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Journal Sonntag, 2. März 2025 – Kochen, Laufen, Conclave im Kino

Sonntag, 2. März 2025

Ausnahmsweise Abendposting – zur Abgrenzung zum Oscar-Bloggen.

Gut und ausgeschlafen, zu erstem Morgenblau am Himmel aufgewacht, zu einem sonnigen Tag.

Ich hatte auch für diesen Tag Pläne – und freute mich abends darüber, dass ich nicht nur Ideen habe (siehe Hummeln im Hirn), sondern auch die Energie und die Stimmung, sie umzusetzen und zu genießen. Also auch gestern ein Zeitplan. Zu dem gehörte, dass ich morgens die Hühnerbrühe für abends aufsetzte, mit echtem Suppenhuhn, dem man seine Karriere als Bioeierlegerin durchaus ansah.

Als ich mich nach Bloggen und Internetlesen, also nach Milchkaffee, Wasser, Kurkuma-Ingwer-Tee, für meine Isarlauf fertigmachte, war der letzte Handgriff vor Verlassen der Wohnung das Abstellen der Hitze unterm Suppentopf.

Ich lief ab Haustür los, war noch nicht sicher, ob ich eine Runde laufen würde oder bis hoch nach Pullach zum dortigen S-Bahnhof. Unterwegs in Sonnenschein unter Schleierwolken und für den frühen Vormittag erstaunlich viel Volk war mir immer mehr nach einer Runde: Die S-Bahn fuhr nur (jaja, ich weiß) alle 20 Minuten, ich hatte keine Lust auf Warten mit möglichem Frieren.

Die Aussichten unterwegs waren so schön, wie es im Spätwinter möglich ist, ich bekam durchaus Frühlingsblümchen zu sehen. Doch das Laufen strengte an, ungewohnterweise auch immer mehr, es zog und ziepte über der Hüfte und in den hinteren Oberschenkeln.

Flusslandschaft mit kahlen Bäumen unter blauem Himmel

An einem Hang mit kahlen Bäumen eine geschwungene Treppe aus Erdstufen

Wiese voller lila Krokus in einem sonnigen alten Friedhof

Zum Abschluss bekam ich auf dem Alten Südfriedhof eine große Krokantenparty.

Ich war so früh zurück, dass ich nach dem Duschen noch keinen Frühstückshunger aufbrachte und erst noch eine Tasse Kaffee trank, Zeitung las. Um halb zwei gab es dann selbstgebackenes Brot (ich wurde daran erinnert, dass ich dieses besonders gern mochte), eine Grapefruit.

Für eine Nachmittagsvorstellung von Conclave in den Museum Lichtspielen hatte ich morgens eine Karte gesichert, bis dahin machte ich aus dem gekochten Fleisch des Suppenhuhns altmodischen Geflügelsalat (Dosenchampignons, Dosenananas, vorhandene Haselnüsse statt Walnüsse, Majo, Currypulver) – im Grunde tatsächlich mal “wie bei Oma”, halt nicht meiner, sonder wie bei meiner Mutter, die seit gut zwei Jahrzehnten auch Oma ist.
Ein gutes Gefühl, von diesem Tier so wenig wie möglich vergeudet zu haben (danke, Huhn!).

Ins Kino ging ich wieder eine halbe Stunde zu Fuß: Das Wetter war gar zu herrlich, die Isarufer wuselten von Menschen – obwohl es bei aller Sonne zapfig kalt war.

Dann also Conclave. Ich bin schon in einen Film gegangen nur wegen der Musik (Joker, Hildur Guðnadóttir), diesmal wegen der Kostüme (Lisy Christl). Denn als ich seinerzeit von Conclave hörte, war meine Reaktion: Wie will man bitte aus einer Papstwahl einen fesselnden Film machen, ohne zu Dan-Brown-Spektakel zu greifen? Dabei basiert er doch auf einem Roman von Robert Harris, und Robert Harris kann das wirklich.

Es wurde durchaus ein konventioneller Film, aber im guten Sinn traditioneller Erzähltechiken – wie es halt auch Robert Harris gut macht. Ein paar Mal griff das Drehbuch zu leicht unrealistischem Erzählen, aber auch das war sanft eingesetzt. Ja: Man kann mit hervorragenden Schauspielern, superschönen und im Detail überraschend Bildern sowie sauberem Drehbuch einen spannenden Film aus einer Papstwahl machen.

Und ab zwei Dritteln fand ich es supercool, dass ich alle Sprachen im Film (Englisch, Italienisch, Latein, Spanisch) im Original verstand und nicht auf die Untertitel angewiesen war. Wenn ich schon sonst bildungsmäßig uNTeR MEinEm pOTenZiAL geblieben bin.

Rückweg durch München unter Abendhimmel – einfach scheiße schön.

Fluss im Abendlicht, ins Bild ragen kahle Äste, im Hintergrund die Silhouette einer Kirche

Daheim war noch Zeit für Yoga-Gymnastik, bevor ich der Hühnerbrühe den größten Gefallen tat, den man ihr tun kann: Ich servierte sie als Tortellini (gekauft, Käse-gefüllt) in Brodo. Nachtisch Käsekuchen – und ein wenig Schokolade.

Früh ins Bett mit Wecker auf 0:45 Uhr – endlich mal wieder Oscar-Verleihung gucken.

§

Auch in ihrem aktuellen Blogpost/Newsletter schreibt Andrea Diener Bedenkenswertes:
“Ein Shoutout an die Blümchenknipser (und eine Frage)”.

Journal Samstag, 1. März 2025 – Programmreicher Faschingssamstag

Sonntag, 2. März 2025

Sehr gut geschlafen, als ich die Augen aufschlug, wurde der Himmel bereits hell – endlich spürbar längere Tage.

Ein straffer Morgen, denn ich hatte frühe Pläne. Das Draußen überraschte mit eisigem Nebel.

Moderner Kirchturm in fahlem Nebel, davor kahle Bäume

Schon um zehn traf ich mich am frisch renovierten Alpinen Museum auf der Praterinsel. Ich ging zu Fuß dorthin, im weiterhin eisigen Nebel ein begrenztes Vergnügen. Aber ich bekam, nur wenige Meter von meinen vertrauten Wegen entfernt, neue Anblicke.

In trübem Winterlicht ein Kanal, darüber eine niedrige Brücke, links eine große, kahle Weide, die sich im Wasser spiegelt, darunter von hinten ein Mensch mit Kind auf den Schultern

Trübes Winterlicht, im Vordergrund eine Wassserfläche, hinter einer niedrigen Brücke im Nebel kahle Bäume und ein helles Jugendstilgebäude mit Turm

Müller’sches Volksbad

Kanal im Vordergrund, am anderen Ufer ein helles, klassizistisches Gebäude, über dessen Eingan "Alpines Museum" steht

Das Alpine Museum ist sehr schön renoviert, der Eingangsbereich roch herrlich nach Holz. Erstmal führte es mich allerdings aufs Männerklo.

Aus Messing auf Weiß zwei Klof iguren: Links mit einem Kleid mit runden Schultern, rechts mit einem Dreiecks-Kleid

Ich hatte zunächst nur die Tür mit dem linken Symbol gesehen und es als Kleid gedeutet. Egal, auf vielen Ebenen, unter anderem fand ich die Türklinken an beiden Türen ganz besonders schön.

Schlichte Türklinke mit Blatt aus Messing auf weißer Fläche

Wir gingen durch die übersichtliche Dauerausstellung, die verschiedene Seiten des Bergwanderns aus historischer Perspektive und des Deutschen Alpenvereins DAV beleuchtet, mit Exponaten von Mitgliedern, alten Fotos, Tondokumenten. In einem eigenen Bereich wurde die schlimme Rolle des Antisemitismus im DAV in den 1930ern und 40ern, gegenübergestellt der heutigen Aufmerksamkeit für Diversität.

Ausstellung mit grauen Trennflächen in Zacken, in der rechten Wand eingelassen in Vitrinen Exponate, von hinten eine Ausstellungsbesucherin, links sieht man große Fenster mit weißen Holzsprossen

Originalausstattung namhafter Bergmenschen.

Im 2. Stock eine Sonderausstellung zu Klimawandel und Alpen, weitläufig und die schönen und sorgsam renovierten Räume des Gebäudes nutzend. Ein Blick aus dem Fenster fiel auf den Außenbereich des Museum-Cafés mit Isar-Aussicht: Das müsste im Sommer genau die Isargastrononomie sein, die mir fehlt, nämlich direkt an der Isar. Wenn halt auch nur zu Museumsöffnungszeiten. Eingemerkt für einen Test.

Wir setzten unsere Verabredung mit einem Spaziergang im unverändert kaltem Nebel fort: Mir war die Route am Auer Mühlbach entlang eingefallen, diesmal allerdings nach Süden. Das war selbst in weiterhin fahlem Licht und kahler Natur schön. Wir sahen Eichkatzerln, samstägliches Straßenleben, in einem Vorgarten zusammen präsentiert Schneeglöckchen, Krokus, Winterlinge, Märzenbecher. Auf einem Hang bereits die ersten Bärlauchblätter.

Außenmauer mit viel bunter Streetart, rechts ein Durchgang und ein Baumstamm

Am Müller’schen Volksbad.

Blick steil nach oben: Vor grauem Himmel in trübem Licht der Turm einer neogotischen Backsteinkirche

Giesinger Berg von unten.

In der Krämer’schen Kunstmühle kehrten wir im Café Fausto ein, tranken Mittagscappuccino, füllten beide unsere Vorräte an Espressobohnen auf.

Aufsicht auf zwei Tassen mit Cappuccino mit unterschiedlicher Milchschaumkunst

Es war sehr voll, ein wenig überraschender Gegensatz zu meinem letzten Besuch an Heilig Abend.

In den Gesprächen erfuhr ich unter anderem Auswirkungen der internationalen und bundesweiten politischen Lage auf den wissenschaftlichen Betrieb, Einblicke in die Lage der Geisteswissenschaften in den USA. Austausch verschiedener Aspekte von Ratlosigkeit und Pessimismus. Gleichzeitig: Hilft ja nix.

Zurück in die Innenstadt nahmen wir die Tierpark-Buslinie 52, Abschied von der Freundin am Sendlinger Tor.

Ich ging weiter zu Lebensmitteleinkäufen im Alnatura, holte mir an der Bäckertheke dort Frühstückssemmeln. Die gab es gegen zwei mit Butter und Marmelade, dazu etwas Joghurt.

Back-Nachmittag: Ineinander verschränkt produzierte ich Käsekuchen Buddenbohm und ein Bauernbrot.

Blick in einen Backofen, darin eine Springform mit ungebackenem Käsekuchen, oben dunkle Sauerkirschen

Man erkennt‘s nicht auf den ersten Blick, aber das da oben sind Mandarinen (gab keine konservierten im Alnatura und ich hatte keine Lust, in einen weiteren Laden zu gehen). Mittlerweile hatten sich draußen Wolken und Nebel gelichtet, endlich schien die fürs Wochenende angekündigte Sonne.

Nachdem ich den Kuchen aus dem Ofen geholt hatte und in einer Gar-Phase des Brot-Teiglings ging ich mit Herrn Kaltmamsell nochmal aus dem Haus: Unser SoLawi-Olivenöl von Platanenblatt aus Lesbos war eingetroffen, an einer Verteilerstelle (Wohnung eines Kartoffelkombinatlers) nahmen wir unsere drei Kanister mit.

Ebenfalls mit den Brotback-Schritten verzahnt: Eine Einheit Yoga-Gymnastik, die gut tat. Und während der ich in der letzten Phase des wolkenlosen Sonnenuntergangs am Himmel eine wunderschöne hauchfeine Mondsichel sah.

Als Nachtmahl servierte Herr Kaltmamsell die Ringelbete aus Ernteanteil mit einer Erdnusssauce, den Kohlrabi tonnato, also mit Thunfisch-Püree, außerdem Käse.

Aufsicht auf gedeckten Tisch mit zwei grünen Platzsets, darauf große Glasteller, daziwschen eine Schüssel mit orangen Bete-Vierteln, eine mit Kohlrabiwürfeln in heller Sauce, ein Teller mit Käsestücken und Tomaten, gefüllte Sektgläser

Dazu öffnete ich eine Flasche Riesling-Sekt von Buhl. Nachtisch Käsekuchen (Mandarinen passen besser).

Runder Brotlaib mit dunkler, glatter, glänzender Oberfläche

Das Brot sah ok aus, Anschnitt am nächsten Tag:

Schnittflächen des halbierten Brotlaibs, feine Porung

§

In der Freitags-Süddeutschen ein Portrait von / Interview mit Lisy Christl, Kostümbildnerin aus München-Forstenried, die für ihre Arbeit in Konklave zum dritten Mal für einen Oscar nominiert ist. Wie bei allen Hintergrund-Techniken der Filmkunst stecken hier die eigentlich interessanten Überraschungen. (€)
“Sie hat den Vatikan neu eingekleidet”.

Für „Konklave“ hat sie sich an eine Herausforderung gewagt, bei der einem schwindlig wird, wenn man auch nur darüber nachdenkt. Lisy Christl musste den Vatikan neu einkleiden. Damit die liturgischen Gewänder der Kardinäle, des Papstes und der Nonnen in einem Film glaubhaft aussehen, reichte es nicht, einfach die realen Roben möglichst getreu nachschneidern zu lassen.

Dafür sind die Originale nicht schön genug, sie hätten die falsche Geschichte erzählt, sie hätten profan ausgesehen, nach Kostümen, so paradox das zunächst klingen mag. Es galt, wenn man so will, alles Störende und Falsche von den Entwürfen abzustreifen, so jedenfalls sehen die Skizzen mit den verschwimmenden Gesichtern auf der Pinnwand aus: wie von der Wirklichkeit gereinigt.

(…)

Die Kardinäle reisen im Film in ihren gewöhnlichen Alltagsmänteln an, von da an tragen sie fast identische Chorgewänder. Sie unterscheiden sich dann nur noch über ihre Brillen und Kruzifixe. „Bei einem Film mit sehr vielen Kostümen, wenn eins nicht perfekt ist, verspielt sich das, hier nicht“, sagt Christl. „Du hast einen Wurf und keine zwei.“

(…)

Als Christl 1992, nach der Meisterschule für Mode, von den Münchner Kammerspielen zu ihren ersten Filmproduktionen kam, sei an den Sets noch spöttisch vom „Rupf-und Zupf-Gewerbe“ gesprochen worden. „Da habe ich gesagt, Entschuldigung, so redet bitte keiner mit uns. Ich sage ja auch nicht zum Kameramann: Schmeiß mal die Knipse an!“

(Und dann diese wunderschöne Frau! Ich lass mir von keinem Schönheitsideal einreden, dass sie mit weniger Falten schöner wäre.)
(Apropos schöne faltige Frauen: Hier mal wieder Jamie Lee Curtis.)

Journal Freitag, 28. Februar 2025 – Absprung in die Faschingstage, Befindlichkeiten

Samstag, 1. März 2025

Aufgewacht mit ungewöhnlich schlechter Laune und Ungehaltenheit. Kenne ich ja, ist irgendwas mit Stoffwechsel und Sich-Anstellen, geht auch wieder vorbei – doch diesmal war eine Note Gereiztheit dabei, die mich zu Selbsterforschung brachte: Gab es vielleicht diesmal einen echten Anlass, so subjektiv er auch sein mochte? Und so kam ich drauf, dass mich einige (nicht besonders relevante) Arbeitsaufgaben belasteten, die schlecht liefen, auf die ich aber praktisch keinen Einfluss hatte. Nach dem Marsch in die Arbeit unter düsterem Himmel und in kalter Luft machte ich mich also an meinem Schreibtisch daran, an allem und jeder, die mir einfielen, zu zupfen und nachzuhaken, um das zu ändern.

Es dauerte aber bis nach meinem Mittagscappuccino (nur einmal quer unterm Heimeranplatz durch), bis es erlösend weiterging, erst von der einen Seite (mit Entschuldigungen wegen Überlastung), dann durch ein informatives Gespräch von der anderen. Meine Stimmung besserte sich dadurch so massiv (jetzt freute ich mich endlich auf die vier freien Faschingstage!), dass ich zugeben musste: Ja, auch banale Arbeitsdinge können mir alles versauen.

Jetzt nahezu ungehindert rödelte ich also los und tat viele Sekretärinnendinge.

Danach gab es zu Mittag Äpfel und Hüttenkäse, anschließendes Weiterrödeln. Vergangene Woche war ohnehin von binge working geprägt: Wegarbeiten mit hohem Druck, dazwischen immer wieder Phasen von Zeittotschlagen, weil nichts vorwärts ging.

Stark erhöhter Blick über eine Großstadt, im Vordergrund links ein angeschnittenes Hochhaus, über der Stadt wolkiger Himmel mit leuchtend blauen Löchern

Zweites Hochhaussteigen, als Vorarbeit für vier Tage ohne.

Nach Feierabend hatte ich einen Termin bei meiner geschätzten Kosmetikerin: Füße schön machen, Gesichtsbehandlung. Erst im Gespräch mit der Fachfrau und beim Austausch von Urlaubsgeschichten stellte ich fest, dass ich seit September 2024 nicht mehr bei ihr gewesen war – irgendwie hatte es immer einen Grund zur Verschiebung gegeben. Kein Wunder, dass ich mich beim Anblick meiner Füße sehr, sehr nach professioneller Fußbehandlung gesehnt hatte. Ich verließ das Kosmetikstudio mit wohligem Gefühl und einer Nagellackfarbenentdeckung.

Heimkehr wenig vor der Tagesschau in eine leere Wohnung: Herr Kaltmamsell traf sich aushäusig mit schwierig zu erwischenden Freunden. Ich machte mir nach Blumengießen und weiteren Handgriffen fürs wochenendliche Brotbacken einen lauwarmen Nicht-Nudelsalat mit roter Paprika, Gurke, Tomate, mit den Nudeln kochte ich ein paar Ernteanteil-Karotten (roh bereiten sie mir seit einigen Jahren leider Bauchschmerzen), in reichlich Joghurtsauce – und genoss ihn sehr. Dann noch mehr Schokolade geschafft, als ich gedacht hätte.

Die Tagesschau holte ich nach, die Weltordnung-erschütternde Attacke Donald Trumps auf den ukrainischen Regierungschef Selenski bei dessen Besuch im Weißen Haus hatte ich bereits im Internet mitbekommen.

§

Prof. Dr. Sophie Schönberger ist Professorin für Öffentliches Recht an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf und Direktoriumsmitglied des Instituts für Deutsches und Internationales Parteienrecht und Parteienforschung,1 und sie schaut sich im Verfassungsblog zu der Wellen schlagenden kleinen Anfrage der CDU/CSU an:
“Man wird ja wohl mal fragen dürfen?
Zu den verfassungsrechtlichen Anforderungen an die Kommunikation aus dem Parlament”.

Das Fragerecht der Fraktionen, das aus Art. 38 Abs. 1 S. 2 GG folgt, ist ein parlamentarisches Recht zur Kontrolle der Regierung. Einige Fragen in der kleinen Anfrage beziehen sich auf die Arbeit der Regierung und sind daher auch vom Fragerecht umfasst. Ein Großteil der Punkte weist diesen Bezug zur Regierungsarbeit aber gerade nicht auf, sondern richtet sich der Sache nach ausschließlich gegen bestimmte NGOs. Manchmal wird dies mit einem mehr als oberflächlichen Regierungsbezug zu bemänteln versucht, oft auch nicht. Die Prüfung, ob einzelne Bürgerinnen und Bürger sich steuerlich rechtmäßig verhalten, ist hingegen gerade keine Aufgabe des Parlaments, sondern der Finanzbehörden, die dann in gewissem Maße ihrerseits von der Regierung kontrolliert werden, und ggf. der Gerichte. Diese Kontrolle erfolgt dann in entsprechenden Verwaltungsverfahren, die nicht öffentlich sind. Das dient nicht zuletzt auch der Wahrung der Grundrechte der Betroffenen, die auf diese Weise davor geschützt werden, an den Pranger gestellt zu werden.

(…)

Schon die Fragen als solche [stellt] bestimmte NGOs an den Pranger (…) und [schürt] gezielt Verdachtsmomente (…). Aus der verschwörungsideologischen Szene, zu der das Geraune von den „Schattenstrukturen“ in der Einleitung ja durchaus gewisse Bezüge herstellt, ist der Mechanismus gut bekannt, dass weniger gezielte Falschaussagen getroffen werden, als einfach nur konsequent Fragen gestellt werden, die die verschwörungsideologischen Falschbehauptungen nicht als Tatsachen aufstellen, aber über die Frageform doch sehr hartnäckig insinuieren. Man stelle sich einmal vor, eine Bundestagsfraktion würde im Rahmen ihrer politischen Agenda gegen häusliche Gewalt die Frage an die Bundesregierung stellen: „Schlägt Ulf Poschardt seine Frau?“ Auf diese Weise wolle man kontrollieren, ob die Strafverfolgungsbehörden auch ihre Arbeit erledigten und genug gegen häusliche Gewalt getan wäre. Es liegt völlig auf der Hand, dass allein schon die mit der Fragestellung verbundene Unterstellung die Grundrechte von Ulf Poschardt verletzte, selbst wenn die Bundesregierung später antworten würde, dass ihr dazu keine Erkenntnisse vorlägen.

§

Einerseits tut mir schon beim Lesen das Herz weh, andererseit ist der Umgang von Mek wohl der beste mit einer Mutter auf dem Weg in die Demenz.
“In der Gegenwart sitzen.”

Wir können es nicht mehr ändern. Ich kann ihr nur eine schöne Gegenwart geben.

  1. Haha, da hab ich’s mit “Sekretärin” echt einfach. []

Journal Mittwoch, 26. Februar 2025 – Zsuzsa Bánk, Der Schwimmer

Donnerstag, 27. Februar 2025

Zsuzsa Bánk, Der Schwimmer ist ein seltsames Buch (ich konnte mich nicht mehr erinnern, wie ich draufgekommen war). Eine Mutter geht weg von ihre Familie mit zwei Kindern auf dem Dorf, beide noch recht klein. Die Geschichte wird aus der Perspektive des älteren Kinds erzählt, fast ohne Filter der späteren Erwachsenenperspektive, lediglich mit erwachsener Sprache. Sie hat einen kleinen Bruder, Isti. Schnell ist klar, dass wir uns in Ungarn befinden, doch ich brauchte eine ganze Weile, bis ich die Geschichte zeitlich einordnen konnte (mag an meinem mangelnden Wissen über Ungarn und seine Nachkriegsgeschichte liegen – oder daran, dass ich keine Klappentexte von Büchern lese). Die Mutter ist wohl nach der Niederschlagung des ungarischen Volksaufstands 1956 in den Westen geflohen, mit nichts als was sie am Leib trug.

Die Erzählstimme bleibt ganz nah an der Erzählgegenwart, in der der Vater der beiden mit seinen Kindern das Dorf verlässt, erst zu Verwandten nach Budapest geht, dann zur Großmutter der Kinder in einem anderen Dorf, dann wieder zu entfernteren Verwandten an einem sehr großen unbenannten See. Er kümmert sich kaum um die beiden. Der kleine Isti lernt im See schwimmen, ist begeistert davon, wird zum Schwimmer des Romantitels. Einmal kommt die Großmutter zu Besuch, sie erzählt anhand von Briefen der Mutter aus dem Westen, wie sie mit einer Freundin fortgegangen ist, was sie erlebt hat, wo sie arbeitet.

Die Perspektive des Kindes bedeutet auch, dass nichts erklärt wird, keine Zusammenhänge, ob historisch, technisch, geografisch oder gesellschaftlich – außer eine der Figuren sagt sie explizit, doch diesen Kindern wird fast nie etwas erklärt. Das ist erzähltechnisch konsequent, macht die Atmosphäre fast märchenhaft, löste aber bei mir den Wunsch nach einem Begleitheft mit weiterführenden Informationen aus – und sei es über den Weinanbau am Balaton. Es gibt keinen Spannungsbogen, nur eine Aneinanderreihung von Erlebnissen, aus denen das Leben der Erzählerin besteht; die Kapitel sind mit Namen der Personen überschrieben, die darin im Mittelpunkt stehen. Wir erfahren viel darüber, wie der kleine Isti all das verarbeitet, aber kaum etwas über die Gefühle seiner großen Schwester Kata. Von Schulbesuchen ist nie die Rede. Der Roman hinterlässt mich recht ratlos.

Kleine orthografische Eigentümlichkeit: Es wird immer kk statt ck geschrieben.

§

Eigentlich eine gute Nacht, doch nach dem Klogang um fünf schlief ich nicht mehr ein, obwohl noch sehr müde.

Beim Marsch in die Arbeit unter gemischtem Himmel merkte ich erst an der zweiten Ampel, dass es recht frisch geworden war und setze mein Stirnband auf.

Am Schreibtisch erstmal Dinge weggeschafft, dann gab es eine interne Info-Veranstaltung aushäusig im Backstage, zu der ich marschieren konnte, hin und zurück in kühler, aber angenehmer Luft.

Mittags zurück im Büro schaufelte ich das zwischenzeitlich Reingekommene weg, mehrsprachig (in meiner Arbeitswelt die große Ausnahme).

Als Mittagessen gab es selbstgebackenes Brot und die vorerst letzte Orange – die sauerste der gesamten süßen Lieferung.

Emsiger Nachmittag. Einmal hörte ich
*popp* *popp-popp* *popp* *popp* *popp* *popp-popp*
Ich schaue aus dem Fenster und sah einen jugendlichen Burschen vorbeigehen: Selbstverständlich kann man einen Basketball nicht anders transportieren, weiß ich doch.

Heimweg nach Feierabend ohne Umwege. Nach meiner Yoga-Gymnastik servierte Herr Kaltmamsell Sauerkraut und Kartoffeln aus Ernteanteil so:

Gedeckter Tisch  mit grünen Sets, darauf Glasteller mit Bratwurst, Kartoffelpü und Sauerkraut, dazwischen zwei Gläser Senf

Gut! Nachtisch Schokolade.

Wieder war ein bestelltes Buch genau zum richtigen Zeitpunkt in der Münchner Stadtbibliothek verfügbar: Im Bett begann ich die Lektüre von Rebecca F. Kuang, Yellowface, gleichmal sehr süffig.

§

Diesmal ist es nicht Trump in den fernen USA, sondern die eben am meisten gewählte Partei in meiner Bundesrepublik Deutschland. Und ich überlegte durchaus erstmal, ob der Protest dagegen eine Überreaktion ist (ich bin des Protestreflexes so müde!). Ergebnis: Nein, ist es nicht. In meinem Sichtfeld war es der damalige CSU-Generalsekretär und heutige Bayerische Staatsminister für Wissenschaft und Kunst Markus Blume, der 2018 erstmals das Trump-Playbook in Reinform nachspielte, nämlich einfach das Gegenteil der Tatsachen als Realität zu behaupten: Als er die Demo gegen Hass und Hetze kurzerhand zu einer Hass-Aktion umdefinierte (entsprechende Plakate auf Kleinlastern entlang der Demo-Strecke, mir blieb kurzzeitig die Luft weg).

Davon haben seine Partei-Kollegen gelernt, das zeigten die Wahlkampf-Behauptungen von Friedrich Merz. Und so stellt die CDU/CSU-Fraktion im Bundestag eine Kleine Anfrage “Politische Neutralität staatlich geförderter Organisationen”. Der deutsche Journalistenverband nennt sie “551 Messerstiche ins Herz der Demokratie”. Nicht nur dieses seriöse Medium beleuchtete die Tatsachen zu Förderprogramme und Gemeinnützigkeit, hier die Erklärungen auf tagesschau.de (“Müssen NGOs politisch neutral sein?”) und beim Bayerischen Rundfunk (“‘Retourkutsche’ nach Demos? CDU/CSU und die NGO-Finanzfrage”).

Nachtrag: Es gibt eine offizielle Bundestags-Petition “Sicherstellung einer langfristigen ausreichenden Finanzierung für zivilgesellschaftliche Initiativen”. Sie wurde bereits am 19. Januar 2025 gestartet, wohl aus tiefer Kenntnis der Lage. Die Mitzeichnungsfrist läuft noch bis zum 1. April, ich habe gleich mal mitgezeichnet.

Journal Dienstag, 25. Februar 2025 – Ein Feuerwerk der Belanglosigkeiten

Mittwoch, 26. Februar 2025

Leicht unruhige Nacht.

Marsch in die Arbeit wieder in milder Luft, diesmal aber unter bedecktem Himmel.

Emsiges Abarbeiten von Dingen, bevor mich Besprechungen belegten (darunter eine, in der aus Gründen das Ergebnis der Bundestagswahl aus einer bestimmten Fachsicht eingeordnet wurde – das tat in seiner geballten Sachlichkeit ohne Prognosen, Bewertung oder Spekulation ungeheuer gut).

Spät schoss ich auf einen Mittagscappuccino ins Westend, jetzt zeigte sich sogar die Sonne. Wegen Arbeitsdrucks schoss ich auch zurück. Verspätetes Mittagessen: Sellerielinsen vom Vorabend, Orangen.

Auf Mastodon heiterer Austausch unter Wahlhelfenden zu Wahlabläufen in Berlin, Hamburg, Erlangen, München. Interessant natürlich die Unterschiede, so werden in Hamburg und Erlangen die Wahlbenachrichtigungen einbehalten und zum Gegenrechnen gezählt (in München geben wir die den Leuten wieder mit: Sie sind im Wählerverzeichnis abgehakt, wer abgehakt ist, darf nicht mehr wählen). Unterschiede natürlich nur in der Organisation des Ablaufs, Gesetzesbasis ist ja überall gleich.

Als ich nach Feierabend das Bürohaus verließ, sah ich nassen Boden – den Regen hatte ich nicht mitbekommen. Diesmal ein größerer Einkaufsumweg: Ich nahm eine U-Bahn zum Ostbahnhof, um bei Mittemeer Spanisches zu besorgen.

Fotoautomat vor rot gefliester Wand

Im Ostbahnhof-Durchgang unter den Gleisen Stopp mit quietschenden Sohlen: Ein Fotoautomat! Endlich hatte ich die Gelegenheit, mein Fotoprojekt weiterzuführen (seit fast 20 Jahren Fotoautomataufnahmen – geplant monatlich, tatsächlich alle paar Monate, Ziel ist Alterungsdokumentation mit festen Parametern). Das hier war eine neue Technik-Generation mit Bezahlmöglichkeit ohne Bargeld (der Kampf mit dem Einlesen meiner Mastercard setzte die Tradition der Probleme mit Münzen fort, ich schaffte es letztendlich mit Handybezahlung), vier verschiedenen Aufnahmen (die alten Automaten hatten zwar vier Aufnahmen erstellt, doch ich musste mich für eine davon entscheiden, die viermal gedruckt wurde) und für 5 Euro statt vorher 3,50 Euro – was ich als erste Preiserhöhung in 20 Jahren wirklich in Ordnung finde.

Vier verschiedene Automatenfotos einer Frau mit kurzen weißen Haaren und Brille

Hurra!

Bei Mittemeer bekam ich nicht nur die geplanten Lebensmittel, sondern auch das Peperoncino-Öl, das ich in den vergangenen Wochen vergeblich gesucht hatte.

Daheim nahm ich mir noch die Zeit für Häuslichkeiten und Yoga-Gymnastik, dann servierte Herr Kaltmamsell Kartoffeln und Petersilienwurzeln aus Ernteanteil mit Schälerbsen und Räuchertofu (Alnatura-Eigenmarke – nicht gut, weil muffig) als Eintopf – gutes Abendessen! Nachtisch Schokoladen-haltige Süßigkeiten.

Nicht nur nachts müffle ich, derzeit habe ich wieder eine (wahrscheinlich hormonell bedingte) Stinkphase: Selbst mit allerstärkstem Deo und in allerfrischestem Oberteil bemerke ich innerhalb von Minuten stechenden Schweißgeruch. Wenn Sie als unangenehm empfinden, mit einer anderen schweißelnden Person die Atemluft zu teilen (tue ich zum Beispiel) – dann stellen Sie sich mal vor, wie es ist, selbst die Quelle zu sein. Nicht schön. Ich werde ganze Stapel Oberteile 24 Stunden in Wäschedesinfektion einweichen müssen.

Journal Sonntag, 23. Februar 2025 – Zum ersten Mal briefwahlgeholfen

Montag, 24. Februar 2025

Eine Ursache des Speed-Müffelns meines Bettzeugs ist wahrscheinlich, dass ich derzeit viel schlafschwitze (als lebenslange Schlafschwitzerin kenne ich den Unterschied zum quälenden Wechseljahr-Schwitzen), selbst unter der neu entdeckten Schurwoll-Decke.

Früh aufgewacht. Seltsames Gefühl, an einem Wahlsonntag nicht kurz vor sieben das Haus zu verlassen zum Aufbauen im Wahllokal: Mein Dienst bei der Briefwahlhilfe begann erst um 14:45 Uhr. Deshalb hatte ich das Durcharbeiten der Schulungsunterlagen auch auf Sonntag verschoben.

Und ich hatte Zeit für einen Isarlauf, trat ihn allerdings früher als sonst an: Tram zum Tivoli, Lauf nach Norden isarabwärts.

Der Himmel trüb, die Luft eher mild, aber nicht erschreckend mild. Mein Körper spielte gut mit – bis auf die letzten 15 Minuten von 100, jetzt schmerzten Hüfte, linkes hinteres Bein.

Blick über eine Absperrung auf einen Bach, der über Steine in einen Fluss läuft, über dem Fluss auf Betonpfeiler eine Brücke

Fluss mit großen Steinen, am gegenüberliegenden Ufer kahle Bäume und ein Kirchturm

Tram zurück ans Sendlinger Tor, von dort spazierte ich weiter ins Wahllokal. Die Abläufe sind mittlerweile wohl wirklich über Schulungen standardisiert – ich hatte als Schriftführerin die alten Hasen zu fürchten gelernt, die als Vorsitzende ihre “Tricks, wie’s schneller geht” durchsetzten und damit alles durcheinander brachten.

Nach dem Duschen war Zeit für die Wahlhilfe-Unterlagen, ich fühlte mich als Schriftführerin halbwegs sicher, sogar dreiviertelwegs. Als Frühstück gab es ein mächtiges Käsebrot aus selbstgebackenem und zwei Orangen.

Frau mit weißen kurzen Haaren und Brille fotografiert sich im Dielenspiegel, trägt schwarzen Mantel, Jeans, blau-braune Lederschnürschuhe, eine halbrunde Tasche quer über den Körper aus hellem Leder und blauem Kunststoff

Ready for Briefwahlhelfen. Passender Anlass für den ersten Einsatz meiner neuen Tasche (von Zirkeltraining, aus alten Turnhallenmaterialien, ich wollte unbedingt ein Modell mit Turnmatte neben Bockspringleder, Circular Economy or what?). Ich nahm eine U-Bahn zum Georg-Brauchle-Ring, mein Einsatzort war das Berufsschulzentrum an der Riesstraße – und der von vielen, vielen anderen Wahlhelfenden auch, die weitläufige Anlage (Haus 1 bis 5) wurde emsig genutzt.

Ausschnitt aus einem Schulzimmer, im Vordergrund auf einem Tisch ein aufgeklappter Laptopn in einer Halterung, im Hinergrund weitere Tische und Stühle, an der gegenüberliegenden Wand eine Reihe Computerbildschirme

Mein Einsatzplatz als Schriftführerin.

Und dann tat ich, wofür ich geschult worden war, genoss die “Tischbetreuung” (IT- und sonstiger Service direkt vor Ort), lernte sieben Frauen verschiedenen Alters kennen, kam insgesamt mit allem gut zurecht. Kurz nach sieben gab es wie angekündigt die Nachlieferung an Briefwahlbriefen, auch für diese Handgriffe gab es eine Anleitung. (Einige Erlebnisse und erzählwürdige Anekdoten, vor allem menschlich, die hier halt nichts zu suchen haben. Aber auch deshalb empfehle ich Wahlhelfen von Herzen.)

Blick aus Fenster auf einen Basketballplatz in Abenddämmerung, dessen Boden hügelig ist, im Hintergrund Bürogebäude

Pause kurz vor sechs (Start Öffnung der Stimmzettel, davor hatte wir die Wahlbriefe auf Gültigkeit geprüft, die geschlossenen Stimmzettel-Umschläge der gültigen Wahlbriefe in die versiegelte Wahlurne geworfen), Gelegenheit für einen Blick nach draußen – hat man Basketballplätze jetzt so?

Wir kamen flott und professionell durch, 20:15 Uhr verabschiedeten wir uns bereits voneinander. Und nach ein wenig Warten auf die nächste U-Bahn kam ich noch vor neun nach Hause – wo Herr Kaltmamsell, gestern im Briefwahlhilfe-Einsatz an der Münchner Messe, schon seit einigen Minuten wartete, auch sein Team war gut durchgekommen.

Ich hatte ein wenig Brotzeit eingepackt gehabt, doch wie erwartet brachte ich in der Anspannung keinen Appetit auf. Jetzt aber hatte ich Hunger und aß einen Teller Orangenschwein vom Vorabend, dann noch Schokolade.

Von den Wahlergebnissen hielt ich mich gezielt erstmal fern, die würden mich am nächsten Morgen noch früh genug erwischen. Aufgekratzt ins Bett.

Journal Samstag, 22. Februar 2025 – Das Wochenende der Orange

Sonntag, 23. Februar 2025

Früh aufgewacht – Beschluss, das für meine Morgenpläne zu nutzen.

Nämlich:
1. Bettwäschewaschen inklusive Matratzenschoner, mittlerweile müffelte mein Bett bereits wenige Tage nach Frischüberziehen. Ich bin Bettmüfflerin, das liegt bei uns in der Familie, väterlicherseits. Ein weiteres Hindernis auf dem Weg zur glaubwürdigen Diva.
2. Brotbacken – und zwar ein so altes Rezept, dass es noch aus meiner allerersten Brotbackphase in den 1980ern stammte (die endete, als mein Vater vorsichtig fragte, wann es mal wieder richtiges Brot gebe): Ein Kartoffelbrot mit Roggenschrot. Aus Erfahrung weiß ich heute, dass grober Roggenschrot über Nacht kalt gewässert (oder in Sauerteig) wie im Rezept angegeben nicht weich genug wird; ich hatte ihn Freitagmorgen mit kochenden Wasser übergossen und so zwölf Stunden stehen lassen. Weitere Änderung auf Basis meiner Erfahrung: Hefezugabe deutlich reduziert, Verlängerung Stock- und Stückgare.

Auf einem runden Kuchengitter, das auf einer schwarzen Kochfläche steht: ein runder Laib Brot

Ging schön auf. (Meine Brote sehen alle gleich aus, ich muss den Schluss mal bei Stückgare oben lassen und einschneiden oder so.)

Schwimmpläne: Bis kurz vorher war ich unschlüssig, ob mir der Sonnenschein für eine (winterteure) Schwimmrunde im Dantebad reichte. Letztendlich entschied ich mich für drinnen und Olympiabad, genoss die milde Luft beim Hinradeln.

Blick durch eine offene Tür auf die gepflasterte Ebene über der Schwimmhalle, darin zwei Menschen an Stehtischen

Es war so mild, dass die Außentür zum Café über der Schwimmhalle offenstand.

Guter Schwumm, praktisch keine Geräteschwimmer*innen auf meiner Bahn, der Körper signalisierte allerdings, dass die Oberkörper-betonte Yoga-Einheit vom Vorabend (eagle arms zum Saufuttern) nicht die ideale Vorbereitung auf 3.000 Meter Kraul war.

Beim Eincremen und Anziehen hörte ich aus Nebenkabinen Gespräche auf Japanisch (zwei Männerstimmen) und Türkisch (zwei junge Frauenstimmen), freute mich an diesem München, hätte allerdings zu gerne verstanden, worum es ging – sicher ganz alltägliche Dinge, aber ebenso sicher aus einem anderen Alltag als meinem.

Mildes Heimradeln, an einer der vielen roten Ampeln an der Schleißheimer Straße nahm ich sogar das Stirnband ab.

Nahaufnahme aungeschnittener Laib Brot

Frühstück kurz vor zwei war restlicher Waldorfsalat vom Vorabend und Brot (Butter, Marmelade) – es schmeckte ok, der Roggenschrot innen war weich genug, aber halt an der Oberfläche wieder hart gebacken. Ich notierte auf dem historischen Rezept, dass es keinen weiteren Versuch wert ist, dazu habe ich zu viele erprobte und bessere Alternativen.

Nachmittag mit Lesen im meist sonnigen Wohnzimmer, darunter die Wochenend-Süddeutsche. Unter anderem wird ein Mann portraitiert, der seit 30 Jahren wahlhilft: “Ehrenamtliche Wahlhelfer gibt es kaum noch, die meisten sind im öffentlichen Dienst und bekommen die Arbeitsstunden gutgeschrieben.” Kaum noch? Stecke ich wieder in einer Wahrnehmungs-verzerrenden Blase, in meinem Sichtfeld werden es nämlich immer mehr? Und bei den jüngsten Einsätzen als Wahlhilfe bestanden die Teams immer zu mindestens der Hälfte aus Ehrenamtlichen.

Eintrag meiner Blogposts 2024 bei der VG Wort abgeschlossen.

Die schön mürben Ernteanteil-Äpfel verarbeitete ich zu Nachtisch, nämlich Apple Cumble mit gemahlenen Mandeln in den Streuseln. Während des Backens turnte ich Yoga-Gymnastik.

An diesem Wochenende sollten möglichste viele Orangen aufgebraucht werden, wir müssen sie täglich prüfen und entdecken immer welche mit Matschstellen. In den Drinks am Freitagabend waren sechs Stück verschwunden, die gestrigen Drinks Green Monkey beseitigten eine weitere, und für das Abendessen hatte ich Herrn Kaltmamsell schon im Januar ein Rezept aus dem SZ-Magazin angereicht: Ragout vom Schwein mit Orangen.

Aufsicht auf große tiefe Pfanne mit Sauce, darin Fleischstücke, halbe Orangenscheiben,Estragonbündel

Schmeckte wirklich gut! Keine Beilagen, im Glas den Kochwein, den Herr Kaltmamsell verwendet hatte (er hatte halb Brühe, halb Wein verwendet), ein italienischer Chardonnay, überraschend frisch. Nachtisch Apple Crumble.

Noch früher ins Bett zum Lesen.

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Dank an @charmingLiisa für den Hinweis auf diesen Text der immer anregenden Mely Kiyak:
“Freiheit aus dem Tante-Emma-Laden”.

Dabei wäre gegen eine vertiefte politische Auseinander­setzung mit Migration, Flucht, Asyl überhaupt nichts einzuwenden, im Gegenteil, ist sie doch seit Jahrzehnten überfällig.

Meine Rede seit langem.

Wenn fremde Staaten in Deutschland das Gerücht verbreiten, dass eine vermeintlich ungezügelte Migration die Deutschen bedroht, dann wirkt diese Desinformation auf die demokratische Stabilität ähnlich verheerend wie eine Streubombe. Diktaturen und autokratische Führer haben das schon lange begriffen, sie sind Spezialisten darin, die Sicherheits­architektur ausländischer Staaten mit dem sehr simplen Mittel der Rhetorik zu lenken, indem sie in den sozialen Netzwerken Volkszorn simulieren – bis tatsächlich welcher entsteht. Man kann den Faschisten alles Mögliche vorwerfen, aber ganz sicher nicht, dass sie die menschliche Psychologie nicht begriffen hätten.

Gleichzeitig schreibt sie auch viele Ideen, auf die ich nie gekommen wäre, die ich aber sehr spannend finde, zum Beispiel eine digitale Wehrpflicht.

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Ashifa Kassam hat sich für den Guardian die spanische Wirtschaftsentwicklung und Politik angesehen und identifiziert als Ursache für derzeit steigendes Bruttoinlandprodukt und niedrigste Arbeitslosenquote seit 2008 – TUSCH! – Offenheit für Einwanderung.
“How Spain’s radically different approach to migration helped its economy soar”.

Other factors are also at play. Spain’s abundance of wind and solar renewables has helped to keep energy relatively cheap while EU Covid recovery funds bolstered the economy and the socialist-led government ran a deficit to fund initiatives such as raising pensions and public sector hiring.

(…)

After years of watching the far right’s hardline views on migration become mainstream, analysts were swift to highlight how Spain was different. “One remarkable facet of Spain’s recent performance has been the role of immigration,” economists at JPMorgan noted in a recent research report. “2022 saw the highest net migration in 10 years, at close to three-quarters of a million individuals.”

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“Deutschland verbraucht 17 % weniger Wasser nach AKW-Abschaltung”.
Inklusive schöner (und halt anstrengender) Aufschlüsselung, wie man sowas berechnet.