher gescheitert ist und welche Mittel des Widerstands ergriffen werden. Sie gibt zumindest mir ein Minimum an Glauben zurück, dass selbst die schräge und über die vergangenen Jahrzehnte gezielt geschwächte US-amerikanische Demokratie robust genug ist.

Aktivieren Sie JavaScript um das Video zu sehen.
https://www.youtube.com/watch?v=Te62RQTevgo

via @DonnerBella

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Endlich Zeit und Muße, die Kleider der diesjährigen Oscarverleihung durchzuklicken.

Mein Favorit bleibt auch nach Gesamtbetrachtung das von Halle Berry.

Auf dem zweiten Platz ist für mich dieses (von den mehreren des Abends) an Cynthia Erivo – ich mag es, wenn ein Kleid an niemandem so gut aussehen könnte wie an Trägerin/Träger.

Sonderpreis für das Kleid von Whoopi Goldberg wegen seines Materials.

(Seit der Trend mit wirklich durchsichtigen Kleidern begann, warte ich voll Sehnsucht darauf, dass er endet. Doch er wird nur immer schlimmer. Dieses Jahr konnten die GoFugs eine ganze, lange Slide-Sow damit füllen, ein Beispiel schlimmer als das nächste – bis hin zur Erleichterung: “Puh, das ist nicht ganz entsetzlich.”)

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Seltene Filmaufnahmen der jährlichen Fahrradernte.

Journal Donnerstag, 6. März 2025 – Sonnenschein, Grabsteininspiration

Freitag, 7. März 2025

Eigentlich guter Schlaf, aber mit belastenden Träumen: Ich wachte traurig auf.

Wie angekündigt und für die ganze restliche Woche vorhergesagt schien die Sonne. Frostiger Weg in die Arbeit, auf Autoscheiben und dem Gras der Theresienwiese glitzerte Raureif.

Im Büro fiel mir die Arbeit schwer: Stubenfliegenhirn, das sekundenweise zu dieser, dann zu jener Aufgabe oder Information sprang. Außerdem war ich sehr, sehr müde.

Bei Laune hielt mich die Aussicht auf einen Mittagscappuccino im Westend.

Cafétischchen, darauf ein Cappuccino, dahinter unscharf Café-Gäste vor großen Fenstern, durch die man Sonnenschein sieht

Rückweg mit offenem Mantel.

Jetzt konnte ich mit hoher Konzentration bis zum Mittagessen arbeiten, das bestand aus Apfel, Quark mit Joghurt.

Umtriebiger Nachmittag mit viel Besprechung aber auch vielen gelaufenen Schritten. (Der Besinnungsaufsatz über eine Taxifahrt in einer Reiseabrechnung platzte: Es fiel die Entscheidung, die Angelegenheit durch Selberzahlen abzukürzen.) Ich fühlte mich so überdreht wie nach drei Tassen Espresso. Draußen war es mild genug, dass ich immer wieder das Fenster meines Büros gekippt lassen konnte.

Endlich Feierabend, ich hatte Pläne. Nämlich brauchte ich neue Trinkflaschen: Das Wasser aus den beiden Fitnessstudio-Plastikflaschen, die ich seit mindestens 15 Jahren verwendete, schmeckte seit einiger Zeit nach Plastik – sehr wahrscheinlich löste sich da was vom Material. Ich spazierte also in herrlicher Luft (nur mild, nicht gruslig warm, ich brauchte durchaus mein Halstuch) und Abendlicht zum Sport Schuster. Wo ich Ersatz bekam, der meine Anforderung erfüllte: durchsichtig (eine Sport-Wasserflasche, in die ich nicht reinschauen kann, füht sich komisch an), einhändig bedienbar (also kein abnehmbarer Schraubverschluss).

Dann noch Supermarkteinkäufe.

Zwei leicht durchsichtige Plastikflaschen mit einem Logo und Schriftzug "Body up Diva" daneben zwei schwarze Decken

Bye bye, vielen Dank für unzählige Sportstunden, Wanderungen und Reisen.

Wieder servierte Herr Kaltmamsell das Nachtmahl: Aus eben geholtem Ernteanteil-Lauch wurde mit Zwiebel, grüner Paprika und schwarzen Bohnen Chinesisches mit Reis. Sehr gut. Nachtisch Kauf-Desserts, weil ich die Glasschüsselchen für Samstag brauchte: Dessert für eine Einladung.

Früh ins Bett zum Lesen, neue Lektüre das aktuelle Granta 170, Winners. Laut Einleitung eine Ausgabe mit Sportliteratur (die ja eine lange Tradition hat, siehe Friedrich Torberg und Die Mannschaft, dennoch hmm, hmm).

Arbeitstage geben nichts recht her, ich krame nochmal was von der Dienstagswanderung hervor – Friedhöfe geben immer etwas her.

Alter Grabstein auf sonnigem Dorfriedhof, auf der schwarzglänzenden Steinplatte die Inschrift unten

Links direkt neben diesem Grabstein in Unterweilbach steht dieser Grabstein mit der Aufschrift:
“Hier ruhet die tugendsame Jungfrau
Theresia Bichler
Böglbauerstochter v. hier;
gest. 22. Oktb. 1898.
im 18. Lebensjahre.
Ihr folgte seine Erziehungs-
mutter. Frau.
Rosina Schmid.
gest. 19. Juli 1906 i. 91. Lebensjh.
Josef Bichler
geb. 13.8.1877 gest. 22.2.1959.”

Als erstes stolperte ich über “seine” – wessen? Die von Theresa, also ein bayerisches “ihr seine”?
“Erziehungsmutter” war mir fremd, ich finde keine Spur.

§

“Betrugszentren”, “Scam-Fabriken”, WhatsApp-Sklaven – einem Drehbuch hätte ich das mal wieder kaum abgenommen, doch es geht um echte Menschen.
“Befreit aus den Scam-Fabriken Myanmars”.

In Myanmar sind in den vergangenen Wochen Tausende Menschen aus Zentren für Online-Betrug befreit worden. Doch dazu war brachialer Druck der Nachbarstaaten erforderlich. Und Hunderttausende werden weiter wie Sklaven gehalten.

Journal Faschingsdienstag, 4. März 2025 – Freier Tag mit neuen Geräuschen und Wandern um Röhrmoos

Mittwoch, 5. März 2025

Herrlich und lang geschlafen, zu hellem Himmel aufgestanden. Für gestern hatte ich mit Herrn Kaltmamsell die erste Wanderung des Jahres geplant, zumal schon lang schönes und sogar mildes Wetter vorhergesagt wurde.

Auf der Suche nach einer Route hatte ich in dem Büchlein geblättert, das uns seinerzeit zum Wandern gebracht hatte: Wandern mit dem MVV von 1995, deutlich umfangreicher als die späteren Bände (wir besitzen auch die Ausgabe von 2015). Mir war durchaus bewusst, dass es veraltet ist und es nach 30 Jahren einige Wege nicht mehr geben mag, doch heutzutage findet man ja über GPS leicht Umgehungen und Alternativen. Ich präsentierte Herrn Kaltmamsell eine Auswahl, er entschied sich für einen Rundweg Röhrmoos-Schönbrunn.

Davor Fertigbloggen und Internetlesen an Milchkaffee, Wasser, Schwarztee mit Milch. Herr Kaltmamsell hatte am Wochenende endlich den höhenverstellbaren Schreibtisch bestellt, zu dem ich ihm seit Jahren rate und an dem er auch stehend arbeiten kann (seit auch er über Kreuzschmerzen klagt: viele Jahre gehörte er zu der Minderheit ohne jegliche Rückenschmerz-Erfahrungen), und zwar bei IKEA. Der war am Montag geliefert worden, und zu meiner großen Bewunderung hatte Herr Kaltmamsell ihn noch am selben Tag in aller Ruhe, ohne Fluchen und zu 95 Prozent erfolgreich aufgebaut (irgendwas ist ja immer). Nur bei drei Handgriffen hatte er um meine Unterstützung gebeten, und dann nur für das Wenden/Transportieren großer Teile. Eine Nebenwirkung des neuen Möbels: Es gibt ein neues Geräusch in der Wohnung, nämlich wenn Herr Kaltmamsell die Tischplatte hoch- oder runterfährt. Noch brauche ich ein paar Sekundenbruchteile zur Einordnung.

Was mich hierzu bringt: Im Film Conclave fiel mir zum ersten Mal auf, wie viel Informationen Geräusche transportieren können. Ich fand ohnehin die Erzähl-Ökonomie des Drehbuchs hervorragend, dazu nutzte es auch Töne. Zum Beispiel erfuhr ich nur durch das charakteristische Piepsen, dass die Zimmer der Unterkunft der Kardinäle, wohl im Vatikan, durch Zahlencode geöffnet wurden – es gab keinerlei Bild dazu.

Blick durch einen 50er-Türrahmen in ein Schlafzimmer, das von Sonnenlicht durchflutet wird, gegenüber durchs Fenster ein Park mit kahlen Bäumen

Sonne macht schön.

Aufbruch zur Wanderung nach kurzen Lebensmitteleinkäufen. Dieses Jahr war ich schlau genug, mir nicht bei der ersten Wanderung des Jahres auch gleich den ersten Sonnenbrand zu holen: Ich cremte mich gründlich ein.

Die S-Bahn-Fahrt nach Röhrmoos nutzte ich für Zeitungslektüre. Von Röhrmoos aus wanderten wir über einige Straßen, aber auch Feldwege, vor allem über freie Landschaft, mit manchen Ausblicken nach München, die Bewegung tat sehr gut. Zur GPS-Unterstützung mussten wir schon bald greifen: Die Bahngleise, die wir queren mussten, lagen inzwischen auf der anderen Seite des angegeben Orts und verliefen auf einer hohen Trasse auf Pfeilern. Und nach zwei Dritteln kamen wir an einer völlig anderen Stelle aus dem Wald als angekündigt: Die letzte Stunde improvisierten wir eine Schleife über Schönbrunn.

Blauer Himmel mit Kondensstreifen, darunter kahle Bäume, davor ein leeres Feld mit heller Erde

Blauer Himmel mit Kondensstreifen, darunter kahle Bäume, davor Feld mit breitem Feldweg, im Vordergrund gehrt gerade ein Mensch mit Hosen, blauer Wanderjacke und roter Kappe

Spätwinterlandschaft, auf vielen Feldern ein erster Hauch von Grün.

Vor blauem Himmel mit Kondensstreifen ein riesiger kahler Baum, darunter ein Wegmarterl mit Bank

In Unterweilbach fiel uns ein stattliches Gut auf, das Herrenhaus offensichtlich erst kürzlich saniert, die restliche Anlage vor nicht allzu langer Zeit. Um herauszufinden, wem das Gut gehört oder die längste Zeit gehört hat, kann man natürlich googlen. Oder man schaut im Friedhof der benachbarten Kirche vorbei.

Vor blauem Himmel rechts eine kleine Barockkirche mit Zwiebelturm, links davon eine Straße, davon lings angeschnitten Wirtschaftsgebäude eines alten Guts

An der Kirchenwand eine Tafel mit den Lebensdaten vieler Familienmitglieder von Spreti in alter Schrift

Die von Spretis also. Hier mehr historischer Hintergrund.

Die Grabsteine auf diesem Friedhof waren ohnehin besonders interessant:

Alter Grabstein mit einer glänzenden schwarzen Platte, darauf viele Mitglieder der Familie Pabst

Wir rätselten lang und ergebnislos über diese verwandtschaftlichen Verbindungen.

Auf einer Wiese vor blauem Himmel und bei einem Haufen Reisig in einem Gehege einige Hirsche

Hirsche am Purtlhof. Zudem bekamen wir zahlreiche Greivögel am Himmel geboten, am Boden auch einen mächtigen Feldhasen.

Erhöhter Blick auf landwirtschaftliche Landschaft, am Horizont die dunstige Silhouette einer Großstadt

Nach gut zwei Stunden Wandern setzten wir uns auf eine Bank für Brotzeit mit Blick auf das diesige München, ich aß Äpfel und Hüttenkäse. Hier wie auf der ganzen Wanderung war der Sound geprägt von den Passagierflugzeugen, die eher niedrig über uns flogen – nicht störend laut, aber ungewöhnlich geballt.

Sonniger Waldbiergarten, im Hintergrund eine alte Kapelle, links vorne ein Wanderer in blauer Jacke und roter Kappe

Mariabrunn ohne Biergartenbetrieb.

Sonnige Lichtung mit Bach in einem Wald

Auch in Röhrmoos kreuzten wir einen Friedhof. Ein Grabstein ließ mich verdutzt anhalten:

An einer Friedhofsmauer ein Grabmal mit rechts einem grauen Stein, darauf Sterbedaten eines Manns, links eine etwas unterlebensgroße Frauenfigur aus rosa Stein in Abendkleid mit hochgesteckten Haaren. Im Hintergrund sonnige Landschaft

Eine ausgesprochen weltliche Frauenfigur – da hängt doch eine Geschichte dran.

Es hat natürlich gute Gründe, dass das Büchlein Wandern mit dem MVV im Lauf der Jahrzehnte immer dünner wurde: Feldwege waren jetzt Straßen, Landstraßen mit wenig Motorverkehr, die man Wander*innen ruhigen Gewissens entlang schicken konnte, waren jetzt für Fußgänger*innen lebensgefährlich. Die Entwicklung konnten wir gestern sehr gut nachvollziehen.

Nach viereinhalb Stunden Wandern mit einer Pause waren wir beide so gut durchgesportelt, dass ich die Yoga-Einheit des Tages verschob.

Nach ereignisloser S-Bahn-Rückfahrt: Daheim Vorbereitungen des ersten Arbeitstags nach Faschingsferien, Brotzeitvorbereitung, Lesen mit einer großen Tasse Tee – und alles mit dem wohligen Glühen im Gesicht, das viele Stunden Bewegung in kühler Draußenluft hinterlassen.

Als Nachtmahl servierte Herr Kaltmamsell die Gelben Bete aus Ernteanteil als Pasta-Gericht mit Feta, ich hatte Endiviensalat mit Tahini-Dressing vorbereitet.

Aufsicht auf einen gedeckten Tisch, darauf ein weißer tiefer Teller mit Spaghetti in weißer Sauce mit Stücken gelben Bete, dahinter ein Topf, rechts eine Glasschüssel mit Salat

Die Pasta schmeckte gut, aber wenig nach Bete. Nachtisch Schokolade – nicht viel, die Süßigkeitenkiste ist bedrohlich leicht geworden.